Gründer

Wer will dein Produkt?

Foto: Johannes_Arlt / Johannes Arlt

Jeder glaubt, seine Idee sei einzigartig. Doch vieles ist nicht markttauglich. Hamburger Berater schicken Existenzgründer auf die Straße, um dort Passanten nach ihrer Meinung zur Geschäftsidee zu fragen.

Trotz Krise ist die Zahl der Gründungen 2009 leicht gestiegen. 410 000 Unternehmen sind nach Angaben des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) in Deutschland entstanden - 2,7 Prozent mehr als 2008. Die Zahl der Liquidationen ist parallel um 3,6 Prozent auf 397 000 gesunken. Der Gründungssaldo sei also positiv, meldet das IfM.

Doch ob sich eine Unternehmung dauerhaft trägt, hängt nicht nur von der Marktsituation ab. "Wer scheitert, hat sich in der Regel nicht solide genug vorbereitet", sagt René Thaler, Inhaber der Hamburger Unternehmensberatung neue impulse. Fünf bis zehn Prozent der angehenden Gründer müssten sogar vor sich selbst geschützt werden. Ihre Idee steht auf derart wackeligen Füßen, dass Gründungsberater Thaler ihnen dringend vom Start in die Selbstständigkeit abrät.

Doch wie sieht eine Geschäftsidee aus, die die Chance hat, ihren Gründer zu ernähren und für die Zukunft finanziell abzusichern? Der Markt muss sie tragen. Fragen, die dazu geklärt werden müssen, sind zum Beispiel: Welche Mitbewerber gibt es? Wie sieht deren Angebot aus? Welche Besonderheit hat das eigene Angebot, das die Kunden veranlasst, lieber zu diesem Produkt oder dieser Dienstleistung zu greifen, statt das eingeführte Angebot der Konkurrenz zu kaufen?

Eine kleine Feldstudie kann den Durchblick bringen. Die Berater im Gründungsinkubator von .garage Hamburg zum Beispiel schicken angehende Gründer auf die Straße: Sie sollen 104 potenziellen Kunden ihre Idee skizzieren und sie nach ihrer Meinung fragen. Was nicht markttauglich ist, stirbt schnell auf diese Art.

"Die Markterkundung ist die Mutter aller Planung", sagt Gründungsberater Sven Lindhorst, Projektleiter bei .garage Hamburg und Inhaber von Lindhorst Consulting. "Will der Kunde dein Produkt auch so, wie du es dir vorstellst?", sei eine Frage, die den Gründer dabei leiten sollte, betont Lindhorst. Auch wer glaubt, seine Geschäftsidee sei etwas ganz Besonderes, sollte noch mal recherchieren, ob er damit auf dem richtigen Weg ist. Denn: "Wenn mir jemand einen Businessplan vorlegt, in dem steht, sein Angebot sei 'einzigartig', dann heißt das meist, dass alle anderen damit gescheitert sind oder die Preise, die damit zu erzielen sind, zu niedrig ausfallen", sagt Berater Sven Lindhorst.

Basierend auf den Eingangsrecherchen geht es dann an den Businessplan - das A und O jeder Gründung. Er dient der eigenen Planung, wird aber auch von Banken verlangt, die Kredite geben sollen. "Und nicht zuletzt will auch die Agentur für Arbeit einen Businessplan sehen, wenn sie einen Gründungszuschuss zahlen soll", erklärt Berater René Thaler.

Der große Fehler, den viele Gründer schon im Businessplan machen: Sie ignorieren, wie wichtig es ist, stets liquide zu sein. "Denn die wenigstens Gründer haben einen Kontokorrentkredit, also die Möglichkeit, ihre Geschäftskonten zu überziehen", hebt Sven Lindhorst hervor. Wenn ein Kunde nicht wie geplant zahlt, Material unvorhergesehen teuer wird oder etwas dringend angeschafft werden muss, gerät die gesamte Gründung ins Straucheln.

Für 2010 erwarten die Forscher vom IfM übrigens aufgrund der schlechten Konjunktur und der steigenden Arbeitslosigkeit mehr Insolvenzen - aber auch mehr Gründungen. Darum wird es umso wichtiger, sich beim Start in die Selbstständigkeit beraten zu lassen. Adressen von Einrichtungen, die Gründern helfen, haben wir für Sie im Info-Kasten links unten auf dieser Seite zusammengestellt.

Tipps zum Aufbau des Businessplans finden Sie online unter der Adresse www.abendblatt.de/businessplan

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