Cafés in Hamburg

"Kaffee im Pappbecher ist praktisch, aber nicht genussvoll"

Cafés, Kneipen und Restaurants - Gastronomie ist in Hamburg an jeder Ecke zu finden. Seitdem es aber den "Coffee-to-Go" gibt, ist die Tradition des gemütlichen Kaffeetrinkens, vielleicht mit einem Stückchen Torte, ein wenig in Vergessenheit geraten. Auf dem Weg zur Arbeit an einem Kiosk einen Kaffee im Pappbecher mitzunehmen ist praktisch, aber nicht besonders genussvoll.

Dennoch: Es gibt viele gute und sehr individuelle Cafés in der Hansestadt, gute Alternativen, wenn es mal nicht der Milchkaffee aus den großen Coffeeshop-Ketten sein soll. Das sagt zumindest die Hamburg-Expertin Barbara Wilcke-Schröder. Über 15 Jahre lang hat die 49-Jährige die Hansestadt erforscht und kennt viele Geheimtipps. Heute hat sie ihre Passion mit ihrer Eventagentur "Hamburg Individuell" zum Beruf gemacht, indem sie ihren Kunden die Hansestadt von einer ganz anderen Seite präsentiert und ihr Wissen weitergibt.

"In Hamburg sind die wirklich guten und ausgefallenen Cafés in machen Stadtteilen zentriert, ein Beispiel dafür ist Eppendorf", sagt Barbara Wilcke-Schröder. "Es klingt ein wenig paradox, aber je weiter man sich vom Zentrum entfernt, desto weniger Cafés gibt es. Doch direkt in der City, rund um die Mönckebergstraße und den Gänsemarkt, gibt es wenig neben den Ketten." Wenn, dann seien die Lokale in kleinen Querstraßen versteckt, nicht leicht zu finden. In der Innenstadt empfiehlt Wilcke-Schröder für anspruchsvolle Hamburger die Park Lounge im Hotel Park Hyatt an der Bugenhagenstraße 8. "Von dort aus hat man einen perfekten Blick auf die Mönckebergstraße." Die Expertin bedauert jedoch, dass es nur wenige Cafés rund um die Außenalster gibt. "Es ist nicht einfach, ein Lokal zu finden, wenn man sich nach einem Spaziergang aufwärmen will", so Wilcke-Schröder. "Da muss schon ein wenig gesucht werden." Ein Tipp sei das Julius-Meinl-Kaffeehaus am Alsterufer 35, ehemals "Die Insel", das heute den Charme eines Wiener Kaffeehauses besitzt. Für den großen Ansturm am Wochenende ist das Team derzeit jedoch noch nicht gerüstet. Eine Alternative dazu ist das "Literaturhauscafé", Schwanenwik 38. "Es ist wirklich seltsam, dass dort, wo viele Leute spazieren gehen, nur wenig Cafés sind."

Weniger schwierig ist es dagegen, im Westen Hamburgs einen schönen Platz zum Kaffeetrinken zu finden. "In Lühmanns Teestube an der Blankeneser Landstraße 29, einem Antik-Café mit einer riesigen Gebäckauswahl, gibt es Kuchen wie bei Muttern", sagt Wilcke-Schröder und lacht. Schade findet sie, dass es in der Hansestadt im Vergleich zu anderen Großstädten wenige Cafés gibt, bei denen die Gäste draußen sitzen können. "Wahrscheinlich liegt es an dem Hamburger Wetter. Aber so langsam stellen immer mehr Cafés Heizstrahler auf, einige bieten auch Decken für ihre Kunden an. Und wenn dann die Sonne mal herauskommt, wird das auch genutzt." Zudem kritisiert die Hamburg-Expertin, dass die Tee-Tradition in Hamburg extrem zurückgehe. "Wenn man sich überlegt, was für Preise für ein Glas heißes Wasser und einen Teebeutel gefordert wird, dann ist das schon abenteuerlich." Tee-Freunde sollten deshalb das "Meßmer Momentum" in der HafenCity besuchen. "Hier gibt es eine riesige Teeauswahl, und gleichzeitig besucht man ein Teemuseum - das ist dort mit integriert." Hamburg habe Café-Freunden einiges zu bieten, so das Resümee der Expertin. "Man muss ein wenig forschen und mit offenen Augen durch die Stadt gehen", sagt Wilcke-Schröder. "Auch in unserer Stadt ist für jeden Geschmack etwas dabei.