E-tron Spyder

Mit drei Motoren an Bord auf Sparkurs

Kombination aus Diesel- und Elektroantrieb: Das Audi-Hybridmodell e-tron Spyder gibt einen Ausblick auf die Zukunftspläne des Herstellers.

Wer Trends setzen möchte, arbeitet nicht mit zartem Pinselstrich. Plakativ und eindringlich müssen seine Botschaften sein und möglichst dick aufgetragen. Nach diesem Muster schickt Audi jetzt einen Roadster an die Öffentlichkeit, der mit reizvollen Proportionen, knappen Überhängen vorn und hinten, einer umlaufenden, superflachen Windschutzscheibe und 20 Zoll großen Rädern im Schaufeldesign für erhöhten Puls bei Betrachtern sorgt. So geschehen auf einer ersten Ausfahrt mit dem Audi e-tron Spyder in den Bergen östlich von Malibu. "Ist der echt?", fragt eine Kalifornierin sichtlich beeindruckt und bringt uns in Erklärungsnot.

Echt ist der Zweisitzer durchaus! Dass er jedoch so, wie er hier steht, irgendwann als Serienfahrzeug unseren Alltag bereichern wird, muss bezweifelt werden. Denn Fahrzeugkonzept und Antriebseinheit wollen nicht so recht zusammenpassen.

Die leichte Karosserie mit einem Materialmix aus Aluminium- und Kohlefaserteilen verdeckt einen dieselelektrischen Hybridantrieb, dessen Komponenten sich zwar wunderbar ergänzen, der das Gewicht des Sportwagens aber in die Höhe treibt. Hinter den Rücksitzen dieses Einzelstücks arbeitet der aus dem Audi A6 bekannte Diesel-Direkteinspritzer mit 3,0 Liter Hubraum und Doppelturboaufladung. Er schickt bis zu 313 PS an die Hinterachse. Doch damit nicht genug: An den Vorderrädern sind zwei Elektromotoren (88 PS/64 kW Leistung) installiert. Wie viel Kraft im Fahrbetrieb letztlich an die Hinterachse und die einzeln angesteuerten Vorderräder fließt, entscheidet die Steuerelektronik. Die Systemleistung aller drei Kraftquellen von zusammen 489 PS macht den rund 1,7 Tonnen schweren e-tron Spyder nominell zum Supersportwagen.

Tatsächlich jedoch wird die Diesel-Hybridtechnik genutzt, um mit hohen Leistungsdaten bei niedrigem Durchschnittsverbrauch zu wuchern. Die Elektromotoren schalten sich nur beim Beschleunigen zu und ergänzen die 650 Newtonmeter Drehmoment des Diesels um weitere 362 Newtonmeter. In der Praxis bleibt dem Fahrer fast das Herz stehen, wenn der Wagen von so viel Kraft nach vorn gerissen wird. Abgesehen von einer 12-Volt-Starterbatterie führt der Audi 110 Lithium-Ionen-Akkus für die E-Motoren mit. Sie speichern bis zu 9,1 Kilowattstunden Strom als zusätzliche Beschleunigungshilfe und für den ausschließlich elektrischen Betrieb des Wagens für eine Distanz von bis zu 50 Kilometern - bei Maximaltempo 60 km/h. Über das Infotainmentsystem MMI kann der Fahrer den Eco-Mode für ausschließlich elektrisches Fahren aktivieren. Doch der Elektrobetrieb ist wegen der eingeschränkten Reichweite nur als Notprogramm für eine möglichst geräuschlose Heimkehr zu verstehen. Dort können die Akkus an der Haushaltssteckdose nachgeladen werden, wodurch Audi in der Lage ist, den Durchschnittsverbrauch mit 2,2 Litern/100 km zu beziffern. Doch das ist nur ein theoretischer Normwert, der spezielle Parameter erfordert.

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Der rassige Zweisitzer soll Sportwagen-Fans ködern, denen der knackige frontgetriebene Audi TT zu niedlich und der ausdrucksstarke, heckgetriebene Mittelmotor-Renner Audi R8 zu opulent erscheint. In konsequenter Leichtbautechnik, mit der Vorderachse aus dem TTRS und der Hinterachse des R8, bringt es der Spyder auf eine Länge von nur 4,06 Metern. Format und Design entsprechen bis ins Detail dem für die nahe Zukunft avisierten Audi R4. So malt der Spyder auch ein Bild der künftigen Sportwagen-Formensprache der Ingolstädter.

Der e-tron Spyder fährt als rassiger Sportwagen vor, doch in Verbindung mit dieser Antriebseinheit wird es ihn für eine potenzielle Käuferschaft nicht geben. Insbesondere, weil seine schweren Akkus den Ansprüchen an die Dynamik des Zweisitzers nicht genügen. Ist er deshalb unecht? Keineswegs! Schließlich gelingt es uns, die kalifornische Passantin davon zu überzeugen, dass auch in mittelfristiger Zukunft noch spontane Kraftentfaltung, hohe Fahrdynamik und gute Handlingeigenschaften eines Sportwagens an Verbrennungsmotoren gekoppelt sein werden. Den neuen Audi R4 treibt ganz sicher ein direkteinspritzender Turbomotor aus dem Konzernbaukasten an. Der im e-tron Spyder genutzte Diesel-Hybridantrieb dagegen wird ab 2014 erst einmal den Audi Q5 bewegen und sich kurz darauf auch im gehobenen Mittelklassemodell A6 wiederfinden.

Wenn der Hybrid-Renner einen neuen Trend einleitet, dann den zu noch mehr Sportlichkeit der bayrischen Marke. Strategisch scheint dafür der richtige Zeitpunkt gekommen. Denn Audi muss im neu sortierten Volkswagen-Großkonzern um die Entwicklungshoheit seiner Sportwagen fürchten. Die könnte nämlich nach der Integration von Porsche an dessen Entwicklungszentrum im schwäbischen Weissach fallen. Der neue Audi R4 würde dann zu einer Ausprägung des schon länger geplanten "kleinen" Mittelmotorsportwagens für verschiedene Volkswagen-Konzernmarken. Bei Porsche hieße dieser 550 Spyder.

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