Achtsamkeit

Corona-Stress: Wie Sie sich frischer und entspannter fühlen

Lesedauer: 4 Minuten
Kai Wiedermann
Corona-Langzeitfolgen: Möglicherweise helfen Impfungen

Corona-Langzeitfolgen: Möglicherweise helfen Impfungen

Langzeitfolgen von Corona werden seit knapp einem Jahr erforscht. Nun wird vermutet, dass eine Impfung gegen Long-Covid helfen könnte.

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Wie umgehen mit dem Stress in der Pandemie? Wenn die Belastung zu groß wird, kann Yoga helfen – verbunden mit ein paar anderen Tricks.

Berlin. Wie sehr die Corona-Pandemie die Menschen in Deutschland belastet, ist bereits mehrfach untersucht worden. Zuletzt berichteten Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Studie der Universität des Saarlandes von Stress, steigender emotionaler Erschöpfung und depressiven Symptomen. Im Vergleich zum ersten Lockdown 2020 habe sich die Situation deutlich verschärft.

Professor Bertolt Meyer, Arbeits- und Wirtschaftspsychologe an der Technischen Universität in Chemnitz, wollte mehr wissen: Von April bis Juli 2020 analysierten er und sein Team nicht nur, was den Menschen während des ersten Lockdowns Probleme bereitete, sondern auch, was ihnen half, Stress und Belastungen zu verringern.

Nach der bundesweiten Befragung von 2900 Männern und Frauen kamen sie zu folgenden Ergebnissen: Das eigene Gesundheitsverhalten, die sogenannte Selbstsorge, hatte am effektivsten die emotionale Erschöpfung verringern können, gefolgt von sozialer Unterstützung in Partnerschaft und Umfeld.

Stress in der Pandemie: Nicht jeder bemerkt es

Das eigene Verhalten also: "Menschen, die in Bezug auf ihre Gesundheit über ein hohes Maß an Aufmerksamkeit verfügen, bemerken eher, wenn sie sich überlasten. Sie denken über mögliche Ursachen nach und leiten daraus Verhaltensweisen ab, die der körperlichen und geistigen Gesundheit guttun", kommentierte die Techniker Krankenkasse die Studie aus Chemnitz.

Wer hingegen ein geringes Gesundheitsbewusstsein habe, bemerke oft gar nicht oder zu spät, wann er oder sie einer Entwicklung gegensteuern müsse. Gegensteuern. Aber wie?

Eine Antwort auf die Frage, was Wohlbefinden und Stress im Alltag nachweisbar beeinflussen können, liefert eine weitere Studie der TU Chemnitz. Psychologin Karin Matko hat dabei untersucht, was eine Kombination aus körperlichem und geistigem Training, von Yoga und Meditation, bewirken kann. Die Studie ist als Preprint erschienen und befindet sich aktuell im Prozess der Begutachtung.

Studie zu Stress: Hier war das Wohlbefinden am besten

Über einen Zeitraum von acht Wochen analysierten und befragten Matko und Kollegen vier Gruppen von Probanden. Eine machte täglich 20 Minuten Meditation, eine weitere meditierte, informierte sich aber auch über den spirituellen Hintergrund und reflektierte das eigene Verhalten.

Die dritte Gruppe machte Yoga und meditierte ohne Bezug zu spirituellen Grundlagen, die vierte kombinierte alles – Yoga, Meditation, Ethik und Selbstreflexion. Täglich wurden die über 40 Studienteilnehmer online befragt. Einmal pro Woche gab es ein Treffen samt Übungen und Gesprächen.

Das Wohlbefinden, berichtet die Psychologin, sei vor allem bei jenen Probanden gestiegen, die Meditation mit Selbstreflexion kombiniert hatten. Sie hatten sich mit negativen Verhaltensmustern beschäftigt sowie der Frage, wie sich diese ändern ließen. "Diese Menschen fühlten sich frischer und entspannter. Ihre Tage waren häufiger von Freude und interessanten Dinge erfüllt", berichtet Matko.

Der Stresslevel hingegen sei am stärksten bei jenen Menschen gesunken, die Yoga und Meditation kombiniert hatten. "Es ist erwiesen, dass Yoga eine sehr beruhigende Wirkung hat, auch auf das vegetative Nervensystem", sagt Matko. Ihre Studie habe hier die Erkenntnisse anderer Untersuchungen bestätigt.

Yoga und Corona: "Scheint sehr gut zu passen"

Dass viele der Probanden auch ein Jahr nach Ende der Studie dem Yoga treu geblieben waren, wie Nachbefragungen zeigten, hat selbst Matko überrascht. Die Übungen hätten offenbar auf viele Menschen einen direkten, unmittelbaren Einfluss. "Yoga scheint sehr gut zu den aktuellen Bedürfnissen unserer Gesellschaft zu passen. Man merkt schnell, dass es dem Körper besser geht", so die Psychologin.

Bei der Meditation sei diese Konstanz oft ausgeblieben. "Viele haben erklärt, dass sie zwar gelernt hätten, ihre Gedanken positiv zu beeinflussen, dass sie dafür aber nicht täglich zu meditieren brauchten", sagt Matko. Sie griffen dann darauf zurück, wenn es ihnen schlecht gehe.

Stress mit Corona: Was noch hilft

In Zeiten von Lockdown-Stress und -Erschöpfung wirbt auch Karin Matko dafür, sich gut zu beobachten und bewusst Pausen einzulegen.

Wenn die Konzentration im Homeoffice abschweife oder die erzwungene Vermischung von Job und Familie die Nerven überstrapaziere, könnten Yogaübungen oder kurze Meditationen den Geist entlasten. Matko: "Die Arbeitspsychologie empfiehlt einmal pro Stunde, also alle 55 bis 60 Minuten, eine Kurzpause von etwa fünf Minuten."