Hausmittel

Heuschnupfen: Was bei Pollenallergie wirklich hilft

Einige Pollenallergiker spüren die Auswirkungen des milden Winters bereits im Februar.

Einige Pollenallergiker spüren die Auswirkungen des milden Winters bereits im Februar.

Foto: istock / iStock

Juckende Augen, verstopfte Nase: Rund zwölf Millionen Menschen in Deutschland haben Heuschnupfen. Welche Hausmittel Symptome lindern.

Berlin. Ständig tränende, juckende Augen und knappe Luft dank verstopfter Nase: Etwa zwölf Millionen Menschen in Deutschland leiden an Heuschnupfen, so der Polleninformationsdienst. Einige von ihnen spüren die Auswirkungen des milden Winters bereits im Februar. Denn ausbleibende Kälte und Schnee führen zu einem frühen Start der diesjährigen Heuschnupfen–Saison.

Die Pollen der Frühblüher Hasel und Erle beispielsweise, die bei besonders vielen Menschen allergische Reaktionen auslösen, fliegen in einigen Regionen Deutschlands bereits seit Ende Dezember. Spätestens im März kommen auch Birke, Eiche und Raps hinzu. Lesen Sie hier: Die Heuschnupfen-Zeit beginnt immer früher im Jahr.

So entsteht Heuschnupfen

Die im Blütenstaub erhaltenen Eiweiße lassen das Immunsystem von Allergikern verrückt spielen. Es verbucht sie fälschlicherweise als Eindringlinge und reagiert mit der Produktion von Antikörpern, die sich an so genannte Mastzellen heften. Die setzen den Entzündungsbotenstoff Histamin frei, der eine Kette allergischer Reaktionen wie Niesattacken, geschwollene Augenlider oder juckende Schleimhäute in Mund und Rachen auslösen kann.

Abschwellendes Nasenspray, Augentropfen, Antihistaminika als Tabletten und mit Spritzen oder täglichen Pillen können die Beschwerden lindern. Wichtig ist, umgehend auf die ersten Anzeichen der Allergie zu reagieren. Bei Augentropfen und Nasensprays sollten Verbraucher Medikamente favorisieren, die auf Konservierungsstoffe verzichten, rät Stiftung Warentest. Erst wenn Spray und Nasentropfen nicht mehr ausreichen, sollten Allergiker Tabletten, Saft oder Sirup einnehmen. Wir erklären außerdem, wie Apps und andere Hausmittel helfen.

Was Pollenallergiker zu Hause unternehmen können

„Wer beispielsweise eine Birke vor dem Fenster hat, sollte darüber nachdenken, sich ein Pollenschutzgitter anzuschaffen“, rät Allergologin Margitta Worms von der Berliner Charité. Grundsätzlich gilt: Je weniger Pollen in der Wohnung landen, desto besser für Allergiker. Fenster sollten deshalb eher geschlossen bleiben. „In ländlichen Regionen ist die Pollenbelastung morgens höher, weshalb Betroffene besser abends Stoßlüften sollten. In der Stadt verhält es sich genau andersherum“, sagt Allergologin Mandy Cuevas vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden.

Während es regnet und auch noch kurz danach, ist die Pollenbelastung geringer. Nicht so jedoch kurz vor einem Gewitteroder Regenschauer: Weil die Luftfeuchtigkeit steigt, saugen sich Pollen voller Wasser und platzen. Dadurch verschlimmern sich die Beschwerden einiger Betroffener kurzzeitig sogar.

Heuschnupfen: Nicht länger als nötig ins Freie gehen

Tatsächlich sollten sich Allergiker während der Pollensaison nicht länger als nötig im Freien aufhalten. Das gilt besonders für trockene und warme Tage, so Pollen-Expertin Worms. Erst recht nicht, um Sportzu treiben. Durch die körperliche Anstrengung atmen Athleten kräftiger und häufiger ein. Der B lütenstaub gelangt so tief in die Lunge. Wer sich dennoch ertüchtigen möchte, kann stattdessen ins Fitnessstudio gehen oder im Wohnzimmer trainieren.

Dass sich Blütenstaub in Kleidung und Haaren festsetzt, lässt sich allerdings kaum vermeiden. Um sicherzugehen, dass er nicht ins Schlafzimmer gelangt und nächtliche Nies–Attacken auslöst, sollten Pollenallergiker Körper und Haare vor dem Schlafengehen waschen und sich, wenn möglich, außerhalb des Schlafzimmers umziehen. „Wichtig ist auch, gewaschene Kleidungwährend der Pollen-Saison in der Wohnung zu trocknen“, rät Allergie-Expertin Cuevas. Sonst trägt man die Blütenpollen mit der frischen Wäsche direkt ins Haus.

Smartphone als Pollen-Frühwarnsystem

  • „Husteblume“ ist eine App der Techniker Krankenkasse, die Allergiker über die Pollen–Belastung ihrer Umgebung informiert – und sogar Voraussagen über mehrere Tage anbietet. Betroffene können ihre Symptome außerdem in einem Tagebuch notieren und auswerten lassen.
  • Im „Pollen-Radar“ des Pharmaunternehmens Ratiopharm richten Nutzer ein eigenes Allergie–Profil mit dem für sie relevanten Blütenstaub ein. Die App zeigt ihnen daraufhin einen individuellen Pollenflug für die kommenden sechs Tage voraus.
  • Pollenflug-Vorhersage“ gibt tagesaktuell ortsgenaue Auskünfte über 15 allergieauslösende Pflanzen. Die Daten werden drei Mal täglich aktualisiert. Auch hier profitieren Nutzer von einer Tagebuch-Funktion.

Alle Apps gibt es kostenlos im Android- und Apple-Store.

Heuschnupfen: Diese Hausmittel helfen

  • Viele Allergiker leiden unter geschwollenen und juckenden Nasenschleimhäuten. Dagegen kann eine Nasendusche am Abend helfen. Wer seinen Nasengang mit Salzwasser durchspült, entfernt Pollen von der Nasenschleimhaut und löst zusätzlich den festsitzenden Schleim. Dafür einfach Salzwasser aufkochen, abkühlen lassen und in die Nasendusche füllen. Lesen Sie hier: Diese elf Hausmittel helfen gegen Husten, Schnupfen und Heiserkeit.
  • Während Bronchien und Nase durch eine Schleimhaut geschützt sind, trifft Blütenstaub direkt auf die Bindehaut des Auges, die mit Tränen und Jucken reagieren kann. Ist sie leicht gereizt, kann eine kalte Kompresse Linderung verschaffen. Sie verengt die durch den entzündlichen Prozess erweiterten Blutgefäße. Entwickelt sich die Bindehautreizung jedoch zu einer Entzündung, sollten Betroffene umgehend einen Arzt aufsuchen.

Kreuzallergie: Lebensmittel können Symptome verschlimmern

Dass Pollenallergiker grundsätzlich auf histaminreiche Lebensmittel verzichten sollten, weil diese ihre Symptome noch verschlimmern könnten, kann Sonja Lämmel vom Deutschen Allergie und Asthmabund nicht bestätigen. „Allerdings leiden zirka 60 Prozent der Betroffenen unter so genannten Kreuzallergien. Ein Irrtum des Immunsystems“, sagt die Ernährungswissenschaftlerin.

Ihr Organismus reagiert nicht nur auf die Proteine der Pflanzenpollen allergisch, sondern auch auf Eiweiße bestimmter Nahrungsmittel, die denen der Blütenpollen ähneln. Vielen Birkenpollen-Allergikern ergeht es so, wenn sie Nüsse, Äpfel, Erdbeeren oder Kirschen verzehren. Menschen, die allergisch auf Gräser reagieren, vertragen häufig auch keine Tomaten, Kartoffeln, Erdnüsse oder Soja. Alkohol kann die Abwehrreaktion des Körpers noch verstärken.

„Typische Symptome sind Kribbeln oder Juckreiz im Mund“, sagt Allergologin Cuevas. Allergietests weisen Kreuzreaktionen in der Regel aber schnell nach. Betroffene können sich von einem Allergologen daraufhin untersuchen lassen.

Ist das Immunsystem der Betroffenen durch Stress oder Infekte zusätzlich geschwächt, können sich die allergischen Symptome noch verstärken. „Letztlich hilft nur, betreffende Lebensmittel zu meiden“, sagt Cuevas.

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