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Datensammelei: Wie man Smartphone-Spuren wirksam verwischt

Nutzer von Smartphones hinterlassen ständig Datenspuren.

Nutzer von Smartphones hinterlassen ständig Datenspuren.

Foto: imago stock / imago/Westend61

App-Anbieter sammeln eifrig Nutzerdaten. Nutzer können etwas dagegen tun. Mit simplen Schritten lassen sich Schnüffler abschütteln.

Berlin. Es ist handlich, immer dabei, hat Apps für jede Lebenslage an Bord und ist ständig verbunden mit dem Internet. Das Smartphone ist praktisch und für die meisten wohl als täglicher Begleiter unverzichtbar. Doch nur wenig, was auf dem Mobiltelefon passiert, bleibt auch dort. Als Nutzer ist man ohne eigene Vorkehrungen weitgehend gläsern.

Grund sind die Datenspuren, die wir automatisch mit unserem Smartphone hinterlassen – bei jedem Besuch im Internet und bei jeder App, die wir öffnen. Betreiber von Apps und Internetseiten werten darüber im großen Stil aus, was wir mit unserem Smartphone oder Tablet im Internet treiben: Welche Seiten wir wie lang besuchen, was uns interessiert oder was wir kaufen. Das Zauberwort: Tracking.

Nicht alle Smartphone-Spuren sind für Nutzer von Nachteil

In den meisten Fällen läuft die Auswertung des Nutzerverhaltens über sogenannte Cookies. Das sind Datenschnipsel, die jeder hinterlässt, wenn er per Smartphone im Internet unterwegs ist. Seitenbetreiber analysieren sie aus unterschiedlichen Gründen: Zum einen können sie ihre Inhalte, Angebote und Suchergebnisse so besser auf die Nutzerbedürfnisse zuschneiden.

Zugleich kann Werbung passgenauer auf die Interessen der Seitenbesucher ausgespielt, was mehr Geld einbringt. Zum anderen lassen Cookies teils Rückschlüsse über den Aufenthaltsort der Nutzer zu, ihr Geschlecht oder das Alter – was nicht jeder möchte. „Cookies sind etwas Gutes und etwas Böses“, sagt Marcus Pritsch von der Stiftung Warentest.

Datenspuren aktiv einschränken

„Der Onlineshop kann mich damit nach zwei Wochen wiedererkennen. Dann ist mein Warenkorb immer noch mit meinen Sachen gefüllt – aber der Shop erkennt mich eben auch nach Jahren noch wieder.“

Neben Internetseiten sammeln auch App-Anwendungen Nutzerdaten. „Es geht oft darum, zu verstehen, wie jemand eine Anwendung nutzt“, sagt Jo Bager vom Fachmagazin „c’t“. „Wenn man trackt, was der Benutzer in einer Anwendung macht, kann man auch Ecken aufstöbern, die noch nicht gut programmiert sind.“

Smartphone-Nutzer können bei Bedarf jedoch ihre Datenspuren aktiv einschränken und sich somit weniger gläsern machen. Das gelingt in einfachen Schritten und ohne Kosten. „Ich muss kein Geld ausgeben, um vernünftig geschützt zu sein“, bestätigt Bager.

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Nutzer kann Tracking-Art festlegen

Egal ob Google Chrome und Mozilla Firefox bei Android oder Safari auf Apple-Geräten: Mit den bekannten Browser-Apps für das Surfen im Internet machen Nutzer den Experten zufolge nichts verkehrt. „Die sind alle drei erst mal sicher“, so Bager. Geht es aber um Vorkehrungen gegen das Datensammeln, gibt es feine Unterschiede.

In allen drei Browser-Apps kann der Nutzer im Einstellungs-Menü (in Chrome etwa über „Website-Einstellungen“) prüfen und anpassen, welche Tracking-Arten er gestattet: So lassen sich etwa Cookies für alle oder bestimmte Internetseiten blockieren oder festlegen, welche Seiten auf Mikrofon, Kamera oder den eigenen Standort zugreifen dürfen.

Für besonders Vorsichtige empfiehlt sich Firefox. Dieser blockiert bereits von Haus aus Tausende Tracker und kann in Android um Datenschutz-Erweiterungen wie „Privacy Badger“ oder „Ublock Origin“ ergänzt werden. Die Browser-App „Brave“ sei laut Bager besonders strikt beim Datenschutz und blocke besonders viele Inhalte.

Wer mag, kann seine Cookies im Browser auch regelmäßig selbst löschen. „Allerdings könnte die Handhabung schlechter werden. Und es gibt auch andere Methoden, um Nutzer wiederzuerkennen,“ gibt Pritsch zu bedenken.

Das Surfen über sogenannte Inkognito- oder Anonym-Tabs des Browsers verschleiere das Surfverhalten nur gegenüber anderen Nutzern desselben Geräts, betont Bager. Für die Datenspur nach außen habe der Modus dagegen keinen Effekt.

Berichtigungen für Apps nicht großzügig vergeben

Der zweite Angriffspunkt neben dem Browser sind App-Berechtigungen. Jede App, die Nutzer aus dem Google Play Store in Android oder aus dem App Store in iOS herunterladen, fordert Berechtigungen an für bestimmte Zugriffe auf das Gerät. Darunter tummeln sich durchaus sensible Bereiche: Von der Kontaktliste über Kamera und Mikrofon bis hin zum Standort.

Welche App derzeit über welche Berechtigungen verfügt, lässt sich unter Android und iOS in den Einstellungen unter „Datenschutz“ einsehen und anpassen. Nutzer sollten kritisch hinterfragen, ob die Rechte zum Zweck der App passen. „Der Klassiker ist eine Taschenlampen-App, die Zugriff auf das Adressbuch haben will“, weiß Jo Bager.

„Wozu brauch die das? Das könnte jemand sein, der meine privaten Daten abgreifen will.“ Klug sei es, allen Apps zunächst möglichst wenig Berechtigungen einzuräumen. Im Zweifel fordern die Apps diese später noch einmal von selbst an. „Man kann die Chat-App erst mal ohne den Zugriff auf die Kamera installieren. Will man später eine Videokonferenz machen, kann man das wieder freigeben“, empfiehlt Bager. Der Zugriff auf die Ortung ist besonders kritisch.

Eigenes Verhalten im Internet kritisch hinterfragen

Wer den Internet-Browser und die Berechtigungen nach seinen Wünschen angepasst hat, sollte schlussendlich sein eigenes Verhalten im mobilen Netz nicht vergessen. Denn auch hierüber geben Nutzer viele Daten sorglos preis.

Alles, was man in sozialen Netzwerken wie Facebook mit einem „Like“ versieht, abonniert oder teilt, verrät Betreibern viel über die eigenen Vorlieben, Wünsche und Sorgen. Somit ist der Smartphone-Nutzer selbst eine der wichtigsten Schleusenwärter für die Frage: Welche Daten sammeln Fremde über mich? (mit dpa)