Erbschaft

Milliarden auf vergessenen Konten – Tipps für Hinterbliebene

Beim Aufräumen eines Kellers kommen manchmal Schätze zutage – jahrzehntealte Sparbücher etwa.

Beim Aufräumen eines Kellers kommen manchmal Schätze zutage – jahrzehntealte Sparbücher etwa.

Foto: dpa Picture-Alliance / Oliver Berg / picture alliance / dpa

Bei Banken schlummern riesige Summen auf Konten, zu deren Inhabern kein Kontakt mehr besteht. So kommen Angehörige aber an das Geld.

Berlin. Mehrere Milliarden Euro liegen auf den Konten Verstorbener – und die Erben wissen nichts davon. Niemand ruft das Geld ab. Die Banken tun nichts, um die Erben zu finden. Wer also den Verdacht hat, dass da irgendwo noch Geld herumliegt, der muss sich schon selbst darum kümmern.

Die Banken sprechen von „nachrichtenlosen Konten“. Schätzungen zufolge liegen in Deutschland zwei bis neun Milliarden Euro auf solchen Konten. Meist sind die Besitzer tot, manchmal sind die Konten auch nur bei einem Umzug vergessen worden. Die Sparkasse Dortmund zum Beispiel führte zum 1. September 2019 knapp eine Viertelmillion nachrichtenlose Konten. Guthaben: 4,7 Millionen Euro. Laut Sparkasse handele es sich dabei um jene Konten, auf denen seit über fünf Jahren keine Bewegung stattgefunden hat und dessen höchster Einzelbestand bei 250 Euro liegt.

Das Geld verfällt nicht. Es liegt so lange bei der Bank, bis sich Erben melden. Dann müssen die Institute auch noch Jahrzehnte nach der letzten Kontobewegung das Guthaben auszahlen. Allerdings ziehen sie in dieser Zeit weiter regelmäßig ihre Kontoführungsgebühren ab.

Nach 30 Jahren müssen sie das Geld ausbuchen und als Gewinn versteuern, so verlangen es die Finanzämter. Aber trotzdem müssten die Banken es immer noch auszahlen, falls sich Erben melden und ihre Berechtigung nachweisen können.

Die Briten machen es besser

Anders macht das zum Beispiel Großbritannien. Nach 15 Jahren buchen die Banken das Vermögen von einem solchen Konto auf eine gemeinnützige Förderbank und verwenden das Kapital für soziale Zwecke. Dafür ist es in Großbritannien aber auch sehr leicht, so ein Konto aufzuspüren. Es gibt ein zentrales Register im Web („My Lost Account“), mit dem man kostenlos Konten finden kann.

Mit einer Kleinen Anfrage und mit Hinweis auf das britische Vorbild haben die Grünen im Bundestag die Regierung aufgefordert, sich zu dem Thema zu erklären.

Gute Initiativen dazu gibt es bereits: Das Netzwerk der sozialen Unternehmer (SEND) fordert ein zentrales Melderegister herrenloser Konten bei der staatlichen Förderbank KfW. Nach einer Frist von zehn Jahren soll das Geld automatisch an einen sozialen Fonds fließen.

Bislang müssen Betroffene ohne ein solches Register auskommen. Die Bankenverbände halten sich in dieser Frage bedeckt. Das heißt nicht, dass man herrenlose Konten in Deutschland nicht finden könnte, es ist aber mühsam. Deshalb hat die Finanztip-Redaktion alle wichtigen Stellen zusammengetragen, bei denen Erben nachforschen können.

1. Konten bei einer Sparkasse

Um Konten bei einer Sparkasse zu finden, kann man sich per Post an den Deutschen Sparkassen- und Giroverband wenden oder per E-Mail an nachforschung@dsgv.de.

Es muss immer die Kopie des Erbscheins oder Testaments beigefügt werden. Die Anfragenden müssen ihre Anschrift mitteilen sowie den letzten kompletten Wohnort des Verstorbenen.

Der Verband leitet die Anfrage an den zuständigen Regionalverband weiter, der sich nach dem letzten Wohnort des Verstorbenen richtet. Hat er Konten bei einer Sparkasse, bekommen die Erben direkt Post von der zuständigen Sparkasse. Es kann sein, dass die entsprechende Sparkasse für die Recherche eine Gebühr erhebt.

2. Konten bei einer Volks- und Raiff­eisenbank

Bei Volks- und Raiffeisenbanken gibt es auf der Website des Verbands einen Service Kontonachforschung. Dahinter verbirgt sich allerdings keine zentrale Auskunftsstelle. Es ist immer der Regionalverband, der die Anfrage beantwortet. Die Suche ist auf ein Bundesland beschränkt.

Für die Nachforschung können Kosten anfallen, die aber nicht genauer beziffert werden, sondern vom Umfang der Recherchen abhängen. Auch dem Regionalverband gegenüber müssen Erben ihren Anspruch beweisen, entweder durch einen Erbschein oder ein Testament mit Eröffnungsprotokoll.

3. Konten bei privaten Banken

Gibt es Anhaltspunkte, dass der Verstorbene auch Konten bei privaten Banken wie etwa der Deutschen Bank oder der Commerzbank hatte, können Erben sich an den Bundesverband deutscher Banken wenden.

In bis zu drei Bundesländern nach Wahl der Erben forschen die Banken nach Sparbüchern oder Tagesgeldkonten. Der Verband leitet alle relevanten Personaldaten an die in Betracht kommenden Mitgliedsbanken weiter. Findet ein Institut das Sparbuch, setzt es sich direkt mit den Erben in Verbindung.

Das Verfahren ist in den west­lichen Bundesländern kostenlos. In Berlin und den ostdeutschen Ländern fallen 20 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer an.

4. Konten bei öffentlichen Banken und Bausparkassen

Zu den öffentlichen Banken gehören unter anderem die Deutsche Kreditbank (DKB) und die Landesbausparkassen. Der Bundesverband öffentlicher Banken Deutschlands (VOEB) bietet kein Nachforschungsverfahren mehr an. Heute muss man sich als Erbe an die einzelnen Banken wenden.

5. Konten in der Schweiz und in Luxemburg

Die Schweiz hat das Problem vorbildlich gelöst. Dort wendet man sich an eine zentrale Stelle, nämlich den Bankenombudsmann. Nach Ausfüllen eines Fragebogens mit Kopie von Personalausweis und Erbschein erhalten Erben innerhalb von drei bis vier Wochen eine Auskunft, ob der Erblasser ein Konto in der Schweiz hatte. Vermögen auf Konten, die länger als 60 Jahren nicht bewegt wurden, müssen aber an den Staat abgeliefert werden.

In Luxemburg gibt es eine Unterstützung des Bankenverbandes: Für 60 Euro erhalten Erben von der Luxemburger Bankenvereinigung (ABBL) einen Musterbrief, alle Adresslabels und weitere Informationen.

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  • Dieser Beitrag erscheint in einer Kooperation mit finanztip.de. Finanztip ist gemeinnützig und hilft Verbrauchern bei den täglichen Finanzentscheidungen.