Verbraucherschutz

Schummeleien bei Naturkosmetik? Kritik an Herstellern

Viele Kosmetikhersteller werben mit Naturbotschaften. Zu unrecht, kritisieren Verbraucherschützer.

Viele Kosmetikhersteller werben mit Naturbotschaften. Zu unrecht, kritisieren Verbraucherschützer.

Foto: Jan Woitas / dpa

Die Verbraucherzentrale wirft einigen Kosmetik-Herstellern vor, bei Naturkosmetik zu mogeln. Sie fordert ein verlässliches Siegel.

Berlin..  Das Shampoo „Nature Box“ in der hellgrünen Flasche wirkt umwelt- und gesundheitsverträglich „mit 100 Prozent kaltgepresstem Avocado-Öl“, heißt es auf dem Etikett. Auch dass das Haarwaschmittel frei von Sulfaten, Silikonen und Parabenen ist, wird betont. Doch von einer echten Naturkosmetik kann nicht die Rede sein.

Die Aufmachung „weckt falsche Erwartungen“, stellt die Verbraucherzentrale Hamburg fest. Der Inhalt entspreche keinem Standard.

Das räumte auch der Hersteller Schwarzkopf Henkel ein. Es handele sich um eine „von der Natur inspirierte, positive Lifestyle-Marke“, antwortete das Unternehmen auf einen Brief der Verbraucherschützer und verwies auf die Bedürfnisse der Kunden, „die sich eine effektive Beautypflege von außen und ein positives Gefühl von innen heraus wünschen.“

Derlei Marketing ist nach Einschätzung der Hamburger Verbraucherschützer keine Ausnahme. Die Hersteller herkömmlicher Pflegeartikel würden ihre Produkte zunehmend in Naturoptik und mit Bio-Wortwahl vermarkten, ohne entsprechende Zertifikate für Naturkosmetik vorzuweisen.

Es gibt Merkmale, anhand derer Verbraucher erkennen können, dass es sich um Naturkosmetik handelt.

Trittbrettfahrer auf einem wachsenden Markt

Die Verbraucherzentrale hat 16 vermeintliche Naturkosmetika von Cremes über Lotionen und Shampoos überprüft und darin oft flüssige Kunststoffe oder synthetische Zutaten gefunden.

Der Trend zur Natur als Werbebotschaft sei nicht neu, erläutert Expertin Silke Schauer, „doch mit dem wachsenden Markt gibt es immer mehr Trittbrettfahrer.“ In vielen Produkten, deren Aufmachung ökologisch ist, steckten Mineralölbestandteile, Parabene oder Silikone.

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Das Problem: Es gibt keine einheitlichen gesetzlichen Vorgaben für Naturkosmetik. Das solle die Politik ändern, sagt Schauer, „wir müssen der Täuschung im Drogeriemarkt ein Ende setzen.“

Falsche Naturkosmetik: Es gibt drei Maschen

Insbesondere drei Maschen sind den Angaben zufolge in der Branche verbreitet. So verwenden die Hersteller gerne das Wörtchen „Bio“ im Markennamen. Die Inhaltsstoffe sind dann oft gar nicht natürlichen Ursprungs. Diese Irreführung ist erlaubt.

Zweiter Trick ist der Hinweis auf pflanzliche Zutaten. Die Verpackung ist grün oder mit Pflanzenbildern bedruckt. Es wird auf natürliche Pflegeöle verwiesen oder deklariert, dass ein Mittel „frei von“ irgendwelchen Stoffen ist.

Mit dem Hinweis auf „natürliches Wasser“ erweckt die Industrie zudem gerne den Eindruck, dass viel Natur in der Flasche steckt. Dank einer europaweiten Norm darf sie Wasser den natürlichen Inhaltsstoffen zuordnen. Bei einer Feuchtigkeitspflege mit einem Wasseranteil von 63 Prozent konnte der Hersteller das Anteil der natürlichen Zutaten auf 97 Prozent anheben.

Verbraucherschützer fordern einheitliches Siegel

„Ein vertrauenswürdiges Label könnte den Verbrauchern beim Einkauf von Kosmetik- und Pflegeprodukten helfen, nicht auf die Maschen der Hersteller hereinzufallen“, glaubt Schauer. Siegel gibt es zwar bereits. Doch rund 30 verschiedene Label sind ihrer Meinung zu viel und bieten den Kunden keine Orientierung.