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Kann die Impfpflicht bei Masern das Virus eindämmen?

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Eine Maserninfektion kann zu starken Beschwerden führen. Dämmt eine Impfpflicht das Virus ein? Was Befürworter und Kritiker sagen.

Berlin.  Im Kampf gegen die ansteckende Krankheit Masern gibt es immer noch Impflücken und damit die Gefahr, sich mit der Krankheit bei anderen anzustecken. Das Bundeskabinett hat nun eine Impfpflicht durchgewunken, die ab März 2020 gelten soll.

Ein Schritt, den viele Ärztekammern als dringend notwendig erachten. Auffällig ist vor allem das hohe Bußgeld von bis zu 2500 Euro: „Das ist wie im Straßenverkehr: Wer sich und andere etwa durch zu schnelles Fahren gefährdet, da ist eine Bußgeldbewährung auch selbstverständlich, und das gilt für Masern dann genauso.“

Wir geben die wichtigsten Infos zur Gefahr von Masern und zur Impfung.

Was macht Masern so gefährlich?

Die Infektionskrankheit ist eine der ansteckendsten überhaupt: Rund 95 Prozent der Menschen, die mit dem Masernvirus in Kontakt kommen, erkranken anschließend. Auch wenn eine Erkrankung in den meisten Fällen ohne Komplikationen zu Ende geht, kann sie lebensbedrohlich werden.

Denn eine Infektion mit dem Virus zieht eine Immunschwäche nach sich, die etwa sechs Wochen anhält – und die Betroffenen empfänglich macht für andere, schwere Erkrankungen wie bakterielle Infektionen oder Lungenentzündungen.

Darum ist Impfen unter Eltern so umstritten

Wie ist der Verlauf von Masern und was sind Symptome?

Laut der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) ist eine Infektion extrem ansteckend, sie kann potenziell auch tödlich enden. So könne es teils erst Jahre später zu einer Gehirnentzündung kommen, für die es keine Behandlung gebe und an der betroffene Patienten sterben, heißt es bei der Medizingesellschaft.

Masern werden in der Regel durch das Einatmen von Tröpfchen, die den Virus enthalten, übertragen. Die Tröpfchen werden durch Husten, Sprechen oder Niesen in Umlauf gebracht. Nach einer Infektion tritt vor allem Fieber, Schnupfen oder auch Husten auf.

Die Symptome für eine Maserninfektion sind ähnlich zu anderen Virusinfektionen. Typisch für Masern ist allerdings, dass ein so genanntes Enanthem an der Mundschleimhaut auftritt. Es bilden sich weiße bis blau-weiße Flecken, die auf der Wange zu sehen sind, heißt es beim Robert-Koch-Institut. Später treten bräunlich-rosafarbene Hautflecken auf, die ab dem 3. bis 7. Tag nach der Infektion zu sehen sind.

Diese Flecken sind zuerst im Gesicht und hinter den Ohren zu sehen. Sie bleiben etwa vier bis sieben Tage bestehen.

Hintergrund: Masern-Impfpflicht gilt ab 2020 - So hoch ist das Bußgeld

Kann man Masern trotz Impfung bekommen?

Bei gegen Masern geimpften Menschen tritt eine Infektionen bisher nur sehr selten auf. Laut Robert-Koch-Institut liegt die Schutzwirkung bei etwa 94-95 Prozent. Wer zweimal geimpft ist hat gar eine Schutzwirkung von 99 Prozent. Eine Masernerkrankung hinterlässt lebenslange Immunität.

Wie ist die Inkubationszeit bei Masern?

Von der Ansteckung bis zum Auftreten des Exanthems dauert es in etwa 13 bis 14 Tage. „Die Ansteckungsfähigkeit beginnt bereits 3-5 Tage vor Auftreten des Exanthems und hält bis 4 Tage nach Auftreten des Exanthems an“, heißt es beim RKI.

Was sieht die vom Bundeskabinett beschlossene Impfpflicht vor?

Kinder müssen danach künftig vor dem Besuch einer Kita oder Schule eine vollständige Masernimpfung nachweisen. Der verpflichtende Impfschutz soll auch gelten für Personen, die dort arbeiten, für Flüchtlingsheime und für das Personal in medizinischen Einrichtungen.

Mit dem Gesetz will Jens Spahn außerdem dafür sorgen, dass wieder mehr freiwillige Reihenimpfungen in Schulen angeboten werden. Die Krankenkassen sollen demnach verpflichtet werden, mit dem dafür zuständigen Öffentlichen Gesundheitsdienst Vereinbarungen über die Kostenerstattung zu treffen.

Das Gesetz für die Masern-Impfpflicht soll im März 2020 inkraft treten. Kinder, die bereits in Gemeinschaftseinrichtungen sind, sowie das dort tätige Personal haben bis Ende Juli 2021 Zeit, den Nachweis über die vollständige Masern-Impfung zu erbringen. Kinder, die nicht geimpft werden, können vom Besuch einer Kita ausgeschlossen werden. Eltern, die sich einer Impfung ihrer Kinder im Schulalter verweigern, müssen dem Gesetzentwurf zufolge mit Bußgeldern bis zu 2.500 Euro rechnen.

Von der Pflicht ausgenommen sind Menschen, die aus medizinischen Gründen keine Impfung vertragen und alle vor 1970 Geborenen. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts haben sie mit hoher Wahrscheinlichkeit die Masern noch durchgemacht und sind deshalb immun.

Die SPD hatte eine Impfpflicht für Masern bereits Anfang des Jahres ins Spiel gebracht. Der Gesundheitsexperte der Partei, Karl Lauterbach hatte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) schnell von seiner Idee überzeugen können.

Das Bundesgesundheitsministerium hatte die neuerliche Debatte über eine Impfpflicht gegen Masern begrüßt. Die politische Diskussion war unter anderem deshalb ausgebrochen, weil eine Kita in Essen nur geimpfte Kinder aufnimmt. An einer Schule in Hildesheim gab es sogar ein Ultimatum: Ohne Masern-Impfung kein Unterricht.

Eine exklusive Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag unserer Redaktion hat ergeben: Eine große Mehrheit ist dafür, dass es einen Kita-Platz nur gegen Impfung gibt.

Was sagen Mediziner zur Impfung gegen Masern?

Der Kinderarzt und Impfschutzexperte Martin Terhardt sagte in einem Interview im Jahr 2016, dass es bei der Impfung von Kindern Erfolge gegeben habe. „Das viel größere Problem liegt tatsächlich bei der älteren Generation, wo wir viel größere Impflücken haben als bei den kleinen Kindern. Die Mütter müssen den Kindern einen guten Nestschutz geben und sich selber um ihren Schutz vor der Schwangerschaft kümmern.“, sagte Terhardt.

Wie argumentieren Impfgegner?

Impfgegner oder -skeptiker argumentieren etwa, dass durch viele Impfungen das Immunsystem von Kindern überlastet würde oder dass Nebenwirkungen unkalkulierbar seien.

Impfgegner behaupten etwa schon seit Jahren einen Zusammenhang zwischen der Standardimpfung gegen Masern-Mumps-Röteln und der Entwicklung von Autismus. Dabei berufen sie sich auf einen Artikel, den der britische Arzt Andrew Wakefield 1998 im renommierten Fachblatt „The Lancet“ veröffentlichte. Das Fachblatt zog die Studie 2010 wegen falscher Daten zurück, Wakefield verlor in Großbritannien seine ärztliche Zulassung wegen unethischen Verhaltens. Dennoch fallen seine Behauptungen immer noch auf fruchtbaren Boden.

Allerdings ist die Angst vor Autismus nur ein Argument von Impfgegnern. Das zeigt eine Analyse von Forschern an der University of Pittsburgh. Viele Impfgegner misstrauen Wissenschaftlern im Allgemeinen und Ärzten im Speziellen. Andere lehnen die Inhaltsstopfe von Impfungen ab und propagieren Homöpathie. Wieder andere behaupten, dass Regierungen oder andere Organisationen Informationen über Gefahren des Impfens zurückhalten.

Das Robert-Koch-Institut hat online eine Liste mit Antworten auf die 20 gängigsten Argumente der Impf-Skeptiker zusammengestellt. Das Argument etwa, dass zu viele Impfungen schädlich seien, lassen Experten nicht gelten. Denn eine „Überimpfung“ gebe es nicht.

Wie ist die aktuelle Impfsituation in Deutschland?

Eine einheitliche Erfassung der Anzahl von Impfungen gibt es laut Robert-Koch-Institut in Deutschland nicht. Deshalb sind Gesundheitsorganisationen und Forscher auf Stichproben angewiesen. Ein Ausnahme bilden die Schuleingangsuntersuchungen, bei denen die Impfquote von Schulanfängern seit 2001 systematisch erfasst wird.

Im Jahr 2018 berichtete das RKI, dass die Impfquote für die erste Impfung bei Schulanfängern im vorangegangenen Jahr das erste Mal in allen Bundesländern über 95 Prozent gelegen habe.

Jens Spahn spielt mit dem Gedanken, das Gesundheitswesen zu verändern. Impfung aus der Apotheke? Das ist der Plan des Ministeriums.

Wer sich im übrigen im Ausland über Masern-Ausbrüche informieren will, kann dies nun mit einer App. Mehr Sicherheit im Urlaub: Diese App warnt vor Katastrophen.

Warum sind Impflücken gefährlich?

Erklärtes Ziel der WHO ist es, die Masern weltweit zu eliminieren. Das gilt als erreicht, sobald eine fortlaufende Infektion von Mensch-zu-Mensch nicht mehr möglich ist. Denn das Virus kann so lange fortbestehen, wie es infizierte und erkrankte Menschen gibt. Sie bilden das natürliche Reservoir des Erregers. Daher ist auch die zweite Impfung notwendig.

Denn nach der ersten Spritze sind laut RKI nur 90 bis 95 Prozent der Empfänger geschützt – erst die zweite Dosis gewähre nahezu vollkommenen Schutz.

Im übrigen wird aktuell nicht nur über Impfungen bei Masern diskutiert, sondern generell über Impfungen bei Erwachsenen. Warum Erwachsene geimpft werden sollten. (ac/dpa)