Berufseinstieg

Gebäudetechnik: Sichere Jobs und spannende Aufgaben

Masterabsolvent David Kreulitsch hat das „Experimentalgebäude Rooftop“ mitentwickelt. Das Solarhaus mit beweglichen Photovoltaik-Fassaden ist ein Gemeinschaftsprojekt von Studierenden der Technischen Hochschule und der Universität der Künste Berlin.

Masterabsolvent David Kreulitsch hat das „Experimentalgebäude Rooftop“ mitentwickelt. Das Solarhaus mit beweglichen Photovoltaik-Fassaden ist ein Gemeinschaftsprojekt von Studierenden der Technischen Hochschule und der Universität der Künste Berlin.

Foto: Massimo Rodari

Absolventen, die Gebäudetechnik studiert haben, sind begeistert. Doch es hapert am Image der Branche, Arbeitgebern fehlt der Nachwuchs.

Berlin.  Die Bundesregierung hat ihre Klimaziele formuliert: Bis zum Jahr 2050 soll der Gebäudebestand in Deutschland klimaneu­tral sein – also möglichst wenig Energie für Heizen, Kühlen und Warmwasser verbrauchen, die zudem noch weitgehend aus klimafreundlichen erneuerbaren Quellen stammen soll.

Um das ehrgeizige Ziel umzusetzen, sind Experten für moderne Gebäudetechnik gefragt.

So wie David Kreulitsch: An der Beuth Hochschule für Technik hat der 31-Jährige „Pla­nung nachhaltiger Gebäude“ studiert und im Sommer 2018 mit dem Mastertitel abgeschlossen.

Regenerative Energien für die Gebäudetechnik

Der interdisziplinäre Studiengang setzt einen Bachelorabschluss in ei­ner gebäudebezogenen Fachrichtung voraus, beispielsweise in Gebäude- und Energietechnik, Architektur oder Bauingenieurwesen.

Kreulitsch hat zuvor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Regenerative Energien studiert und unter anderem durch ein Praktikum am Austrian Institute of Technology (AIT) in Wien zur Gebäudetechnik gefunden.

Schon in seiner Bachelorarbeit hat er sich mit der energetischen Optimierung von Bestandsgebäuden beschäftigt. „Wohnraum nachhaltig zu planen und den Bestand zu sanieren, finde ich interessant und gesellschaftlich absolut sinnvoll“, sagt Kreulitsch.

Gebäudetechnik bei Berufswahl oft übersehen

Dazu besteht in Berlin reichlich Gelegenheit. Hier genauso wie bundesweit boomt die Baubranche – und mit ihr die Gebäudetechnik.

Trendthemen wie nachhaltiges Wirtschaften, Energieeffizienz und Digitalisierung beflügeln das Wachstum, heißt es beim VGT Gesamtverband Gebäudetechnik Berlin-Brandenburg. Leider werde die Gebäudetechnik bei der Studien- und Berufswahl oft übersehen.

Branche sucht laufend Nachwuchs

Solange sie reibungslos läuft, denke man eben nicht groß darüber nach, warum es warm oder hell wird, sagt Geschäftsführerin Carola Daniel. Dabei gebe es für Techniker und Ingenieure viele spannende Aufgaben. Für ihr stetiges Wachstum suche die Branche laufend gut ausgebildeten Nachwuchs.

„Absolventen müssen sich keine Gedanken machen“, bestätigt Sebastian Uhlmann vom Ingenieur- und IT-Dienstleister Ferchau in Berlin. Insbesondere Planungsbüros, aber auch größere Unternehmen mit eigener Bautätigkeit suchen Spezialisten für Gebäudetechnik, die technische Anlagen planen und die vielen Berliner Baustellen leiten können.

Wer seine Projekte nicht selbst besetzen kann, deckt sich bei Dienstleistern wie Ferchau mit den nötigen Fachkräften ein.

Solarhaus Rooftop mitenwickelt

David Kreulitsch zieht es weniger auf die Baustelle – es sei denn, er werkelt am Rooftop-Haus. Das 2014 im Rahmen eines Hochschulwettbewerbs entstandene Solarhaus dient in­zwischen als Seminarraum und Forschungslabor.

Den größten Teil seiner Zeit forscht David Kreulitsch selbst an innovativen Sanierungskonzepten, die zum Erreichen der Klimaziele beitragen können. An der Universität der Künste (UdK) Berlin hat er seit Mitte 2018 eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter. „Ich möchte gerne promovieren und könnte mir gut vorstellen, in Forschung und Lehre zu bleiben“, sagt er.

Schon während seines Masterstudiums an der Beuth arbeitete er als Tutor für Gebäudetechnik an der UdK.

Gebäude klimaneutral machen

Statt Studenten zu unterrichten, forscht er dort nun auf seinem Fachgebiet: Kreulitsch ist einer von bundesweit fünf Nachwuchswissenschaftlern, die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert werden. Sie sollen im Rahmen des interdisziplinären Forschungskollegs „En­Eff.Gebäude.2050“ innovative Konzepte für einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand ent­wickeln.

Thematisch knüpft Kreulitsch damit an seine Masterarbeit an. Für sie hat er ein Geoinformations-Tool zur energetischen Untersuchung von Siedlungen und Stadtquartieren weiterentwickelt. Auf dieser Basis will er jetzt Sanierungsstrategien für Quartiere entwickeln.

Mehr Praxis: Von der Uni an die Fachhochschule

Sanierungsarbeiten halten auch Ruben Lauter auf Trab. Anstelle wissenschaftlicher Konzepte reizt ihn jedoch eher das Praktische: Sein Maschinenbaustudium an der Technischen Universität (TU) Berlin war ihm zu theoretisch, deshalb wechselte er nach zwei Semestern an die Fachhochschule.

An der Beuth hat er Anfang 2017 seinen Masterabschluss in Gebäudetechnik und Energiemanagement gemacht: „Ich habe schon als Schüler auf dem Bau gejobbt und konnte mir deshalb unter Gebäudetechnik etwas vorstellen“, sagt der Sohn eines Elektrikers.

Auch während des Studiums kam die Praxis nicht zu kurz. Als Werkstudent jobbte er 20 Stunden pro Woche bei einem kleinen Ingenieurbüro.

Berufseinstieg fiel leicht

Entsprechend leicht fiel ihm der Berufseinstieg: „Ich habe fünf Bewerbungen geschrieben und sofort mehrere Einladungen bekommen“, erzählt Lauter. Gleich im ersten Vorstellungsgespräch sagte er zu.

Seit Februar 2017 arbeitet er für das Berliner Planungsbüro RTW. Das mittelständische Unternehmen beschäftigt 50 Architekten, Ingenieure und technische Zeichner.

Der Bereich Haustechnik, wo Ruben Lauter angestellt ist, plant und überwacht bei Neubau- und Sanierungsvorhaben die komplette Gebäudetechnik.

Strammer Terminplan

Mitte 2018 hat der 30-jährige Berufseinsteiger seine erste Fachbauleitung übernommen: Im Zuge einer umfassenden Sanierung werden 360 vermietete Wohnungen aus den 20er-Jahren Strang für Strang an eine moderne Zentralheizung angeschlossen.

Kein Projekt, bei dem viel Zeit zum Ausruhen bleibt: „Ich bin zum Glück kein ängstlicher Typ und kann trotz des strammen Terminplans nachts noch schlafen“, sagt er lachend. Seine Arbeitstage verbringt er komplett auf der Baustelle und fühlt sich ganz in seinem Element. „Ich habe das Projekt anderthalb Jahre mitgeplant, kenne alle Wohnungen von innen und wollte die Bauleitung sehr gerne selbst übernehmen.“

Bauleiterin für Blockheizkraftwerke

Auch Julia Steiner kennt sich auf Baustellen aus. Die 29-Jährige arbeitet bei Vattenfall Energy Solutions. Als Bauleiterin sorgt sie dafür, dass alles nach Plan läuft, wenn der Energiekonzern irgendwo in der Stadt ein neues Blockheizkraftwerk für ein Neubaugebiet oder ein saniertes Objekt errichtet.

Ähnlich wie Ruben Lauter ist auch Julia Steiner in einem Handwerker-Haushalt aufgewachsen: „Mein Vater ist Heizungsbauer, deshalb musste ich über mein Studienfach nicht lange nachdenken“, sagt sie. An der HTW hat sie 2012 ihren Bachelorabschluss in Gebäudeenergie- und Informationstechnik gemacht.

Einstieg übers Traineeprogramm

Über ein Praktikum kam sie zu Vattenfall, wo sie auch ihre Bachelorarbeit geschrieben hat. Unmittelbar nach ihrem Abschluss hatte Steiner die Chance, über ein internationales Traineeprogramm fest einzusteigen.

Zwei Monate verbrachte sie in Amsterdam. Darüber hinaus lernte sie im Rahmen von Exkursionen verschiedenste Kraftwerke in ganz Europa kennen. Wasserkraft in Schweden, Windenergie in Großbritannien und Biomasse in Dänemark standen auf dem Programm.

Alternative war Karriere im Vertrieb

„Ich hätte auch bei einem Planungsbüro anfangen und dort zum Beispiel am Bikini Berlin oder am Berliner Stadtschloss mitarbeiten können, aber ich wollte lieber zu einem großen, internationalen Unternehmen wie Vattenfall“, sagt sie.

Alternativ hätte sie dort auch eine Karriere im Vertrieb einschlagen können, wo sie eine Zeit lang eingesetzt war: „Das hat zwar anfangs großen Spaß gemacht, aber auf Dauer schlägt mein Herz doch eher für die technische Seite“, sagt sie.

Anfänger sollten keine Besserwisser sein

Inzwischen hat Steiner rund 40 Bauprojekte begleitet. Auch wenn Frauen auf der Baustelle nach wie vor selten anzutreffen sind, hat sie noch nie schlechte Erfahrungen gemacht. Ihr Tipp: „Gerade als Anfänger nicht gleich so tun, als wüsste man alles.“ Das Lernumfeld an der HTW lobt sie als familiär und praxisorientiert.

Optimale Bedingungen für Studenten wie Michael Kowalski (29): Der gelernte Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik hat sich nach ein paar Jahren im Job ohne Abitur an das Studium gewagt. „Die ersten Semester waren etwas schwierig, vor allem in Mathe und Physik hatte ich viel nachzuholen“, sagt er.

Trotz Nebenjob Regelstudienzeit eingehalten

In den technischen Fächern kam ihm seine Berufserfahrung dagegen sehr zugute, sodass er seinen Bachelorabschluss trotz Nebenjob problemlos in der Regelstudienzeit schaffte – und gleich noch das Masterstudium anhängte. In wenigen Wochen wird er seine Abschlussarbeit „Identifikation und Lokalisation von Personen in intelligenten Gebäuden“ beginnen.

Seinen Traumjob hat er sich schon gesichert: Seit zwei Jahren arbeitet er neben dem Studium für controLED. Das Unternehmen beschäftigt 17 Mitarbeiter und stattet Privathäuser, Büros oder Yachten mit Smarthome-Technologie aus. Die Wünsche der Kunden reichen vom Heimkino über sprachgesteuerte Haustechnik bis zu komplexen Konferenzsystemen und moderner Sicherheitstechnologie.

Für Michael Kowalski die perfekte Mischung: „Hier kann ich planen und programmieren, aber auch löten und verdrahten – und bin dabei der Zukunft ganz nah.“