Entdeckung

Cafés, Galerien, Bars – womit Israel überraschen kann

Lesedauer: 6 Minuten
Das Casita ist Bar und Restaurant in Old Yafo, wie ein Teil der Hafenstadt genannt wird. Im Hintergrund ist die Skyline des weitaus geschäftigeren Tel Aviv zu sehen.

Das Casita ist Bar und Restaurant in Old Yafo, wie ein Teil der Hafenstadt genannt wird. Im Hintergrund ist die Skyline des weitaus geschäftigeren Tel Aviv zu sehen.

Foto: Yadid Levy / picture alliance / robertharding

Nahost-Touristen vergessen schnell die Bilder aus den Nachrichten – und entdecken ein facettenreiches und auch friedliches Reiseziel.

Tel Aviv.  Bitte! Ich wünsche mir, dass du etwas Gutes über Israel schreibst.“ Die Augen von Or, der 19-jährigen Israelin, funkeln, als sie im Flugzeug nach Tel Aviv diese Bitte ausspricht. Or, eine zarte Gestalt mit ganz langen Haaren, leistet zurzeit ihren Militärdienst ab. „Vorher dachte ich, es wäre schrecklich, aber jetzt gefällt mir die Arbeit gut“, sagt sie. Natürlich weiß sie, was im Ausland über ihr Land geschrieben wird.

Schon die dreimalige Kontrolle des Handgepäcks am Flughafen in Deutschland, bei der der Beamte jede einzelne Seite eines mitgebrachten Buches umblättert, weist auf besondere Umstände hin. Tel Aviv dagegen ist so entspannt wie Berlin oder Hamburg. Religiös gekleidete Juden sind kaum unterwegs, auf der Promenade viele Jogger. Touristen gehen gern nach Old Yafo, wie die Einheimischen Jaffa nennen. Galerien, Läden und Cafés haben das alte Quartier am Ende des Strandes besetzt.

Hier hat Ilana Goor ihr Haus schon seit Längerem zum Museum ausgebaut. Man könnte es ein Gesamtkunstwerk nennen – neben den Bildern, Skulpturen, Fotografien, Antiquitäten und Objekten, die sie in allen Räumen und auf der großen Dachterrasse ausgestellt hat, finden sich zahlreiche Installationen im Dalí-Stil. „Man mag es kaum glauben, aber bevor ich das Haus kaufte, stand es 30 Jahre leer“, sagt Ilana. In den 1980er-Jahren war Jaffa ein schmutziges, kriminelles Viertel – niemand wollte dort auch nur einen Fuß hinsetzen. Wie so oft kamen Künstler, weil es billig war, und markierten den Beginn einer Veränderung. Goor ist heute berühmt, sogar Ministerpräsident Netanyahu stattete sein Haus mit ihren Kunstwerken aus. „Er musste wie jeder andere bezahlen“, fügt Ilana an. Das war ihr wichtig.

Jaffas Nachtclub „22“ ist sehr beliebt. Alles kostet 22 Shekel

Kürzlich bekam sie von einer Hotelkette ein Angebot, das Anwesen komplett mit sämtlichem Interieur zu verkaufen. Ilana lehnte ab: „Für kein Geld der Welt würde ich dieses Haus abgeben!“

Auch Einat Rotfus liebt „ihr“ Tel Aviv. „In Jerusalem, Bethlehem oder Jericho mag es mehr Geschichte geben, aber wen interessiert das?“ Die 40-jährige Gründerin des Verbandes der Modedesigner Isreals genießt das Nacht­leben der Stadt, das sich vor allem um den Rothschild-Boulevard herum abspielt.

Es gibt Clubs für jeden Geschmack: Im „22“ kostet alles 22 Shekel, deshalb ist es immer voll. „Polly“ hat sich in einer alten Bankfiliale eingenistet, im Tresorkeller kann man einen Drink nehmen, wenn es oben zu voll wird. Im „Evita“ läuft die beste Musik, die Bar wird von Schwulen betrieben, während im „Solo“ zu Hip-Hop wie in New York getanzt wird.

Tagsüber zieht der Rothschild-Boulevard die Besucher vor allem wegen der Bauhaus-Architektur an. Viele Häuser sind jedoch dem Verfall nahe, einige besetzt. Insgesamt hat Tel Aviv etwa 4000 weiße Häuser im Bauhaus-Stil. Nun bemüht sich die Stadtverwaltung, 1000 von ihnen vor dem Verfall zu retten. Ein ehemaliges Kino im Bauhaus-Stil wurde bereits zum Hotel umgebaut, es steht am Dizengoff Square.

Wer zum ersten Mal nach Israel reist, ist vielleicht enttäuscht

Eine besondere Art von Touristen sieht man am Qasr el Yahud, der Taufstelle am Jordan, an der Johannes der Täufer wirkte. Eine russische Reisegruppe in weißen Gewändern taucht ins braune Nass. Der Jordan ist an dieser Stelle flach und nur wenige Meter breit. Hier verläuft auch die Grenze zwischen Israel und Jordanien.

Zwei sehr junge israelische Soldaten mit Maschinengewehren beobachten die Szene, auf der anderen Flussseite stehen ihre jordanischen Kollegen. Business as usual. Wer zum ersten Mal nach Israel reist und jene Stellen aus der Bibel kennt, ist vielleicht etwas enttäuscht, diesen Ort so zu sehen. Von Anspannung ist jedoch keine Spur, eine eher schläfrige Hitze übertüncht der Szenerie.

Auch Nazareth, die Geburtsstadt von Jesus, liegt friedlich da. Heute ist sie mit 60.000 Einwohnern die größte arabische Stadt in Israel. In der Josefskirche befindet sich eine Grotte, in der die Heilige Familie genächtigt haben soll. Viele Pilger zieht es in die Verkündigungskirche, die erst im Jahr 1966 gebaut wurde. Beliebtestes Ziel bleibt jedoch Jerusalem, wo sich die Geschichte dreier Religionen kreuzt.

Die Stimmung wirkt friedlich, Polizei ist nicht zu sehen

Hier sieht man Männer mit Kippa und Schläfenlocken am Handy telefonieren. Durchs Kirchenschiff der Grabeskirche, die von sechs Religionen verwaltet wird, zieht sich eine Menschenschlange, man wartet auf Einlass zum Heiligen Grab.

Ruth Holtzman, 68-jährige Jüdin, die Gäste durch Jerusalem führt, hat Verständnis, wenn man sich nicht anstellen möchte. Stattdessen führt sie uns aus der Stadt hinaus in ein „Schnellrestaurant“, in dem der Tisch so lange mit neuen Schälchen mit köstlichsten Meze vollgestellt wird, bis auch der Letzte satt ist.

Dass das Land unterm Davidstern häufig wegen Bombenanschlägen und Hamas-Terroristen in den Nachrichten ist, haben wir völlig vergessen. Auch am Toten Meer, in Haifa, Magdala, Tiberias, Massada und Capernaum wirkt die Stimmung friedlich, Polizei ist nicht zu sehen. Or, wir genießen Dein Israel!

Tipps & Informationen

Anreise z. B. mit Germania nonstop ab Hamburg nach Tel Aviv oder mit Austrian über Wien.

Pauschal z. B. acht Tage ab Tel Aviv „Entdeckungsreise Israel“, 730 Euro, 7 Nächte m. Frühst., Hotel Grand Beach, Diesenhaus Ram, Tel. 069/959 09 50

Buchtipp „Israel“, Gerhard Heck, Marco Polo Verlag, 11,99 Euro

Auskunft www.visit-tel-aviv