Upcycling

Wie sich aus Abfall und Müll Nützliches schaffen lässt

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Über junge Pflanzen gestülpt werden halbierte Wasserflaschen aus Plastik zu einem Art Anzuchthaus.

Über junge Pflanzen gestülpt werden halbierte Wasserflaschen aus Plastik zu einem Art Anzuchthaus.

Foto: Michael Ruder / dpa-tmn

Alltagslösungen, die sparsamen Umgang mit Ressourcen zeigen: Plastikflaschen werden zu Minigewächshäusern und Korken zu Untersetzern.

Hamburg.  Nicht jeder Abfall ist Müll. Altes und Kaputtes lässt sich mit etwas Kreativität einfach wiederverwerten. Und das nicht nur, um Ressourcen zu schonen und Geld zu sparen, sondern einfach auch, weil sie die Lösung zu einem Alltagsproblem sind.

So sorgen alte Plastikflaschen im Hausflur für Platz und Ordnung, wenn ein Stiefelspanner fehlt. Sie werden in die Stiefel gesteckt, die dadurch aufrecht stehen bleiben. Und im Frühjahr können Kunststoffflaschen vielseitig im Garten und auf dem Balkon eingesetzt werden: In der Mitte oder der Länge nach durchgeschnitten, ersetzen sie wahlweise einen Blumentopf oder Blumenkasten. Halbiert und über Jungpflanzen gestülpt, fungieren sie wie Minigewächshäuser und schützen die Pflanzen vor Schnecken.

An heißen Tagen schließlich können sie mit Wasser gefüllt Pflanzen vor dem Austrocknen retten: „Mit einem Stück Stoff versehen oder Löchern im Deckel und kopfüber in den Topf gestellt, bekommt man so ein prima Dauerbewässerungssystem“, verrät Buchautor Kai Daniel Du. Er sucht nach so simplen Ideen für Alltagslösungen, sogenannten Lifehacks.

Mit Strumpfhosen auf Münzenfang gehen

Damit bezeichnet man Ideen, mit denen sich effizient kleine und große Alltagshürden lösen lassen. Alte Strumpfhosen eignen sich beispielsweise nicht nur zum Parkettputzen, weil sie Staub anziehen. „Über das Ende des Staubsaugerrohrs gestülpt, kann man damit Stifte, Ketten, Münzen und ähnlich filigrane Gegenstände unter dem Sofa hervorsaugen, ohne dass sie gleich im Staubsaugerbeutel verschwinden“, schlägt Lifehacker Du vor.

Im Grunde erleben unter dem neuen Namen Lifehack derzeit viele gute alte Hausfrauentipps eine Renaissance. Aber das hat durchaus seinen Sinn: „Bevor ich etwas Neues kaufe, überlege ich immer erst: Was habe ich im Haus, mit dem ich das Problem lösen könnte“, sagt Du. Dieses Verhalten schont auf Dauer nicht nur den Geldbeutel. „Je mehr wir kaufen und wegwerfen, desto mehr belasten wir die Umwelt“, erklärt Nadine Schubert. Die Buchautorin verzichtet im Alltag ganz bewusst auf Plastik und ist immer auf der Suche nach Lösungen und ressourcenschonenden Ideen.

Altes T-Shirt zum Badezimmer-Putzen

So lassen sich viele auch leicht beschädigte oder aussortierte Gegenstände und Materialien in einem anderen Kontext wiederverwenden. Altbekannt sind natürlich Tipps wie ausgediente Unterhemden und T-Shirts aus Baumwolle als Putzlappen zu verwenden. Aber das hat abgesehen vom Umweltgedanken durchaus seinen ganz praktischen Nutzen: Baumwolle gilt als sehr saugfähig und ist fusselfrei.

Schubert empfiehlt sie daher besonders für das Trockenreiben von Waschbecken, Duschkabine und Badewanne oder als Ersatz für Geschirrtücher. Und auch beim Schuheputzen kann man auf Ausgedientes aus dem Kleiderschrank zurückgreifen: „Alte Sweatshirts und Wollpullover sind gut zum Polieren von Schuhen geeignet“, sagt Liane Reichhart, stellvertretende Vorsitzende des Landesverbands Hessen des DHB-Netzwerk Haushalt.

Zeitschriften in alten Weinkisten aufbewahren

Wer liebgewonnene Textilien nicht zum Saubermachen verwenden möchte, sollte sich mit dem Upcycling vertraut machen. Gemeint ist, aus Abfallprodukten, Produktionsresten oder etwa Sperrmüll etwas hochwertig Neues zu schaffen. Manche Designer fertigen zum Beispiel aus Bauschutt Möbel. Oder aus Bettbezügen werden Tischdecken und aus Weinkorken Pinnwände oder Untersetzer: „Die Korken in gleich dicke Scheiben schneiden und auf Pappe kleben“, erläutert Reichhart.

Auch für Möbel eignet sich Ausrangiertes. Schubert bewahrt Zeitschriften in ehemaligen Weinkisten auf, eine in die Jahre gekommene Leiter hat sie zum Regal gemacht, ein altes Brett aus der Werkstatt ihres Vaters als Ablage an der Wand montiert – inklusive des derzeit so angesagten Vintage-Stils zum Nulltarif. „Das Material hat so viel Charme, dass ich es gar nicht mehr bearbeiten musste“, sagt sie.

Manchmal kommt es auch einfach darauf an, die Reste richtig zu verpacken, damit sie eben nicht nach Müll, sondern nach einen kreativen Alltagshelfer aussehen: Werden Milch- und Safttüten etwa mit Baumrinde beklebt, werden daraus rustikale Blumentöpfe, erklärt Reichhart. Aber auch andere Behälter lassen sich daraus fertigen, um Schlüssel, Stifte und Krimskrams darin aufzubewahren – „ein idealer Bastelspaß für die ganze Familie“.