Digitalisierung

Google macht virtuelle Realität massentauglich

Brille und Smartphone werden einfach durch Auflegen verbunden. NFC-Chips im Inneren teilen dem Smartphone mit, wann es in der Brille sitzt.

Foto: Franziska Gabbert / dpa-tmn

Brille und Smartphone werden einfach durch Auflegen verbunden. NFC-Chips im Inneren teilen dem Smartphone mit, wann es in der Brille sitzt.

Google verkauft ab sofort ein VR-Brillengestell für Android-Smartphones. Hält Daydream View wirklich, was der Hersteller verspricht?

Berlin..  Zunächst erinnert Daydream View erst mal an Samsung. Denn wie die Gear VR auch, ist Googles Brille eigentlich eine Smartphone-Halterung im Taucherbrillenformat. Wer sie aufsetzt, hat das Gefühl, in eine andere, dreidimensionale Welt zu schauen. Anzeige und Berechnung der Inhalte übernimmt dabei ein eingestecktes Smartphone.

Bei aller Ähnlichkeit zu Samsung – Googles Brille sieht ganz klar eigenständig aus: Der Kunststoffrahmen ist mit einem Stoff ummantelt, der eher an einen bequemen Pullover erinnert als an Hightech. Anders als bei Samsung muss das Smartphone – im Test ein Pixel XL – nicht hakelig auf einen USB-Stecker gestöpselt werden. Man legt es stattdessen einfach auf die Innenseite der Klappe, und sofort erscheint ein weißer Strich, um das Gerät auszurichten.

Einfache Handhabung

Anschließend klemmt man die Klappe samt Handy an den Brillenrahmen, eine Gummischlaufe sorgt für sicheren Sitz. Das ist so einfach, wie es klingt, und klappt ausgezeichnet. Die Halterung samt Handy wird dann wie eine Skibrille aufgesetzt und festgezurrt. Auch vergleichsweise große Brillengestelle lassen sich dort unterbringen. Wer Daydream View in heller Umgebung testet, merkt schnell, dass störendes Licht von außen in die Brille fällt. Durch Hin- und Herruckeln lässt sich das nur teilweise beheben.

Die VR-Umgebung Daydream selbst macht einen sehr guten Eindruck. Kleine Spiele, 360-Grad-Youtube-Videos oder auch Google Street View sind gut umgesetzt und machen viel Spaß. Hauptgrund dafür ist, dass der Brille noch ein kleiner Bluetooth-Controller beiliegt. Wie mit einem Laserpointer zeigt man in der virtuellen Welt damit etwa auf Fenster, die man auswählen möchte. In Spielen schwingt man – wie bei der Wii – die kleine Fernbedienung auch mal wie einen Minigolfschläger. Die Präzision ist erstaunlich gut.

Eleganter als mit einem Controller

Fazit: Was bei Samsung manchmal hakelig war, funktioniert hier gefühlt einen Tick eleganter, der kleine Controller macht die Navigation in VR um Längen besser. Dazu funktioniert die Brille künftig mit zahlreichen weiteren Smartphones – denn während Samsungs Gear VR nur für eine Handvoll Samsung-Smartphones nutzbar ist, arbeitet künftig prinzipiell jedes Android-Gerät mit Daydream View zusammen, wenn es die Hardwarevoraussetzungen erfüllt.

Darunter fällt etwa ein Full-HD-Display, das zackig reagiert und ausreichend Power bei CPU und Grafikchip, damit VR-Inhalte auch flüssig dargestellt werden können. Das dürfte künftig auf die meisten Top-Geräte zutreffen, aktuell soll neben Googles Pixel-Smartphones auch das neue Huawei Mate 9 kompatibel sein – weitere Geräte dürften im kommenden Jahr folgen. Daydream View ist zwar nicht perfekt – für 69 Euro aber der erste taugliche VR-Ansatz für die Masse.

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.