Hausbesuch

Wo sich Denkmalschutz und modernes Wohnen gut ergänzen

Sibylle A. und Achim Stockfleth wohnen mit Hund Henry in einem ehemaligen Krankenhausgebäude.

Sibylle A. und Achim Stockfleth wohnen mit Hund Henry in einem ehemaligen Krankenhausgebäude.

Foto: Marcelo Hernandez

Wo früher Kranke behandelt wurden, entsteht nun neuer Wohnraum. Das Hamburger Wohnquartier „Unter den Linden“ lockt Paare und Familien.

Hamburg.  Henry gefällt’s. Die französische Bulldogge liegt auf der obersten Stufe der Terrassentreppe und genießt die frühherbstliche Sonne. Doch auch seine Besitzer, Achim Stockfleth und Sibylle A., haben im Hamburger Stadtteil Langenhorn gefunden, wonach sie lange gesucht haben: ihr neues Zuhause.

„In dem Haus, in dem wir leben, sind früher Lungenkranke behandelt worden“, erzählt der 50-Jährige Marketingprofi. Ihn und seine Partnerin stört das nicht. „Die Patrizia Immobilien AG und die Denkmalschutzbehörde haben hier auf dem parkähnlichen Gelände schöne Lösungen fürs Wohnen gefunden“, sagt der Neu-Langenhorner.

Gebäude aus der Kaiserzeit

Die historischen Häuser aus der Kaiserzeit sind Teil des Gesamtprojekts „Unter den Linden“: Die Gebäude entstanden zwischen 1893 und 1913. Fassade und Grundmauern bleiben bei der Umnutzung erhalten. Innen werden sie jedoch bis auf die tragenden Wände entkernt; für den Ausbau werden Leichtbauwände verwendet. Jede Wohnung im Quartier – insgesamt 450 Eigentumswohnungen sind geplant, davon viele auch in Neubauten an den Außengrenzen – hat ihren eigenen Charakter.

Gemeinsam ist allen der hohe Standard mit Parkettböden, Hamburger Fußleisten, einer modernen Küche mit offenem Wohn- und Essbereich – Loftcharakter eben. Und das auf einem Areal mit schönem, alten Baumbestand.

Altbauflair durch hohe Decken

Achim Stockfleth und Sibylle A. sind vor einem halben Jahr ins Quartier gezogen. Zusammen mit Hund Henry bewohnen sie 114 Quadratmeter und drei Zimmer. „Besonders gut gefallen uns die 3,80 Meter hohen Decken“, sagt der Hausherr, der vorher einen Neubau in Hamburg-Winterhude bewohnte und den Wegzug von dort gar nicht bedauert. „Ich habe jetzt zwar einen Arbeitsweg von 20 bis 30 Minuten. Aber wenn man sich beruflich verändert, kann das auch passieren. Hier fühle ich mich wohl. Da sind mir die 20 Minuten egal.“

Sibylle A. erzählt, dass der Freundeskreis anfangs schon irritiert gewesen sei. „Da hat jeder erst einmal die Nase gerümpft und gefragt: Wo zieht ihr hin – nach Langenhorn? Das kann nicht sein.“ Doch wer sich im Quartier „Unter den Linden“ umschaut, der sieht: Nicht nur das Paar hat sich für diesen Wohnort entschieden, auch junge Familien und ältere Paare. Bis alles komplett fertig ist, wird es noch dauern. Baukräne zeugen davon. 2018 sollen laut Patrizia Immobilien AG die Arbeiten beendet sein.

Denkmalschutzamt behält weitgehende Rechte

Dass Denkmalschutz und zeitgemäßes Wohnen sich gut ergänzen, zeigt ein weiteres Projekt in Hamburg-Ottensen, bei dem ebenfalls ein ehemaliges Krankenhausgebäude (die Geburtsklinik Altona) restauriert und ungewandelt wurde. Die besondere Wohnqualität definiert sich an diesem Standort allerdings nicht allein über die denkmalgeschützte Immobilie, sondern auch über den Preis: Mehr als 5500 Euro pro Quadratmeter sind für die exklusiven Eigentumswohnungen zu zahlen. Im Projekt „Unter den Linden“ ist das Wohnen in historischen Immobilien dagegen bereits ab 4500 Euro pro Quadratmeter zu haben.

Wer sich für diese Wohnungen interessiert, sollte wissen: In diesen Gebäuden hat das Denkmalschutzamt weitgehende Rechte. „Das betrifft die Bepflanzung im Garten ebenso wie die Frage, ob es eine Markise geben darf“, sagt Achim Stockfleth. „In unserem Fall wurde das abgelehnt, denn die Einheitlichkeit des Ensembles soll erhalten bleiben.“ Trotzdem bereut das Paar den Umzug nicht. „Die Entscheidung war genau richtig. Für uns lauten die Prioritäten Wohnraum, Platz und Natur. Wir haben hier einen Garten und davor einen wunderschönen alten Baumbestand. Sonne gibt es bis 18 oder 19 Uhr.“

Umgeben von Rehen, Uhus und Fledermäusen

Sibylle A. ergänzt: „Ich wollte beim Aufwachen mal wieder ins Grüne schauen und nicht in die Nachbarwohnung.“ Und dann erzählt das Paar von den Rehen, die manchmal im Dickicht anzutreffen seien. „Wenn wir abends auf der Treppe sitzen, dann hören wir den Uhu und es fliegen hier Fledermäuse herum. Und das mitten in der Stadt Hamburg, das ist schon grandios.“

Der Marketingexperte bringt es auf den Punkt: „Wir fahren hier mit einem Lächeln her. Hier sind wir angekommen. Mehr wollen wir nicht.“ Hund Henry, mittlerweile eingeschlafen, würde das mit Sicherheit bestätigen.

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