Vegetarismus

So schlecht schneidet Fleischersatz bei Ökotest ab

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Alina Reichardt
Fleischersatzprodukte wie vegetarische Würste schneiden im Test häufig schlecht ab.

Fleischersatzprodukte wie vegetarische Würste schneiden im Test häufig schlecht ab.

Foto: imago /Waldemar Boegel

Eine Untersuchung der Zeitschrift Ökotest von 22 fleischfreien Produkten fällt ernüchternd aus. Die Tester empfehlen nur einen Artikel.

Berlin.  Lange galten sie als Nischenprodukt, heute füllen sie ganze Supermarktregale: Fleischersatzprodukte sind ein Wachstumsmarkt. Nicht nur Vegetarier greifen zu fleischlosem Aufschnitt und Grillgut, vor allem auf die in Deutschland wachsende Zahl der sogenannten Flexitarier haben die Hersteller es abgesehen. Diese Verbraucher essen bewusst weniger Fleisch, verzichten aber nicht ganz darauf. Öktotest hat 22 fleischfreie Produkte untersucht – und kann nur ein einziges empfehlen. Zehn der Artikel schneiden mangelhaft oder ungenügend ab. Viele sind laut den Testern weder für Gesundheitsbewusste noch für Tierfreunde eine gute Wahl. Das sollten Käufer über die Nachahmerprodukte wissen.

Keine natürlichen Produkte

Einzig das „Gut Bio Soja-Schnitzel“ von Aldi Nord empfehlen die Ökotester mit der Note „Gut“. Auch hier wiesen die Prüfer erhöhte Mineralölrückstände nach, entdeckten jedoch keine kritischen Inhaltstoffe und stellten einen moderaten Salzgehalt von 1,7 Gramm pro 100 Gramm fest. Eine Ausnahme im Testfeld. Denn wer den Fleischersatz kauft, weil er auf gesundheitliche Vorteile hofft, wird enttäuscht: Etliche der Produkte enthalten laut Ökotest viel Fett und Salz. Fast alle sind mit Aromen aufgepeppt.

„Um den Fleischgeschmack zu imitieren sind in solchen Produkten häufig Zusatzstoffe enthalten“, bestätigt auch Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg, die vor zwei Jahren selbst eine Untersuchung zu Zutaten in veganen Lebensmitteln durchführte. „Unser größter Kritikpunkt ist, dass solche Produkte häufig als natürlich oder gesund vermarktet und von den Verbrauchern auch so wahrgenommen werden“. So stehe etwa auf vielen Produkten „Keine Geschmacksverstärker“. Der bekannteste Vertreter dieser Gruppe, der Stoff Glutamat, darf deshalb nicht enthalten sein.

„Verbraucher erwarten dann aber auch keine Aromen oder geschmacksverstärkende Zutaten wie „Würze“ oder „Hefeextrakt“, sagt Valet, „Hefeextrakt ist auch glutamathaltig, gilt aber als Zutat, nicht als Zusatzstoff und darf deshalb trotzdem drin sein“. Diese Regelung machen sich die Anbieter zunutze. Im Ökotest enthalten acht Produkte Hefeextrakt, sechs zusätzliche Aromen und vier Würze. Neben dem Geschmack ist auch die Konsistenz der Produkte alles andere als natürlich. Besonders um die Mischung aus Wasser und pflanzlichen Eiweißen, etwa aus Hülsenfrüchten wie Sojabohne oder Lupine, schnittfest zu machen, sind Verdickungsmittel wie Xanthan, Johannisbrotkernmehl oder Guarkernmehl nötig.

Mehr Fett als ein echtes Schnitzel

Zwölf der Artikel enthalten laut Ökotest mehr als zwei Gramm Salz pro 100 Gramm, am meisten die „Wie Salami“ von Heirler mit 3,2 Gramm Salz pro 100 Gramm, die mit „Ungenügend“ bewertet wurde. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät dazu, 6 Gramm Kochsalz täglich nicht zu überschreiten, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt mit 5 Gramm noch weniger. Mit mehreren Scheiben des reichlich gewürzten Fleischersatzes auf Brot ist dieser Wert schnell erreicht. Der Grund für die Warnung: zu viel Salz erhöht auf Dauer das Risiko für Bluthochdruck und in der Folge Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Deutsche Männer essen derzeit rund 10 Gramm Salz pro Tag, Frauen etwa 8,4 Gramm.

Auch der schlanken Linie sind einige der Produkte kaum zuträglicher als ihre fleischigen Vorbilder. Zum Vergleich: ein mageres Schweineschnitzel bringt es auf etwa 1,6 Gramm Fett pro 100 Gramm, alle sechs Veggie-Schnitzel im Ökotest liegen zwischen 10 bis 13 Gramm Fett pro 100 Gramm. Die Taifun Veggie-Bratwurst im Test bringt 18 Gramm Fett pro 100 Gramm mit und ist damit eines der fetthaltigsten unter den Fleischlosprodukten. 100 Gramm feine Fleisch-Bratwurst liegt bei etwa 29,3 Gramm Fett pro 100 Gramm. Der Spitzenreiter im Fettvergleich, die „Eden Vegetarische Fleischwurst“ enthält 20,1 Gramm Fett pro 100 Gramm und liegt damit nur knapp hinter der Fleischvariante, die im Schnitt 26,6 Gramm Fett pro 100 Gramm mitbringt. Dennoch: „Nicht alle Fleischersatzprodukte sind grundsätzlich ungesund, einige bieten auch Vorteile gegenüber echtem Fleisch“, sagt Valet, „um die richtigen zu finden, bleibt dem Verbraucher allerdings kaum etwas anderes übrig, als ins Kleingedruckte zu schauen und den Gehalt von Salz, Fett und den ungünstigen gesättigten Fettsäuren individuell zu vergleichen.“

Nichts für Veganer

Selbst Tierschützer können laut Ökotest nicht ohne weiteres zugreifen. Einige der Produkte basieren auf Eiweißbasis – die Herkunft der Eier ist jedoch nicht immer angegeben. Etwa für die „Vegetarische Fleischwurst“ von Eden bekamen die Tester auch keine Auskunft dazu, ob die Hühner in Käfigen gehalten wurden oder nicht. Drei weitere Produkte – „Vegetarischer Aufschnitt“ von Gut Bartenhof, „Vegetarischer Schinkenspicker“ von Rügenwalder und das „Quorn Fleischfrei Panierte Schnitzel“ – enthalten laut Anbieter Eiweiß von Hühnereiern aus Freilandhaltung. Bio-Eier enthielt keines der Produkte. Auch bei den zwei Fleischersatzartikeln auf Milchbasis – „Fleischfreie Filets“ von Valess und „Veggie Aufschnitt“ von Gurkerl – ist nicht ersichtlich, aus welcher Haltung die Milch stammt. Für Veganer, die komplett auf tierische Inhaltsstoffe in Lebensmitteln verzichten, ist keines dieser Produkte geeignet.

Mineralölrückstände sind ein Problem

Sieben der Produkte im Ökotest sind stark mit gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen, kurz MOSH, belastet, fünf sehr stark. Sie könnten aus den Kunststoffverpackungen auf die Lebensmittel übergegangen sein, vermuten die Tester. MOSH können sich im Körper anreichern und führten im Tierversuch zu Organschäden. In Lebensmitteln haben sie nichts zu suchen, sie „sind aber kein Thema, das speziell vegetarische Produkte betrifft“, sagt Valet, „es ist ein grundsätzliches Problem von verpackten Lebensmitteln, für das die Politik eine Lösung finden muss“.

Die besten Produkte laut Ökotest:

• „Gut Bio Soja Schnitzel“ von Aldi Nord /gut

• „Alberts Lupinenschnitzel“ / befriedigend

• „Alnatura Veggie Aufschnitt Paprika“ / befriedigend

• „Gut Bartenhof Vegetarischer Aufschnitt extra fein“/ befriedigend

• „Rügenwalder Vegetarischer Schinken Spicker, Bunter Pfeffer“ / befriedigend

• „Rügenwalder Vegetaria Nuggets“ / befriedigend

Gesamte Tabelle kostenpflichtig unter www.oekotest.de.

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