Handykosten

Was Sie zu den neuen Roaming-Regeln wissen müssen

Ab diesem Wochenende verlangen Mobilfunkanbieter nur noch einen geringen Aufschlag für das Telefonieren und Surfen im EU-Ausland.

Ab diesem Wochenende verlangen Mobilfunkanbieter nur noch einen geringen Aufschlag für das Telefonieren und Surfen im EU-Ausland.

Foto: Daniel Naupold / dpa

An diesem Wochenende wird Telefonieren und Surfen im EU-Ausland noch einmal günstiger. Trotzdem gibt es einiges zu beachten.

Brüssel.  Wer beim Reisen in der EU mit dem Handy telefoniert oder im Internet surft, zahlt vom heutigen Samstag an teilweise deutlich weniger. Bei der Handynutzung im EU-Ausland dürfen Mobilfunkanbieter von ihren Kunden ab dem heutigen Samstag nur noch geringe Aufschläge auf die im Heimatland gültigen Tarifpreise verlangen. Eine neue Vorschrift deckelt die Zusatzgebühren zum 30. April ein weiteres Mal. Vom 15. Juni 2017 an sollen die Auslandsgebühren dann komplett der Vergangenheit angehören.

Wie hoch ist der Aufschlag genau?

Telekommunikations-Anbieter dürfen von Samstag an nur noch maximal 6 Cent pro Minute für Anrufe, 2 Cent pro SMS oder 6 Cent pro Megabyte bei Datentarifen im EU-Ausland verlangen (alle Preise inklusive Mehrwertsteuer). Nimmt man einen Anruf an, kostet das höchstens 1,2 Cent zusätzlich pro Minute. Maximal darf die Summe aus Inlandspreis und Aufschlägen nicht mehr betragen als die bisherigen Höchstpreise von 23 Cent pro Minute für abgehende Anrufe, 7 Cent pro SMS und 24 Cent je Megabyte Datenvolumen.

Gilt das auch für Flatrate-Tarife?

Tatsächlich hat der Gesetzgeber zu Roaminggebühren bei Flatrates keine Regelung getroffen, sagt André Schulze-Wethmar vom Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland (ECC). Möglich sei, dass Anbieter im Ausland nur die Aufschläge allein berechnen – garantiert sei dies aber nicht. Die Mobilfunkbetreiber könnten etwa in ihren Geschäftsbedingungen eine Klausel einfügen, dass Flatrates nur in Deutschland gelten. Dann würde im Ausland auf Minutenbasis abgerechnet. Nach Sicht von Miriam Rusch-Rodosthenous von der Verbraucherzentrale NRW zeige dies, dass es bei Roaminggebühren weiter Schlupflöcher geben könnte. Verbraucher sollten sich vor dem Urlaub nach den Kosten erkundigen, sagt sie.

Manche Anbieter haben bereits reagiert. In einigen Flatratetarifen sind mittlerweile Auslandskontingente enthalten, oder die gebuchten Tarife gelten auch im EU-Ausland - in einigen Tarifen gibt es gar keine Roaminggebühren mehr.

Was ist, wenn ich einen Wochen- oder Tagespass habe?

Für Daten bieten Mobilfunk-Unternehmen allerdings schon seit einiger Zeit auch Tages- und Wochenpässe an, außerdem gibt es Tarife mit Auslands-Kontingenten. Ist das Auslands-Guthaben aufgebraucht, würden den Kunden die Anrufe, Downloads oder Kurznachrichten nach den neuen Roaming-Gebühren berechnet, heißt es bei der Bundesnetzagentur. Anbieter wie die Deutsche Telekom, Vodafone und Telefonica O2 wollten noch vor EU-Frist die Roaming-Gebühren generell streichen.

Was sind die Ausnahmen?

Wer eine SIM-Karte aus dem Ausland mit billigeren Tarifen auch zu Hause nutzen möchte, muss weiter mit Zusatzgebühren rechnen. Das sogenannte permanente Roaming könnte marktschädigend wirken, fürchtet die EU-Kommission. Daher dürfen Anbieter ab einer gewissen Menge an Anrufen, SMS oder Daten Aufschläge verlangen. Der günstige Vertrag aus England wäre in Deutschland auf Dauer also weniger attraktiv. Der Wegfall der Roaminggebühren heißt auch nicht, dass Anrufe von Deutschland ins EU-Ausland nun kostenlos sind.

Wo drohen weiterhin versteckte Kosten?

An zwei Stellen. Einmal, wenn ohne entsprechenden Tarif viel Datenvolumen umgesetzt wird. Der IT-Verband Bitkom rät deswegen dazu, die Datenverbindung im Ausland manuell auszuschalten. So werden Kosten durch Datenübertragungen im Hintergrund minimiert. Vorsicht auch auf dem Wasser. Auf Kreuzfahrtschiffen gilt: Handy aus. „Roamingkosten gelten nicht für Schiffe oder im Flugzeug. Da gibt es keine Preishöchstgrenzen“, sagt Carola Elbrecht vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Der Grund: Die dortigen Schiffsnetze nutzen teure Satellitenverbindungen. Hierdurch können unbemerkt Kosten von bis zu 10 Euro pro Minute entstehen. Datenverbindungen sind noch teurer: In einem Fall hatte ein Mobilfunkbetreiber laut der Berliner Verbraucherzentrale bei einem Kreuzfahrtpassagier rund 21 Euro für ein Megabyte abgerechnet.

Ist die neue Regelung schon in trockenen Tüchern?

2007 machte die EU-Kommission erstmals einen Vorstoß, um die Kosten für Telefonate im Ausland zu drücken. Nach und nach sanken die Gebühren, ab Mitte Juni 2017 sollen sie dann ganz wegfallen. Ganz in trockenen Tüchern ist die Regelung allerdings noch nicht: Die Mobilfunkbetreiber könnten bei der EU Verbraucherschützern zufolge noch Ausnahmeregeln heraushandeln, falls sie auf den Kosten sitzen bleiben sollten. (dpa)