Jugendliche

Der erste Liebeskummer: Was gegen den Herzschmerz hilft

Am liebsten will man sich bei Liebeskummer verkriechen – aber unter Leute gehen und sich ablenken, lässt den Herzschmerz schneller vergehen.

Am liebsten will man sich bei Liebeskummer verkriechen – aber unter Leute gehen und sich ablenken, lässt den Herzschmerz schneller vergehen.

Foto: Monique Wüstenhagen / picture alliance / dpa-tmn

Der erste Liebeskummer ist vielleicht der schlimmste. Wie Eltern ihren Kindern helfen können – und was sie besser vermeiden sollten.

Berlin.  Manche können dann nicht mehr essen, andere schauen ständig bei Facebook, was der Ex gerade treibt, oder ob er sich bei WhatsApp gemeldet hat: Der erste Liebeskummer trifft Jugendliche besonders hart. Für viele bricht eine Welt zusammen. Was hilft dann eigentlich? Und was sollten Eltern auf jeden Fall vermeiden? Die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem Thema.

• Leiden Jugendliche mehr als Erwachsene unter Liebeskummer?

Oft ist das tatsächlich der Fall, sagen Experten. „Im Gegensatz zu uns Erwachsenen, die damit auch schon Erfahrungen gemacht haben, verlassen zu werden, ist Liebeskummer für Jugendliche dann eine ganz neue Erfahrung“, erklärt Dana Urban, Sozialpädagogin bei der Onlineberatung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke). Die Teenies haben noch nicht erfahren, dass man auch den schlimmsten Liebeskummer mit Sicherheit „überlebt“, daraus auch etwas lernen und dass man sich irgendwann neu verlieben kann.

• Wie können Eltern ihren Kindern helfen?

Urban rät zwar, sich den ersten eigenen Herzschmerz in Erinnerung zu rufen. Aber: „Jeder Mensch geht anders damit um. Der eine versucht, sich schneller abzulenken, der andere vergräbt sich regelrecht.“ Mütter und Väter können also nicht nur von ihren eigenen Erfahrungen ausgehen. Aber das Erinnern kann sie für den Kummer des Kindes sensibilisieren. Wichtig ist laut Urban, einfach da zu sein und zuzuhören – ohne sofort Ratschläge zu geben. Besser sei: „Nachfragen, versuchen zu verstehen und sich einzufühlen.“ Eltern sollten die Sorgen ernst nehmen und die Gefühle nicht herunterspielen. Sätze wie „Ach, das hast du bald vergessen“ helfen normalerweise nicht.

• Was tun, wenn sich das Kind immer mehr vergräbt?

Die Eltern sollten geduldig sein – aber auch wachsam bleiben. Weigert sich das Kind zum Beispiel zu essen oder äußert es Suizidgedanken, heißt es schnell zu reagieren und professionelle Hilfe zu suchen. Das kann eine Erziehungsberatungsstelle oder auch ein Psychologe sein. Verschließt sich das Kind vor Mutter und Vater, kann vielleicht auch jemand anderes helfen, wie Bruder, Schwester oder ein guter Freund, sagt Urban. „Wichtig wäre mir als Mutter oder Vater, zu wissen, dass mein Kind jemanden zum Darüber-Reden oder -Schreiben hat.“ Vielleicht können Eltern auch ein Sorgentelefon oder eine Onlineberatung empfehlen.

• Gibt es Tipps, die dem Kind neuen Halt geben könnten?

Den meisten hilft es, sich aufzuraffen, aktiv zu sein und an sich selbst zu arbeiten. „Kaum etwas hilft besser als Sport“, sagt der Paartherapeut Dominik Borde. Dabei würden negative Denkmuster durchbrochen und Stresshormone abgebaut. Ganz nebenbei hilft Sport dabei, sich wohler im eigenen Körper zu fühlen und auf andere attraktiver zu wirken. Eltern dürfen den Nachwuchs animieren, sich zu bewegen oder eine neue Sportart zu testen.

• Was sollten die Betreffenden besser unterlassen?

Eltern sollten davor warnen, ständig die Nähe zum Ex-Partner zu suchen. Und sie sollten ruhig erklären, dass es nichts hilft, den anderen ständig zu kontaktieren oder um ihn herumzuwuseln. Viel besser ist es, sich selten zu machen. „Man darf auf keinen Fall ständig bei WhatsApp kontrollieren, wann er oder sie das letzte Mal online war“, sagt Borde. Auch nachts ums Haus herumschleichen ist verboten: „Liebeskummer ist dann wie eine Drogensucht“, sagt Borde. Deshalb müssen Betroffene ganz bewusst Abstand zum Ex-Partner nehmen und sich selbst verordnen: „Nein, das mache ich jetzt nicht.“

Nur diese radikale Entziehungskur helfe einem selbst – und so können auch Liebeskummergeplagte ihren Stolz behalten. Das gilt vor allem, wenn man die Hoffnung hat, den Anderen zurückzuerobern – Kontrolle und ständiges Hinterherlaufen bewirken dann meist das Gegenteil.