Berlin. Stiftung Warentest findet echtes Fell an Mode, wo angeblich Kunstgewebe verwendet wird. Das liegt an günstigen Marderhunden aus China.

Der Bommel auf der Mütze oder der Fellrand an der Kapuze sind beliebte Aufsätze bei Winterkleidung. Kaum ein Käufer kommt bei der Anprobe im Laden auf die Idee, dass es sich dabei um echtes Fell von Tieren handeln könnte. Schon gar nicht bei Preisen von wenigen Euro für ein Stück. Doch die Stiftung Warentest hat nun das Gegenteil herausgefunden.

Die Prüfer kauften in 20 Geschäften Kleidung mit Pelzbesatz ein und analysierten diese. Als Stichprobe kauften die Verbraucherschützer vier Jacken und eine Mütze, deren Besatz verdächtig echt aussah, aber nicht als tierischen Ursprungs gekennzeichnet war. „Alle fünf sind mit echtem Pelz bestückt“, lautet das in der Zeitschrift „Test“ nun veröffentlichte Ergebnis der Laboruntersuchung.

Angaben der EU nicht eingehalten

Die EU schreibt verpflichtende Angaben zur Herkunft des Materials vor, wenn echte Pelze verwendet werden. „Enthält nichttextile Teile tierischen Ursprung“ steht dann auf dem Beipackzettel der Ware. Doch dieser Hinweis fehlt anscheinend bei manchen Modehäusern absichtlich. Zumindest ertappt sollten sich die betreffenden Unternehmen nach der Anfrage der Warentester fühlen. Doch nur zwei Firmen antworteten überhaupt auf die Anfrage der Stiftung. Auch bei den Anbietern von Kleidung mit echtem Pelz ist Verschwiegenheit angesagt. 23 Hersteller wurden befragt, welche Pelze sie verwenden und wo diese herkommen. 17 Firmen, darunter laut Warentest auch Karstadt, reagierten nicht auf die Nachfragen.

Ein Grund für die stillschweigende Verwendung von echten Tierfellen ist nach Einschätzung der Verbraucherschützer, dass Importfelle aus China billiger sind als Kunstpelze. Marderhunde aus chinesischen Zuchtbetrieben werden als billige Lieferanten von Pelzen weltweit vertrieben. Tierschutzorganisationen prangern die Quälerei in den Zuchtstationen schon lange an. Im Internet kursieren entsetzliche Fotos von den Zuständen dort. Die Tester wollten auch wissen, welche Tiere für ihre Stichprobe ihr Fell lassen mussten. Doch die Chemiker im Labor konnten dies nicht mehr herausfinden, weil die Felle chemisch stark behandelt wurden. Gefunden wurde beispielsweise Fomaldehyd, ein Stoff, der durch das Einatmen Krebs auslösen kann.

Einige Markenhersteller verzichten auf Pelz

Eine positive Nachricht enthält der Testbericht auch. Große Markenhersteller wie C&A, Zalando, Galerie Kaufhof, Otto, H&M oder Tchibo haben sich selbst einen Verzicht auf die Verarbeitung von echten Pelzen auferlegt. Sie haben sich einem internationalen Programm dazu angeschlossen. Wer bei Kauf auf Nummer sicher gehen will, kann sich auf der Website www.furfreeretailer.com vergewissern, dass sein bevorzugtes Modehaus mit auf der Teilnehmerliste dieser Initiative steht.

Ansonsten bleibt dem Käufer nur der genaue Blick auf die Ware. Scheitelt man das Fell, kommt bei echtem Pelz das darunter liegende Leder zum Vorschein, bei Kunstpelz das Gewebe. Auch schmelzen die Kunsthaare zu kleinen Kügelchen zusammen, wenn sie angezündet werden. Echtes Haar zerfällt dagegen und stinkt.