TV-Geräte

Wann sich das Umsteigen auf einen UHD-Fernseher lohnt

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Lohnt sich der Neukauf eines UHD-TVs wirklich oder reicht auch ein Full-HD-Gerät? Worauf Verbraucher beim Kauf achten sollten.

Berlin.  Wer heute einen Fernseher kaufen möchte, muss viele Entscheidungen treffen: Full HD oder UHD, LED oder OLED – und sind „Quantum Dots“ und „HDR“ wichtig oder braucht man das nicht? Wir erklären, was diese Begriffe bedeuten und was die Technologien dahinter wirklich bringen.

Wie scharf darf es denn sein?

Eines der Hauptkaufargumente für ein neues TV-Gerät ist ein besseres Bild – und hier wird bei Verkaufsgesprächen meist zuerst UHD angepriesen. Der neue Auflösungsstandard bietet mit 3840 mal 2160 Pixeln exakt viermal so viele Bildpunkte wie beim derzeit gängigen Full-HD-Standard (1920 mal 1080 Bildpunkte). Damit kann ein UHD-Fernseher ein deutlich schärferes Bild zeigen als vergleichbare Full-HD-Geräte. Trotzdem muss es beim Neukauf nicht zwingend UHD sein.

Das hängt nämlich von den eigenen Sehgewohnheiten und dem TV-Stellplatz in der Wohnung ab. Damit man die Schärfe des UHD-Bildes überhaupt erkennen kann, muss man dicht genug vor dem Bildschirm sitzen.

Als Faustregel gilt: Wer alle Details im UHD-Bild sehen möchte, muss das Sofa bis auf die anderthalbfache Höhe des Fernsehers heranrücken. Im Falle des Testsiegers von Stiftung Warentest, einem 55-Zoll-TV von Samsung, sind das etwas mehr als ein Meter.

Ohne Frage, UHD-Inhalte sehen von dieser Entfernung beeindruckend scharf und detailreich aus – man sitzt dann aber auch wirklich dicht vor diesem großen Fernseher. Immerhin, hier macht sich auch die Krümmung des Displays bezahlt, da man die Ränder des Bildes besser im Blick hat. Bei einem Sitzabstand von mehr als der dreifachen Bildhöhe, bei einem 55-Zoll-Fernseher also gut zwei Meter, sind Unterschiede zwischen HD und UHD nur noch mit sehr guten Augen auszumachen, spätestens ab drei Meter Abstand sieht es genauso aus wie Full HD.

Die Technik für schönere Pixel

Das Auflösungsplus von UHD ist demnach nicht für jeden Nutzer sinnvoll – gerade bei den teureren Displays verwenden die Hersteller aber auch viel Mühe darauf, wie die einzelnen Pixel dargestellt werden und punkten mit größerem Farbumfang und besserem Kontrast.

Kern der verbesserten Farbdarstellung ist die sogenannte Quantum-Dots-Technologie. Samsung nennt sie allerdings „Nano Crystal“, LG „Color Prime“ und Sony „Triluminos“. Im Prinzip beschreibt das alles jeweils eine verbesserte Hintergrundbeleuchtung, die mithilfe von Nano-Partikeln mehr und lebensechtere Farben zeigen kann. Dadurch gerät das Bild insgesamt brillanter. Bislang kann man diese Farbpracht aber nur bei Demovideos bewundern – für den erweiterten Farbraum optimierte Filme und Serien fehlen noch.

Strahlender Mond dank HDR

Eine weitere wichtige Verbesserung ist HDR. Das ist die Abkürzung für „High Dynamic Range“ und meint eine große Spreizung zwischen den hellsten Weißwerten und den dunkelsten Schwarzwerten, die ein Bildschirm darstellen kann, allerdings nicht zu verwechseln mit den gleichnamigen Kombinationsbelichtungen in der Fotografie. Normale LCDs haben aufgrund ihrer Funktionsweise vor allem mit der Schwarzdarstellung ein Problem. Denn selbst wenn ein Pixel versucht, kein Licht der Hintergrundbeleuchtung durchzulassen – also tiefstes Schwarz anzeigen will – kommt immer noch etwas Resthelligkeit durch. Das Pixel zeigt also eher ein Dunkelgrau. Manche Hersteller begegnen dem, indem ihre Fernseher bei dunklen Bildinhalten die Hintergrundbeleuchtung dimmen. Eine Szene mit Nachthimmel sieht dadurch zwar tatsächlich schwärzer aus, aber statt eines leuchtenden Mondes sieht man dann nur noch ein blasses Schimmern.

HDR beruht (neben ein paar weiteren Tricks für bessere Helligkeit) vor allem darauf, dass die Hintergrundbeleuchtung nicht flächig überall gleich hell ist, sondern dass hinter dem Bildschirm viele Lämpchen verbaut werden, die einzeln angesteuert werden können. So lässt sich etwa die Beleuchtung hinter einem schwarzen Nachthimmel abschalten, die Lämpchen direkt hinter dem Mond leuchten aber um so heller. Damit sorgt HDR für ein kontrastreicheres und lebendigeres Bild. Allerdings müssen diese HDR-Steuerinformationen auch von den jeweiligen Filmen mitgeliefert werden.

Bislang noch Zukunftstechnik

Der erweiterte Farbraum durch Quantum Dots und die bessere Kontrastdarstellung dank HDR bieten erhebliche Bildverbesserungen, die auch bei einem üblichen Sitzabstand zum TV-Gerät sichtbar bleiben. Derzeit bemerkt man davon aber noch fast nichts, denn entsprechende Inhalte gibt es bislang fast keine. Wer heute einen zukunftssicheren Fernseher kaufen möchte, sollte neben UHD-Auflösung also vor allem auf HDR und Quantum Dots achten – leider sind sie bislang meist den recht kostspieligen Premiumserien der Hersteller vorbehalten, Geräte kosten oft über 2000 Euro.

Übrigens: Ab 2016 beginnt die Umstellung des terrestrischen TV-Programms auf DVB-T2-HD. Dafür muss der Fernseher den Kodierungsstandard H.265 (auch bekannt als HEVC) unterstützen, beim Kauf also darauf achten.

OLED als bessere Alternative?

Wenn Geld eher die untergeordnete Rolle beim TV-Kauf spielt, sollte man ein OLED-Gerät in Betracht ziehen. Diese Technologie verwendet statt komplizierter Filter für jeden einzelnen Bildpunkt eigene LED-Lämpchen und bietet neben lebendigen, leuchtenden Farben die besten Kontraste und Schwarzwerte, die man auf einem LC-Display haben kann. Noch hat OLED allerdings im Vergleich eine geringere Lebensdauer und kostet oft mehrere Tausend Euro mehr.