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Drei Versicherungen reichen als Schutz

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Manuela Keil

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95 Prozent der Deutschen sind falsch versichert. Verbraucherschützer sagen, welche Policen unverzichtbar sind, um einen Schutz zu gewährleisten.

Die Angst vor Unfall, Krankheit und Katastrophen eint die meisten Menschen. Auch Einbruch, Brand oder Diebstahl fürchten viele. Sie schließen deshalb entsprechende Versicherungen ab. Die Policen sollen das Leben sicherer machen und vor allem beruhigen. Aber welche Police ist wirklich unverzichtbar, welche sollte also jeder Mensch abschließen, und welche betrifft nur bestimmte Lebenssituationen oder Interessengruppen und ist somit für andere überflüssig?

Mehr als 2000 Euro gibt der Deutsche durchschnittlich pro Jahr für private Versicherungen aus. 95 Prozent der Deutschen haben die falschen Policen, sagen Verbraucherschützer. Sie könnten viel Geld sparen. Überdies passen viele Policen nicht zur konkreten Lebenssituation oder sind zu teuer. "Als Richtschnur gilt, die Risiken, die die Existenz bedrohen, abzusichern", sagt Verbraucherberaterin Edda Castelló. "Leider wird das häufig in der Praxis nicht umgesetzt." So haben viele Menschen eine Brillenversicherung, jedoch keine gegen Berufsunfähigkeit abgeschlossen.

Um zu beurteilen, welche Versicherungspolice unverzichtbar ist, sollte man sich fragen: Handelt es sich um ein unabwendbares Ereignis? Droht ein finanzieller Ruin, wenn ich nicht versichert bin? Wenn man diese Fragen auf alle Policen anwendet, die man hat, ergibt sich daraus schnell eine Rangfolge. Und damit eine Entscheidungshilfe, welche Police gekündigt werden kann.

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Auf Rang eins der unverzichtbaren Policen für alle steht die private Haftpflichtversicherung. Denn jeder Mensch kann einen Schaden verursachen, für den er haften muss. "Und dieser Schaden kann einen schnell in den Ruin treiben", sagt Castelló. Wie in dem Fall, wenn jemand durch einen vom Balkon fallenden Blumenkübel am Kopf so schwer verletzt wird, dass er dadurch berufsunfähig wird und man ihm eine lebenslange Rente zahlen muss. So leuchtet die Notwendigkeit einer Haftpflichtversicherung ein. Sie ist unverzichtbar. "Denn jeder Deutsche haftet mit seinem Vermögen für die Schäden, die er anrichtet", sagt Castelló. Das gute ist: die Haftpflichtversicherung gehört mit einem Jahresbeitrag ab etwa 40 Euro zu den günstigen Policen. Sie ist auch bereits für Berufseinsteiger wichtig - und bezahlbar. Zu bedenken ist vor dem Abschluss, dass es Preisspannen von 40 bis 160 Euro gibt. Vergleichstests zeigen zudem, dass häufig gerade die Marktführer bei gleichen Leistungen sehr teuer sind.

Ebenso unabwendbar sind schwere Krankheiten und Unfälle. Ein totaler finanzieller Absturz droht, wenn jemand wegen Krankheit nicht mehr arbeiten kann und das Krankentagegeld endet. Demzufolge ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung, die eine monatliche Rente zahlt, wenn man seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, ein Muss für Berufstätige. Dennoch haben sich noch nicht einmal ein Viertel der deutschen Haushalte in dieser Weise abgesichert.

Für Menschen, die für andere wirtschaftlich verantwortlich sind, für Ernährer einer Familie, ist eine Risikolebensversicherung dringend zu empfehlen. Sie zahlt eine einmalige Summe beim Tod des Versicherten. Castelló: "Wenn der Alleinverdiener stirbt, kann das für die Hinterbliebenen finanziell ein Desaster bedeuten." Wer diese drei Versicherungen - Haftpflicht-, Berufsunfähigkeits- und Risikolebensversicherung - hat, der ist gegen alle existenzbedrohenden Ereignisse geschützt.

Alles andere sei Kür, meint Edda Castelló. Denn Autohaftpflicht und Krankenversicherungen seien ohnedies für alle Bürger Pflicht. Für Immobilienbesitzer ist eine Wohngebäudeversicherung sinnvoll. Dagegen seien Hausrat-, Rechtsschutz-, Brillen- und Fahrradversicherungen weniger wichtig oder sogar völlig verzichtbar, sagt die Verbraucherschützerin.

Ist nach einem Wohnungsbrand das Mobiliar beschädigt, könne man sich von Freunden helfen lassen. "Wenn das Fahrrad gestohlen wurde, gerate ich damit nicht in Not", sagt die Juristin. Die Prämie für eine Fahrraddiebstahlpolice könne man sich lieber sparen und mit dem Geld ein neues Rad oder ein Schloss kaufen. Zudem ist in einer Fahrradversicherung meist ein hoher Selbstbehalt enthalten. Und manche Versicherer bestimmen sogar, dass der Vertrag nach einem Schadensfall automatisch erlischt. Nur bei extrem teuren Rädern kann man an den Abschluss eines Vertrages denken, sollte sich jedoch vor einer Unterschrift eingehend mit den Bedingungen auseinandersetzen.

Und eine Unfallversicherung? Sofern man sich vor Berufsunfähigkeit geschützt hat, sei diese nicht so wichtig, sagt die Verbraucherschützerin. Für sehr riskant hält Castelló den Wechsel in eine private Krankenversicherung, da kurzfristige Preisvorteile durch Preiserhöhungen im Vertragsablauf mehr als aufgezehrt werden. Eine Rechtsschutzversicherung sei entbehrlich, weil man durch die Kosten eines Rechtsstreits nicht an den Bettelstab gerate, meint Castello. Als verzichtbar schätzen Experten ferner Glasversicherungen (Wintergarten), Insassen-Unfall-, Reisegepäck-, Geräte-, Sterbegeld- und Tierkrankenversicherungen ein. Verbraucherschützer raten von Policen für Tiere ab, denn die Einschränkungen seien zahlreich. So sind in der Regel Impfungen und Behandlungen der ersten vier bis sechs Lebensmonate nicht versichert. Bei sehr teuren Turnierpferden kann hingegen eine OP-Versicherung oder eine Tierlebensversicherung sinnvoll sein.

Viele Urlauber schließen eine Reisegepäckversicherung ab. Auch von dieser Police raten Experten ab. Der Verlust des Koffers bedeutet zum einen nicht den finanziellen Ruin, zum anderen sind die Bedingungen der Versicherer oft so streng, dass der Verlust nicht ersetzt wird. Zudem sind die Kosten im Verhältnis zum Versicherungsschutz zu hoch. Denn die Versicherer lehnen im Schadensfall vielfach eine Leistung mit der Begründung ab, der Schaden - also der Diebstahl - sei durch grobe Fahrlässigkeit herbeigeführt worden.

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