Ein Mord als politische Botschaft?

Kommentar

Er war ein gefährlicher Mann, dieser Pim Fortuyn, der gestern Abend auf den Stufen des Rundfunkgebäudes in Hilversum verblutete. Intelligent, charismatisch und rassistisch, war Fortuyn zugleich eine Gefahr für die etablierten Parteien der Niederlande, deren politische Strahlkraft weitgehend erloschen ist, wie auch für das gesellschaftliche Toleranzmodell Hollands.

Verglichen mit dem glitzernden Medienstar Fortuyn wirkte die amtierende Politikerkaste unter Premier Wim Kok farblos und verbraucht. Doch Fortuyn war kein politischer Pausenclown, seine Stoßrichtung deckte sich erschreckend mit jener des rassistischen Bretonen Le Pen, der erst unter Aufbietung aller pluralistischen Kräfte gestoppt wurde.

Falls der Tod des Rechtspopulisten tatsächlich ein politisches Attentat war, wäre dies ein weiteres Indiz für die grassierende Orientierungslosigkeit in Europa. Während ein Teil der Bevölkerung die Ursache seiner Probleme hilflos bei allem Fremden und die Lösung bei einem "starken Mann" sucht, könnten verzweifelte und skrupellose Geister versucht sein, politische Prozesse per Gewalt zu steuern. Das Beispiel Naher Osten zeigt, wohin dies führt.