Religion

Antisemitismus-Beauftragter ruft zum Kippa-Tragen auf

Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung appelliert an die Bürger, am kommenden Samstag Kippa zu tragen..

Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung appelliert an die Bürger, am kommenden Samstag Kippa zu tragen..

Foto: Fredrik von Erichsen / dpa

Die Bürger sollen ein Zeichen gegen den anti-israelischen Al-Quds-Tag setzen. Das fordert der Antisemitismus-Beauftragte Felix Klein.

Berlin. Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, appelliert an die Bürger, am kommenden Samstag Kippa zu tragen. Klein sagte unserer Redaktion: „Ich rufe alle Bürgerinnen und Bürger in Berlin und überall in Deutschland auf, am kommenden Samstag, wenn in Berlin beim Al-Quds-Tag wieder in unerträglicher Weise gegen Israel und gegen Juden gehetzt wird, Kippa zu tragen.“

Damit setze man ein wichtiges Zeichen der Solidarität für Juden „und treten ein für die uneingeschränkte Religionsfreiheit und gesellschaftliche Vielfalt“, erklärte Klein. „Wenn Politik und Gesellschaft mit vereinten Kräften gegen Antisemitismus vorgehen, dann haben wir eine echte Chance, diesen Kampf zu gewinnen“, sagte er weiter.

Der Regierungsbeauftragte rief zudem zur Teilnahme an der Demonstration gegen den Al-Quds-Tag am 1. Juni um 15 Uhr am George-Grosz-Platz in Berlin- Charlottenburg auf. Der Zentralrat der Juden in Deutschland forderte zugleich strikte Auflagen für den Al-Quds-Marsch und ein Verbot der Hisbollah.

Antisemitismus-Interview von Klein hatte heftige Reaktionen ausgelöst

Der Al-Quds-Tag wurde 1979 vom iranischen Revolutionsführer Ayatollah Khomeini ausgerufen. Er dient dazu, dass Existenzrecht Israels infrage zu stellen und den arabischen Anspruch auf ganz Jerusalem zu untermauern. Der jährlich stattfindende Al-Quds-Marsch in Berlin ist zugleich Sammelpunkt von Israelfeinden und Judenhassern. An dem Marsch beteiligen sich Hamas- und Hisbollah-Sympathisanten, Neonazis und Anhänger von Verschwörungstheorien.

Klein hatte am Wochenende mit seinem Interview mit unserer Redaktion international heftige Reaktionen ausgelöst. „Meine Aussage, ich könnte Juden nicht mehr jederzeit und an jedem Ort das Tragen der Kippa in Deutschland empfehlen, ist als Weckruf zu verstehen“, verteidigte er sich nun.

Klein: Religionsfreiheit gewährleisten

Er habe diese Äußerung insbesondere vor dem Hintergrund der Statistik der politisch motivierten Straftaten 2018 getan, bei der ein starker Anstieg antisemitischer Delikte um fast 20 Prozent konstatiert worden sei. Er sei „selbstverständlich“ der Meinung vieler Kommentatoren, „dass wir vor den Antisemiten nicht zurückweichen sollten“.

Die Kommentatoren hätten auch darauf hingewiesen, dass es Aufgabe des Staates sei, die uneingeschränkte Ausübung der Religionsfreiheit überall in Deutschland „zu gewährleisten“. Hierzu gehöre der Schutz der jüdischen Gemeinschaft, wie der aller anderen Religionsgemeinschaften auch. An dieser Aufgabe arbeite er „mit aller Kraft meines Amtes mit, und wir haben in den vergangenen Monaten hier auch viel erreicht“.

Menschen sollen sich sicher bewegen können

Er bewerte es als positiv, so Klein, dass nun eine breite Debatte über die Sicherheit der Juden in Deutschland entstanden sei und von verschiedener Seite zur Solidarität aufgerufen werde.

Auch die Bundesregierung hat erneut Stellung bezogen. Die staatlichen Institutionen müssen nach den Worten von Regierungssprecher Steffen Seibert dafür Sorge, dass Menschen überall in Deutschland sicher eine Kippa tragen können. „Der Staat hat zu gewährleisten, dass die freie Religionsausübung eines jeden möglich ist“, so Seibert.

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Jeder Mensch solle sich an jedem Ort dieses Landes – auch mit einer Kippa – sicher bewegen können. „Zu dieser Verantwortung stehen wir.“ Seibert sagte, der Anstieg der Straftaten „sollte für jeden in Deutschland ein Anlass zu großer Sorge sein“. Die Kippa, eine kleine kreisförmige Mütze, wird von jüdischen Männern als sichtbares Zeichen ihres Glaubens traditionell den ganzen Tag lang getragen. (mit dpa)