Silvester-Übergriffe

Ein Oberkommissar nimmt sich die „liebe Politik“ zur Brust

Thomas Mohr, GdP-Chef in Mannheim, wehrt sich gegen Vorwürfe von Seiten der Politik.

Thomas Mohr, GdP-Chef in Mannheim, wehrt sich gegen Vorwürfe von Seiten der Politik.

Foto: Facebook

Wird die Kölner Polizei zum Sündenbock gemacht für die Übergriffe zu Silvester? Der Facebook-Post eines Polizisten findet viel Beifall.

Berlin.  Schlecht aufgestellt, falsch reagiert, die Öffentlichkeit getäuscht – die Polizei in Köln steht nach den Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht massiv in der Kritik.

„So kann man seine Arbeit nicht machen“, urteilte Bundesinnenminister Thomas de Maizière scharf. Der nordrhein-westfälische CDU-Chef Armin Laschet ätzte, die Kölner Polizei sei „nicht in der Lage, Frauen vor serienweisen sexuellen Übergriffen im Zentrum der größten Stadt des Landes zu schützen“. FDP-Chef Christian Lindner forderte bereits personelle Konsequenzen an der Spitze der Polizei.

Rückhalt bekamen die Beamten von Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD). „Es ist eine Frage des Stils, ob man ohne Detailkenntnisse, bei eigener Verantwortung, Polizeieinsätze in anderer Zuständigkeit beurteilt“, sagte er in Düsseldorf. Adressat der Kritik ist offenbar Bundesinnenminister de Maizière. Mehr Aufmerksamkeit als Jägers Konter erlangte jedoch der Facebook-Eintrag eines Polizisten aus dem fernen Mannheim.

„Ich habe mich unheimlich aufgeregt“

„Ich habe mir lange überlegt, ob ich mich hier zu den Vorfällen in Köln oder Stuttgart äußern soll“, beginnt der Post von Thomas Mohr, Polizeioberkommissar Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Mannheim. Es folgen sehr überlegte und wohl formulierte Bemerkungen über die Ereignisse in der Silvesternacht und die daraus folgende Debatte.

Er habe sich „unheimlich aufregt“ über die Äußerungen von einigen Politikern, „die gleich den Schuldigen gefunden haben! Die Polizei!“ schreibt Mohr, dessen Eintrag am Mittwochnachmittag schon mehr als 150.000 Mal geliked und gut 96.000 Mal geteilt wurde auf Facebook. Der Gewerkschafter verweist auf den Personalabbau bei der Polizei in den vergangenen Jahren. „Und bitte liebe Politik! Hört auf den Bürgerinnen und Bürgern hier eine heile Polizeiwelt zu verkaufen. Polizisten sind nur ,verfügbar’ wenn sie auch tatsächlich vorhanden sind.“

„Keine pauschalen Vorverurteilungen“

Doch Mohrs Kritik an der Politik ist damit nicht am Ende: „Sich vor die Kameras zu stellen und gleich mal klarstellen, obwohl die Ermittlungen noch andauern, dass die Täter nicht aus den Reihen der Flüchtlinge oder Asylbewerber stammen, ist nicht gerade professionell und nicht belegt“, so der erfahrene Beamte . Und weiter: „Auch ich gebe nichts auf schnelle und pauschale Vorverurteilungen, weil mir in erster Linie egal ist, welche Personengruppe die Frauen sexuell bedrängt, verletzt und beraubt hat. Hier geht es mehr um eine Verletzung der Rechtsnormen und massive Straftaten gegen Menschen.“

Hintergrund dieser Bemerkungen Mohrs sind offenbar die Einlassungen zahlreicher Politiker in den letzten Tagen, die Ereignisse von Köln, Hamburg und Stuttgart nicht mit der Flüchtlingsdebatte zu vermischen. Betroffene der Übergriffe hatten die Täter aufgrund ihres Aussehens dem arabischen oder nordafrikanischen Raum zugeordnet.

„Also liebe Politik“, schließt Mohr seinen Eintrag. „Bevor man erneut die Polizei wieder voreilig als ,Sündenbock’ ausgewählt hat, wäre ein sachorientiertes und auf Fakten basierendes Handeln angebrachter. Die Bürgerinnen und Bürger schauen derzeit auf Sie, die Politik, wie Sie mit der Situation umgehen werden!“