In Hamburg verdienen Praktikanten am meisten

Arbeitgeber zahlen im Schnitt 771 Euro im Monat in Deutschland

Berlin. Fast neun von zehn Praktikanten (86 Prozent) in Deutschland sind mit ihrem Praktikum zufrieden. Dies ist eines der überraschenden Ergebnisse des aktuellen „Clevis-Praktikantenspiegels 2015“. Mehr als 7500 Studierende und Hochschulabsolventen hatten sich in den vergangenen Monaten an der Umfrage beteiligt.

Zeiten, in denen Praktika nicht bezahlt wurden, sind demnach vorbei – 95 Prozent der Beschäftigungsverhältnisse werden inzwischen vergütet. Praktikanten im Baugewerbe erhalten mit einem monatlichen Bruttogehalt von durchschnittlich 1015 Euro am meisten. Auch in Unternehmensberatungen (920 Euro) und in der Finanzbranche (888 Euro) wird laut der Studie gut bezahlt. Das Schlusslicht bildet wie so oft das Gesundheitswesen. Hier liegt das Durchschnittsgehalt von Praktikanten gerade einmal bei 488 Euro.

Im Durchschnitt erhält ein Praktikant hierzulande 771 Euro im Monat. Den seit Anfang Januar geltenden gesetzlichen Mindestlohn muss es aus Sicht der Betroffenen übrigens nicht unbedingt geben – 64 Prozent der Befragten empfinden ihre Vergütung im Verhältnis zu ihrer Leistung als durchaus angemessen.

Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, dass mehr als 30 Prozent der Befragten mit ihrer Vergütung nicht zufrieden sind. Durch das neue Mindestlohngesetz sollen Praktikanten seit Beginn des Jahres bei einer 40-Stunden-Woche etwa 1470 Euro im Monat verdienen. Damit würde sich das derzeitige Durchschnittsgehalt annähernd verdoppeln.

Inwiefern die Einführung des Mindestlohns tatsächlich eine Veränderung bewirken wird, bleibt jedoch abzuwarten. Denn nur wer freiwillig länger als drei Monate hospitiert, erhält einen Mindestlohn von stündlich 8,50 Euro. Auch für unter 18-Jährige ohne Berufsabschluss, Auszubildende und Studenten mit Pflichtpraktika gilt der Mindestlohn nicht.

Bundesweite Umfrage unter 7500 Studierenden und Uni-Absolventen

Die Studie zeigt auch regionale Unterschiede auf. In den Stadtstaaten Hamburg und Bremen sowie in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen zahlen Arbeitgeber am besten. Hier liegt das durchschnittliche Praktikanten-Gehalt über dem Bundesdurchschnitt. Die neuen Bundesländer sind nach wie vor Schlusslichter bei der Praktikantenentlohnung – hier werden Gehälter unter 650 Euro gezahlt.

Für das durchschnittliche Praktikum nimmt sich mehr als die Hälfte der Befragten mindestens sechs Monate Zeit. Dann sind sie meist zwischen 23 und 25 Jahre alt und arbeiten 38 Stunden in der Woche. 42 Prozent der Nachwuchskräfte leisten Überstunden. Je höher die Arbeitszeit, desto unzufriedener ist die Generation Praktikum mit ihrer Work-Life-Balance.

95 Prozent der Befragten ist es wichtig, Arbeits- und Privatleben vereinbaren zu können. Am schwersten haben es die sogenannten Young Professionals dabei in Unternehmensberatungen und in der Gastronomie. Hier arbeiten sie durchschnittlich 43 Wochenstunden. Überraschend: Nur 51 Prozent der Befragten sind bereit, für die Zeit des Praktikums in eine andere Stadt zu ziehen. Lediglich 15 Prozent der Praktika finden im Ausland statt. Und nur jeder Zehnte angehende Jurist absolviert ein Praktikum außerhalb Deutschlands.

Immerhin 82 Prozent der Befragten würden ihren jeweiligen Arbeitgeber weiterempfehlen. So stellte sich heraus, dass Studierende und Berufsanfänger Unternehmen bevorzugen, die ihnen glaubhaft vermitteln können, dass sie ihnen Raum für fachliche Weiterentwicklung bieten können.

Dabei zeigt sich, dass ein positives Markenimage nicht notwendigerweise ein Garant für einen attraktiven Arbeitgeber ist. So weisen BMW, Bosch und Volkswagen zwar Spitzenwerte im Markenimage auf, fallen in der Umfrage – was ihre Arbeitgeberqualitäten angeht – hinter andere Unternehmen zurück.