Gauck appelliert: „Fürchtet euch nicht!“

In seiner Weihnachtsansprache ruft der Bundespräsident zu Mitgefühl für Flüchtlinge auf

Berlin. Bundespräsident Joachim Gauck hat in seiner Weihnachtsansprache zu Mitgefühl mit den nach Deutschland kommenden Flüchtlingen aufgerufen. „Dass wir mitfühlend reagieren auf die Not um uns herum, dass die Allermeisten von uns nicht denen folgen, die Deutschland abschotten wollen, das ist für mich eine wahrhaft ermutigende Erfahrung dieses Jahres“, sagte Gauck in seiner Ansprache, die am ersten Weihnachtstag ausgestrahlt wird (ZDF 19.08 Uhr; ARD 20.10 Uhr). „Ein deutliches Zeichen für die Menschlichkeit sehe ich darin, dass es mittlerweile so viel Bereitschaft gibt, Flüchtlinge aufzunehmen“, sagte Gauck. Es gehe darum, dass „wir Bedrohten Frieden und Verfolgten Schutz bieten“.

Denjenigen, die sich durch die Entwicklung in der Welt beunruhigt fühlten, wolle er zurufen: „Fürchtet euch nicht!“, sagte der Bundespräsident. Es gehe darum, Ängste ernst zu nehmen, aber nicht, ihnen zu folgen: „Mit angstgeweiteten Augen werden wir Lösungswege nur schwer erkennen.“ Wer sich den Herausforderungen stelle, der „findet auch Lösungen“.

Gauck würdigte Menschen, die sich für mehr Mitmenschlichkeit einsetzen. Als Beispiele nannte er einen Verein in Magdeburg, der sich um minderjährige Flüchtlinge kümmert, Helfer, die in den Ebola-Gebieten Westafrikas tätig sind, aber auch „die vielen, die sich heute in der Nachbarschaft, im Krankenhaus oder im Heim um Mitmenschen kümmern“. Sie alle zählten zu denen, die „aus dieser Welt und aus unserem Land einen besseren Ort machen“.

„Deutschland ist beliebt wie nie, und Fußball-Weltmeister sind wir auch“

Der Bundespräsident nutzte die Ansprache auch zu einem Aufruf zum friedlichen Miteinander. Zwar sei Deutschland heute ein Land des Friedens, „zugleich blicken wir aber zurück auf ein Jahr voller Friedlosigkeit, auf Kriege, Bürgerkriege, Terror und Mord, sogar unter Berufung auf die Religionen“, verwies er auf die Konflikte weltweit. „Wo wir dazu beitragen können, dass Frieden erhalten oder gestiftet, dass Leid gelindert und eine bessere Zukunft gebaut werden kann, sollten wir alles tun, was in unserer Macht steht“, sagte Gauck.

Er erinnerte auch an Anlässe zur Freude im Jahr 2014: „Deutschland hat mehr Arbeit als je zuvor, es ist im Ausland beliebt wie nie, und Fußball-Weltmeister sind wir auch.“