Gedenken an Kriegsopfer

Gauck und von der Leyen legen Kränze nieder. Avi Primor würdigt deutsche Erinnerungskultur

Berlin. Zum Volkstrauertag ist am Sonntag in Berlin der Toten beider Weltkriege und der Opfer des Nationalsozialismus gedacht worden. Bundespräsident Joachim Gauck und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) legten an der Gedenkstätte der Bundesrepublik am Boulevard Unter den Linden Kränze nieder.

An der Zeremonie nahmen auch der Bundesverfassungsrichter Ferdinand Kirchhof, Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) als amtierender Bundesratspräsident und Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) teil.

Bereits am Morgen hatten Bundeswehr-Vertreter und der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus, Kränze auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee niedergelegt.

Am Tag zuvor hatte die Verteidigungsministerin in Schwielowsee bei Potsdam den „Wald der Erinnerung“ eröffnet. Die Gedenkstätte ist den mehr als 3200 im Bundeswehrdienst verstorbenen Soldaten und zivilen Beschäftigten gewidmet. Im Beisein des Bundespräsidenten sprach von der Leyen von einem „Ort der Besinnung“. Zwar könne kein Denkmal „je ein Trost sein für den Verlust geliebter Menschen“. Wichtig sei aber, „dass wir nicht vergessen“, sagte sie vor 650 Gästen. Auch der in Auslandseinsätzen getöteten Soldaten verbündeter Armeen werde gedacht.

Der ehemalige israelische Botschafter Avi Primor lobte die Deutschen am Sonntag für ihre Auseinandersetzung mit der Geschichte. In der Erforschung des eigenen Gewissens seien sie weltweit ein Vorbild, sagte er während der Gedenkstunde des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Berlin. In Denkmälern sei die „Erinnerung an die eigene nationale Schande“ verewigt worden. „Das haben bis heute nur die Deutschen getan“, so der 79-Jährige.

Volksbund-Präsident Markus Meckel rief dazu auf, der Realität ins Auge zu blicken, dass auf Soldatenfriedhöfen oft Täter und Opfer nebeneinander begraben sind – „überzeugte Nazis wie ihre Gegner“. Es gehöre zu den Grundüberzeugungen in einem Rechtsstaat, dass auch der Straftäter seine Würde als Mensch nicht verliere.

Hamburgs Bischöfin Kirsten Fehrs rief dazu auf, auch angesichts von Terror und Gewalt die eigenen Werte zu bewahren. „Wir müssen und wir können dem Terror eine Haltung entgegensetzen, auch jenseits jeder Diskussion um Waffenlieferungen“, sagte sie am Sonntagabend nach einer Lichterprozession bei einer Gedenkveranstaltung für die vier Lübecker Märtyrer im Hamburger Michel. Dazu gehörten der Glaube und „unerschütterliche Friedensvisionen“.

Mit der ökumenischen Feier erinnerten die evangelische Nordkirche und das Erzbistum Hamburg an die katholischen Kapläne Hermann Lange, Eduard Müller und Johannes Prassek sowie an den evangelischen Pastor Karl Friedrich Stellbrink aus Lübeck. Die Männer kritisierten in Predigten und Gesprächen das NS-Regime. Sie wurden am 10. November 1943 in Hamburg hingerichtet. Die Gedenkfeier findet regelmäßig um den Todestag der Lübecker Märtyrer statt.