Berlin

Wulff attackiert die Medien

Der Ex-Bundespräsident beklagt „Verrohung und Diffamierung“ – und fordert neue Regeln

Berlin. Der frühere Bundespräsident Christian Wulff hat eine Überarbeitung der Regularien des Presserats gefordert. Auswüchse in der Berichterstattung ließen sich so im Interesse des Ganzen strenger ahnden, sagte Wulff dem „Spiegel“. Die Medien müssten sich immer wieder kritisch fragen, ob sie mit ihrer großen Macht auch verantwortungsvoll und korrekt umgingen. „Was ich beklage, ist die Verrohung des Diskurses, diese ganze Häme, mit Diffamierung und Denunziationen“, sagte Wulff, der 2012 nach einer durch Medienberichte ausgelösten Affäre über die angebliche Annahme von Vorteilen als Bundespräsident zurückgetreten war. Ein Korruptionsprozess in Hannover endete mit einem Freispruch für Wulff.

Journalisten hätten ein Zerrbild seines Charakters gezeichnet und Niederträchtigkeiten publiziert, sagte Wulff in dem äußerst kontrovers geführten Gespräch mit dem „Spiegel“. Hier sei „eine Art Meinungskartell“ am Werk gewesen, klagte er.

Die Gründe, mit denen ihn Medien zum Rücktritt gezwungen hätten, seien andere gewesen als die vorgeschobenen: „Ich war einigen mächtigen Medienschaffenden zu unbequem geworden.“ Den einen sei seine Äußerung, dass der Islam inzwischen zu Deutschland gehöre, ein besonderes Ärgernis gewesen, andere hätten ihm seine Kritik an den Banken und an der katholischen Kirche verübelt.

Massiv ging das Ex-Staatsoberhaupt auch das Nachrichtenmagazin selbst an: „Ich halte einige Titelseiten des ‚Spiegel‘ für absolute Entgleisungen, zum Beispiel mit der Zeile ,In Amt und Würden‘ – wo dann ,Würde‘ durchgestrichen war. Ich finde, dafür sollten sich die Verantwortlichen schämen.“ Wulff beklagte zudem mangelnde Unterstützung seitens der Politik. Anders als früher sei diese nötig, weil auch ein Bundespräsident heute im politischen Meinungskampf stehe.

Selbstkritisch räumte der 55-Jährige ein, dass er es im privaten Bereich bisweilen an Fingerspitzengefühl habe fehlen lassen, etwa bei seinem Ferienaufenthalt im Haus des befreundeten Unternehmers Carsten Maschmeyer. Ein Bundespräsident sollte Distanz wahren, sagte Wulff. „Und diese Distanz war bei diesem Urlaub, obwohl ich ihn selbst bezahlt habe, nicht gewahrt. Aber wenn Sie solche Maßstäbe an Politiker so unbarmherzig und rigoros anlegen, dann können Sie sich Politiker künftig im Kloster ausleihen.“