Linke-Chefin kämpft um ihren Ruf

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Michael Fischer

Katja Kipping steht wegen ihres Führungsstils in der Kritik – und wittert eine Kampagne gegen sich

Berlin. „Komische Oper“ heißt das Hinterzimmer eines Restaurants im Berliner Regierungsviertel, in das Katja Kipping eingeladen hat. „Schmierenkomödie“ würde besser zu dem Thema passen, über das die Linke-Chefin reden möchte. Kipping fühlt sich schlecht behandelt, ja angefeindet – auch von Parteifreunden. Medial läuft es gar nicht gut für die 36-Jährige. „Katja, die Grobe“, lautete vor zwei Wochen eine Schlagzeile des „Spiegels“. „Die schmerzhafte Entzauberung der Linke-Chefin“ schrieb die „Welt“.

Vor wenigen Wochen wurde Kipping noch für die Befriedung der Partei gefeiert, die vor zwei Jahren nach einem erbitterten Machtkampf am Abgrund stand. Auf dem Parteitag im Mai bestätigten die Delegierten sie und Riexinger mit satten Ergebnissen im Amt. Aber schon wenige Stunden später wendete sich das Blatt. Viele Delegierte nahmen dem Führungsduo übel, dass es bei der Wahl des Schatzmeisters Partei ergriff gegen Amtsinhaber Raju Sharma. Der warf Kipping eine Intrige vor. Sie begründete ihr Verhalten mit einem „problematischen Kommunikationsverständnis“ Sharmas.

Schwerer wiegt der Vorwurf, Kipping habe sich mit der Vize-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht verschworen, um Gregor Gysi die alleinige Fraktionsführung zu nehmen und eine Doppelspitze zu installieren. Kipping dementiert: Eine Veränderung an der Fraktionsspitze vor dem Ende der laufenden Amtszeit Gysis im Herbst 2015 wäre „politisches Harakiri“. Dann ist da aber noch dieses Papier zu den „personellen No-Gos“ in der Bundestagsfraktion, von dem der „Spiegel“ behauptet, dass es aus ihrem Vorstandsbüro stammen soll. „Die Fraktion darf nicht zur ,Reste-Rampe‘ der Abgewählten oder Rausgeschmissenen werden“, heißt es darin. Drei Vertreter des Reformflügels, die keine Fraktionsposten erhalten sollen, werden namentlich genannt.

Kipping sagt, sie habe von dem Papier erst aus den Medien erfahren. Gegen den „Spiegel“-Bericht hat sie juristische Schritte eingeleitet. Zudem soll Bundesgeschäftsführer Matthias Höhn ermitteln, woher das Schreiben stammt. Ein Ehrenkodex soll dafür sorgen, dass so etwas nicht wieder passiert. Überraschend bricht die Führungsdebatte nicht aus. Zwischen Reformern und Kipping knirscht es schon länger. Vor einem Jahr tauchte ein Liederbuch von Anhängern des Reformers Dietmar Bartsch mit dem Titel „Bartschismo o muerte (Bartschismus oder Tod)“ auf. Darin finden sich Parolen gegen die Chefin. Die Lieder sollen auf einem Parteitreffen gesungen worden sein.

Die Debatte erinnert an die Zeiten der innerparteilichen Intrigen. Es herrsche ein „Klima der Angst und der Denunziation“, schreibt die Abgeordnete Halina Wawzyniak in der Online-Ausgabe des „Cicero“. Sie steht auf der ominösen No-Go-Liste und trat daher als stellvertretende Parlamentarische Geschäftsführerin zurück. Für Kipping sind es die bisher schwersten Tage ihrer politischen Karriere, in der es lange nur steil bergauf ging. Sie kämpft um ihren Ruf – und hofft auf ein glimpfliches Ende. „Vielleicht sind die Angriffe ja Geburtswehen für etwas Neues, worin ja auch eine Chance läge“, sagt sie.

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