Lothar de Maizière: „Dummheit kann auch wehtun“

Berlin. Der letzte DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière weiß die Freiheit auch 25 Jahre nach dem Mauerfall zu schätzen. „Ich kann mir die Noten von Strawinsky und Hindemith kaufen und muss sie mir nicht abschreiben, weil sie als Formalisten galten und verboten waren“, sagte der Anwalt und Hobbymusiker der „Berliner Zeitung“. Seine Enkel könnten ein freiwilliges soziales Jahr in Argentinien oder Ghana machen. „Das ist für mich der Zugewinn“, sagte der 74-Jährige. Die Menschen seien aber heute auch frei, jede Dummheit zu sagen. „Das kann auch wehtun.“

Das langjährige Mitglied der Ost-CDU wurde nach dem Mauerfall blitzartig in die Weltpolitik gespült. Er war an der Aushandlung des Zwei-plus-vier-Vertrags beteiligt, der die Nachkriegsära in Deutschland beendete und den Weg für die Wiedervereinigung freigemacht hat. Als erster frei gewählter DDR-Ministerpräsident führte de Maizière dann auch die Ostdeutschen in die Einheit. Im Herbst 1991 legte der Stellvertreter von CDU-Chef Helmut Kohl und Minister für besondere Aufgaben nach Querelen mit der Bundes-CDU alle Ämter nieder. Er soll unter dem Decknamen „Czerni“ mit der Stasi zusammengearbeitet haben. Er habe den Ausstieg nie bereut, schrieb de Maizière später.