Inspektionen

Schulfach Schiffe durchsuchen

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In Hamburg üben Marinesoldaten, worauf sie bei Inspektionen auf hoher See achten müssen.

Hamburg. Rote Warnwesten und darunter gefleckte Tarnkleidung, das ist ein Widerspruch. Doch bei ihrem Training im Hamburger Hafen müssen auch Marinesoldaten die üblichen Sicherheitsvorschriften beachten. Und denen zufolge muss jeder auf Umschlaganlagen oder an Deck von Schiffen Warnwesten und Schutzhelme tragen. Auch Soldaten während einer Schulung. Das gute Dutzend Männer ist zusammen mit seinen Ausbildern aus Eckernförde angereist, um zwischen Seemannshöft und O’Swaldkai Schiffstypen kennenzulernen. Und zwar nicht von außen, wie Touristen von einer Barkasse aus, sondern unmittelbar, mit dem Eindruck von Ecken und Winkeln, Rohrleitungen, engen Gängen, schmalen Treppen und mit aller Unübersichtlichkeit.

Die Männer gehören zur Boardingkompanie der Deutschen Marine. Nach Abschluss der Ausbildung wird ihre Aufgabe sein, sich von Hubschraubern auf die Decks von Schiffen abzuseilen oder von Speedbooten aus aufzuentern, um sie beispielsweise in Seegebieten zu kontrollieren, über die ein Embargo verhängt wurde. Daher ist es wichtig, dass die Marinesoldaten unterschiedliche Handelsschiffstypen kennen. Für diese Ausbildung kommen sie bevorzugt in den Hamburger Hafen, denn hier werden nicht nur Container verladen, sondern auch Massengüter umgeschlagen, Flüssigkeiten umgepumpt oder rollende Ladung über Rampen gerollt. Deshalb gibt es in Hamburg so viele unterschiedliche Schiffstypen wie in kaum einem anderen deutschen Hafen. Die Ausbilder sind Seeleute aus der Handelsschifffahrt, die nun als Reserveoffiziere ihre Erfahrung weitergeben. Sie zeigen beim Rundgang vom Maschinenraum bis zum Peildeck, an wie vielen Stellen sich Menschen und Konterbande verstecken lassen.

Seeleute sind erfinderisch, wenn es darum geht, Vorschriften zu umgehen

„Auf einem Massengutschiff können sie einen kompletten Panzer mit einer Getreideladung zuschütten, das ist bei einer Kontrolle nur schwer zu entdecken“, sagte Hartwig Ross vom Marinekommando, der die Übung leitet. Auch er hat Erfahrung als Offizier in Marine und Handelsschifffahrt. Auf Marineschiffen können sie das nicht lernen, zu unterschiedlich sind die Bauarten. Auf der Kommandobrücke lernen die jungen Männer, wie man Schiffspläne liest, welche Schiffspapiere vorhanden sein müssen und welche Rückschlüsse man daraus ziehen kann. Zwischendurch mischen sich die Ausbilder mit Hinweisen ein. Denn Seeleute sind erfinderisch, wenn es darum geht, Vorschriften zu umgehen. Die Marineoffiziere als Fahrensleute kennen diese Tricks und geben sie weiter. Das hilft den Boardingsoldaten bei Durchsuchungen.

Zwischendurch ermuntern die Ausbilder die Soldaten immer wieder, den Kontakt zu den Mannschaften zu suchen und sie auch zu ihrem Alltag an Bord zu befragen. Obgleich sie Englisch sprechen, erfahren sie so, wie unterschiedlich diese Sprache von Besatzungen aus verschiedenen Nationen ausgesprochen wird. Wenn an Bord alles korrekt ist, dann beschleunigt Offenheit die Kontrolle, und das Schiff kann ohne Zeit – und damit auch ohne Geldverlust – seine Fahrt fortsetzen. Es kann auch sein, dass Leben und Freiheit der Seeleute vom Einsatz der Soldaten abhängen. Wenn sie von Terroristen oder Piraten als Geiseln genommen werden, dann ist es zwar die Aufgabe von Spezialkräften der Polizei, sie zu befreien. Aber die Boardingteams mit ihrer Erfahrung unterstützen sie dabei.