Grüne blamieren sich mit Online-Kandidatur

Berlin. Basisbeteiligung ist das Zauberwort, das die Grünen aus dem Stimmungstief holen sollte. Diesmal wurden nicht nur die eigenen Parteimitglieder befragt, das haben ja andere wie die SPD schon längst nachgemacht. Nein, diesmal wollten die Grünen alle Europäer ab 16 Jahren im Internet abstimmen lassen, egal ob Parteimitglied oder nicht. Und zwar über die Frage, wer als Spitzenkandidaten-Duo zur Europawahl Ende Mai antreten soll.

Zwar werden erst am heutigen Mittwoch die Sieger vorgestellt. Aber schon jetzt steht fest: Die äußerst geringe Wahlbeteiligung bei der europaweiten Online-Abstimmung über das Grünen-Spitzenkandidaten-Duo bestätigt die schlimmsten Befürchtungen der Parteistrategen. Nur rund 20.000 Menschen aus ganz Europa haben sich für die Grünen-Vorwahlen interessiert und ihre Stimme abgegeben. Die geringe Beteiligung gilt bei den Grünen hinter den Kulissen als herbe Niederlage. Noch vor dem Start der europaweiten Abstimmung war parteiintern die 100.000-Stimmen-Marke als Zielvorgabe ausgegeben worden.

Das geringe Interesse dürfte mehrere Ursachen haben: Zum einen stecken die Grünen in ihren bisher wichtigsten europäischen Hochburgen in der Krise – in Deutschland nach der klaren Niederlage bei der Bundestagswahl und in Frankreich nach parteiinternen Querelen. Hinzu kommt, dass der prominenteste Vertreter der Europäischen Grünen Partei, Daniel Cohn-Bendit, nicht wieder antritt. Stattdessen bewarben sich weithin unbekannte Grüne: Aus Deutschland trat Rebecca Harms an, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Europäischen Parlament, sowie die 31-jährige Europaabgeordnete Franziska Keller, die von den Jugendorganisationen der Grünen in Europa unterstützt wird. Aus Italien kandidierte Monica Frassoni, Chefin der Europäischen Grünen Partei, und aus Frankreich José Bové, Bauernfunktionär und Gründungsmitglied der Organisation Attac.