Sympathiepunkte für Schäuble in Davos

Der Bundesfinanzminister verteilte großzügig Lob an Kriseneuropa. Kritik an Deutschlands Exportüberschüssen wies er zurück

Davos. Für den großen Saal im Kongresszentrum von Davos hat es nicht gereicht. Der deutsche Finanzminister musste stattdessen im Raum Aspen 1 auftreten. In den passten nur einige Dutzend Vertreter der globalen Wirtschaftselite. Der prominente Auftritt blieb Schäuble also verwehrt. Aber jene, die den Weg zu Aspen 1 fanden, erlebten einen gut aufgelegten deutschen Kassenwart. Der verteilte großzügig Lob an Kriseneuropa. Und ließ sich spontan zu ein paar flapsigen Sprüchen hinreißen, die wenig gemein hatten mit der sonst so oft zu beobachtenden schäubleschen Bärbeißigkeit.

In den vergangenen drei Jahren war Kanzlerin Angela Merkel auch selbst nach Davos gereist, um bei den dort versammelten Unternehmern und Spitzenmanagern um Vertrauen zu werben. Dieses Mal sind nur Schäuble vor Ort und der neue Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) – wobei Letzterer keinen einzigen öffentlichen Auftritt im Programm hatte. So wenig Deutschland war lange nicht in Davos. „Wir sind jetzt in einer etwas eigenartigen Situation gewesen“, sagte Schäuble zur Erklärung. Die neue Bundesregierung sei erst kurz vor Weihnachten vereidigt worden. Und dann habe die Kanzlerin „nicht weit von hier“ einen Skiunfall gehabt. „Dafür“, so der Minister schmunzelnd, „kann die Schweiz nichts“ – ein Lacher. Er bitte um Verständnis, „dass wir nur zweitklassige Vertreter hierher entsenden konnten“ – nächster Lacher.

Viele Griechen machen Berlin für die harten Sparauflagen verantwortlich

Nicht nur die Schweiz schonte Schäuble, sondern auch Frankreich. Das „ist und bleibt ein starkes Land“, so der Minister. „Was wir gar nicht machen, ist, dass wir uns Zensuren gegenseitig erteilen“, sagte er – nur um sich gleich ein paar Sätze weiter selbst zu widerlegen. „Der französische Präsident hat jetzt die notwendigen Entscheidungen getroffen“, erklärte Schäuble zu den geplanten Wirtschaftsreformen von François Hollande. Auch Italien bekam Lob. „Ich bin bei Italien ganz optimistisch“, es sei „auf einem guten Weg.“ Das liege nicht zuletzt an Finanzminister Fabrizio Saccomanni.

Und dann war da noch Griechenland. „Natürlich ist Griechenland mit Abstand das schwierigste Land“ in der Euro-Zone, so Schäuble. Aber man müsse auch „Respekt“ haben vor den Griechen und den Politikern, die die verordneten Reformen verantworten müssen. „Ich wollte das in Deutschland nicht durchsetzen müssen“, sagte der Minister. „Vor zwei Jahren war das griechische Glas ziemlich leer.“ Jetzt dagegen sei es „gut zur Hälfte gefüllt“. Man müsse nur „den Griechen wieder und wieder erklären, dass sie auf dem richtigen Weg sind“. Frankreich, Italien, Griechenland – bei der Euro-Rettung gibt es Schäuble zufolge Grund für Zuversicht. „Wir sind noch nicht über den Berg“, erklärte der Minister mit Blick auf die Euro-Krise, „aber schon auf der Höhe von Davos“, das gut 1500 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Viele Griechen sehen Berlin als Hauptverantwortlichen für die harten Sparauflagen der internationalen Geldgeber.

Auch Deutschland sei gut unterwegs: „Wir sind auf einem guten Weg, die Energiewende bei allen Schwierigkeiten so voranzubringen, dass die Wettbewerbsfähigkeit nicht leidet.“ Zur Debatte um die hohen Exportüberschüsse erläuterte er, dass erstens das Problem gelöst werde und es zweitens gar kein Problem gebe. „Wir korrigieren unsere Ungleichgewichte.“ Und: „Wir tragen unseren internationalen Verpflichtungen Rechnung.“ Den Vorwurf, Deutschland sei zu wettbewerbsfähig und schädige damit Drittländer, wies Schäuble zurück.