Die Unbekannte auf dem neuen Euro

Mit dem Beitritt Lettlands zur Währungszone kommen neue Münzen und Scheine auch zu uns

Riga. Als 18. Land ist Lettland zum 1. Januar der Euro-Zone beigetreten. Ein Großteil der Vorarbeit wurde in den vergangenen sechs Monaten jedoch in Stuttgart und Karlsruhe geleistet. Denn mit dem Beitritt werden neue Euro- und Cent-Münzen in Umlauf gebracht, diese wurden alle in der Staatlichen Münze Baden-Württemberg geprägt.

Wie alle anderen Mitglieder der Euro-Zone darf auch Lettland die Rückseiten seiner Münzen frei gestalten. 400 Millionen solcher lettischer Münzen kommen nun in die Hände und Portemonnaies der Europäer. Das ist zwar nicht viel im Vergleich zu den 105 Milliarden Euro-Münzen, die bereits in Umlauf sind. Dennoch dürfte mancher bald ein Cent- oder Euro-Stück in Händen halten, das ihm unbekannt vorkommt.

Durch die Aufprägung „Latvija“ bzw. „Republika Latvijas“ ist immerhin die Herkunft klar erkennbar. Die Darstellungen auf den Cent-Münzen sind leicht als Wappen des Landes zu identifizieren. Die aufgehende Sonne darin symbolisiert die Eigenständigkeit des Landes, die drei Sterne darüber stehen für die drei historischen Landschaften Kurland, Livland und Lettgallen, die heute in Lettland vereint sind.

Mehr Rätsel gibt dem Laien die Darstellung auf den Ein- und Zwei-Euro-Münzen aus Lettland auf. Zu sehen ist eine junge Frau, gekleidet in der Tracht eines Bauernmädchens, die mit einem leichten Lächeln auf den Lippen nach rechts blickt. Dabei handelt es sich weder um eine Dichterin noch um eine Politikerin oder eine andere historische Persönlichkeit – obwohl ihr Geburtsjahr dennoch genau bekannt ist.

Dieses datiert auf das Jahr 1929. Damals war die erste lettische Republik gerade elf Jahr alt, als das Finanzministerium den Auftrag gab, eine Fünf-Lats-Münze zu prägen, auf der eine Frauengestalt die Freiheit und Unabhängigkeit des Landes symbolisieren sollte. So wie die Marianne für Frankreich oder die Germania für Deutschland steht.

Der Künstler Rihards Zariņš bekam den Auftrag, und er bat Zelma Brauere, eine Korrektorin bei der Staatlichen Münzprägeanstalt, Modell zu stehen. Es entstand „Milda“, eine Allegorie auf die lettische Nation, die es einige Jahre später auch auf den Sockel des Freiheitsdenkmals in Riga schaffte.

Hier hält sie drei Sterne empor, die – wie die Sterne auf dem Wappen – für die drei historischen Landschaften stehen. Milda blieb während der Zeit der Besatzung durch die Sowjetunion auf ihrem Sockel in Riga, wenn auch zum Verdruss der Moskauer Herrscher. Die Lats-Münzen dagegen verschwanden und wurden durch Rubel ersetzt. Mit der Unabhängigkeit und der Wiedereinführung des Lats 1993 kam Milda zurück, diesmal auf den Geldscheinen.

Sie zierte den Schein mit dem höchsten Wert, die Note zu 500 Lats. Diese war rund 700 Euro wert, der Lats war numerisch deutlich mehr wert als der Euro und in den vergangenen Jahren die wertvollste Währung Europas, teurer als das britische Pfund. Der 500-Lats-Schein war einer der wertvollsten Geldscheine der Welt. Nur in der Schweiz gibt es mit dem 1000-Franken-Schein (rund 815 Euro) und in Singapur und Brunei mit 10.000-Dollar-Noten (jeweils 5700 Euro) noch wertvollere.

Mit dem Beitritt Lettlands zur Euro-Zone ist der 500-Lats-Schein nun Geschichte. Milda ist künftig auf den Euro-Münzen in ganz Europa zu sehen. Begleitet wird sie auf dem Zwei-Euro-Stück vom Titel der Nationalhymne, eigraviert am Seitenrand: Dievs, svētī Latviju – Gott, segne Lettland.