Hans-Olaf Henkel zögert mit seinem Beitritt zur AfD

Tritt der ehemalige BDI-Präsident bei der Europa-Wahl an?

Kiel. Kandidiert er, oder kandidiert er nicht? Hans-Olaf Henkel macht es spannend. Man könnte auch sagen, er lässt die Alternative für Deutschland ganz schön zappeln. Denn die wartet nun schon seit Wochen auf ein öffentliches Bekenntnis des früheren IBM-Managers, ob er denn nun für die AfD in den Europawahlkampf zieht oder nicht. Henkel gehörte dem Gründerkreis der Wahlalternative 2013 an, aus dem die AfD schließlich hervorging. „Ich habe die AfD bereits per Briefwahl gewählt“, bekannte er auf einer Pressekonferenz mit führenden Repräsentanten der Alternative wenige Tage vor der Bundestagswahl in Berlin. Und schon da wurde erwartet, dass der Mann, dessen Herz früher für die FDP schlug, nun der neuen Partei betreten werde. Getan hat er es allerdings bis heute nicht.

Wer sich in der Partei umhört, erfährt, dass es in den Landesverbänden Bedenken gegen eine Kandidatur des früheren Präsidenten des Bundesverbandes der Industrie gibt. Kritisch wird von Anhängern der AfD im Internet jedoch immer auch Henkels Nähe zur Finanzindustrie erwähnt. Gemeint ist seine Tätigkeit für das Unternehmen Bank of America Merrill Lynch. Henkel repräsentiert das Deutschland-Büro der beiden nach der Finanzkrise des Jahres 2008 fusionierten Unternehmen. Damit ist er tatsächlich ein Exponent jener Branche, der vorgeworfen wird, aus der europäischen Schuldenkrise durch gezielte Spekulationen eine manifeste Finanzkrise gemacht zu haben.

Henkel selbst macht aus seinem Engagement für die US-Finanzindustrie ebenso wenig einen Hehl wie aus seiner Kritik an der Euro-Rettungspolitik. Von ihm stammt die Idee eines Nord- und eines Südeuro, weil die Volkswirtschaften der nördlichen und der südlichen Mitgliedstaaten zu unterschiedlich seien. Mit diesen Vorstellungen liegt er allerdings nicht auf AfD-Linie. Die plädiert zwar auch für eine „geordnete Auflösung des Euro-Währungsgebiets“, will in den Südländern aber die ursprünglichen Währungen als Parallelwährungen wieder einführen. Mit diesem Konzept ist Parteichef Bernd Lucke vor der Bundestagswahl durch die Talkshows getingelt.

Bei manchem in der Partei ist die Befürchtung groß, Henkel wolle die AfD nur als Bühne zur Selbstdarstellung nutzen, die ihm immer seltener geboten werde. Allzu lange kann Henkel mit seinen Plänen allerdings nicht mehr hinterm Berg halten. Denn im Januar entscheidet ein Bundesparteitag der AfD über die Europakandidaten.