AfD benötigt im Wahlkampf Polizeischutz

Autonome und Grüne Jugend gehen massiv gegen die Partei Alternative für Deutschland vor

Göttingen. Kaum hat der Bundestagswahlkampf begonnen, da scheint er für den Göttinger Kreisverband der Alternative für Deutschland (AfD) schon wieder vorbei zu sein. Der Grund sind massive Gewaltandrohungen gegen AfD-Mitglieder aus der linken Antifa-Szene. In den vergangenen Tagen wurden die Wände des Wohnhauses eines Kreisvorstandsmitglieds mit Benzin übergossen. Vorstands-Mitglieder des Kreisverbandes berichten von telefonischen Einschüchterungsversuchen. „Wenn du weitermachst, dann werden wir dich kaltmachen“, soll einem Beisitzer gedroht worden sein, sagt der Kreisvorsitzende Matthias Hans. Und auch dieser Satz sei gefallen: „Wenn du bei der AfD bleibst, dann werden wir dein Kind morgens zur Schule begleiten.“ Daraufhin habe der Beisitzer die Partei verlassen.

Polizist wurde von Faustschlag eines Demonstranten am Kopf getroffen

An den Autos mit AfD-Werbung würden Scheibenwischer abgebrochen. „Wir werden fotografiert und gefilmt, ein Gastwirt hat uns ausgeladen“, sagt Hans, der sämtliche Vorfälle dokumentiert und den Landesvorstand informiert hat. Zum Auftakt des Wahlkampfes hätten 40 Polizisten den Wahlkampfstand der Partei in der Göttinger Innenstadt vor linksautonomen Demonstranten schützen müssen.

Inzwischen sei für den Kreisverband ein Punkt erreicht, wo er aus Sorge um die AfD-Mitglieder und ihre Familien erwogen habe, den Wahlkampf abzubrechen. Linksautonome hatten im Internet zu Aktionen gegen die AfD aufgerufen. Dem Demonstrationsaufruf hatte sich auch die Grüne Jugend im Wahlkreis des Grünen-Spitzenkandidaten Jürgen Trittin angeschlossen. Ziel der Aktionen sei es, „rechte, rassistische, nationalistische, antisemitische und islamfeindliche Propaganda aus dem Bundestagswahlkampf aktiv herauszuhalten“, schreibt die Grüne Jugend auf ihrer Internetseite. Bei dem Einsatz zum Schutz des AfD-Wahlkampfstandes in der Göttinger Innenstadt wurde ein Polizist von einem gezielten Faustschlag eines Demonstranten am Kopf getroffen.

Vorstandsmitglied Rudolph soll auf einem Foto Hitlergruß zeigen

In Göttingen hat die AfD die Übergriffe detailliert dokumentiert. Demnach begannen die Aktionen der Antifa und der Grünen Jugend am Abend des 1. August, als sich die Mitglieder zu einem Stammtisch im Hotel Budapest in Duderstadt trafen. Bereits zu Beginn der Veranstaltung sollen sich fünf schwarz gekleidete Autonome vor dem Hotel aufgehalten haben. „Das ehemalige Vorstandsmitglied Klaas Otte kam aufgeregt in den Raum gestürmt, teilte mit, dass er mit uns nichts mehr zu tun haben wolle“, schreibt Hans. Vier Tage später habe Otte dann im Vorstand offiziell seinen Rücktritt erklärt und diesen mit rechtslastigen Äußerungen des 19 Jahre alten Vorstandsmitglieds Lennard Rudolph begründet. Der AfD-Kreisvorsitzende nimmt an, dass Ottes Entschluss auch mit einem auf der Internetseite der Göttinger Autonomen zu sehenden Foto zusammenhängt. Es zeigt einen Radfahrer, der die Hand zum Hitlergruß hebt. Die Göttinger Antifaschistische Linke International (A.L.I.) behauptet, bei dem Radfahrer handele es sich um Rudolph. Er selbst bezeichnet das Bild als Fotomontage, die Unbekannte auf sein Facebook-Profil hochgeladen hätten.

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