Diskriminierung in der Praxis allgegenwärtig

Bericht zeigt: Schule und Arbeitswelt tun sich schwer mit dem Abweichenden

Berlin. Die Bildungs- und Arbeitswelten werden vielfältiger. Das Bewusstsein dafür, dass etwa Unternehmen von möglichst unterschiedlichen Mitarbeitern profitieren, ist gewachsen. Manche haben sich sogar ein professionelles „Diversity Management“ zugelegt. Das soll dafür sorgen, dass Menschen unterschiedlichen Geschlechts, unterschiedlicher Hautfarbe, sexueller Neigung oder mit Behinderungen es weit bringen. In der Praxis ist Diskriminierung nach wie vor allgegenwärtig. In der Berufswelt findet diese häufig schon beim Zugang zum Job statt, wie der Bericht der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zeigt. Oft werden Bewerber abgelehnt, weil man ein „junges Team“ wolle, weil sanitäre Anlagen nicht für einen Rollstuhl ausgelegt seien oder ein fremd klingender Name die Bewerbung gleich bei den Absagen landen lässt.

Im Schulsystem ist der Zugang zu Regelschulen vor allem ein Problem von Kindern mit Behinderung. Mobbing-Erfahrungen machen dagegen nicht nur sie. Diese gehören zu den am häufigsten angezeigten Problemen. Zwar ist in den Schulen laut Studien ein Bewusstsein dafür vorhanden, dass die Schülerschaft mittlerweile sehr heterogen ist und man darauf entsprechend eingehen muss. Doch wird diese Heterogenität eher als Belastung und Herausforderung, nicht als Bereicherung aufgefasst. Dieses Bewusstsein bestimmt wohl das Sein vieler Schulen. Häufig mangle es an Wissen darüber, was als Diskriminierung zu gelten habe, bemängelt der Bericht. Gezielte Interventionen blieben deshalb aus.

So fühlt sich jeder vierte Schüler mit Migrationshintergrund diskriminiert. Sechs Prozent der Befragten mit einer Behinderung gaben an, eine Benachteiligung erlebt zu haben. Bei den sexuellen Minderheiten wurden lesbische und bisexuelle Frauen sowie Transgender befragt. Von ihnen gaben 72,6 Prozent an, schlechter beurteilt worden zu sein.

Häufigste Beschwerdeursache war die Ablehnung einer Bewerbung

Die Mehrzahl der Beratungsanfragen im Kontext Schule bei der Bundesstelle betrafen zwischen 2009 und 2012 die Themen ethnische Herkunft und Behinderung. Anders sieht es im Berufsleben aus. Hier entfällt die Mehrheit auf Alter (25,9 Prozent) und Geschlecht (25,5 Prozent). Rund 21 Prozent betrafen das Thema Behinderung. Sexuelle Identität und Religion spielten kaum eine Rolle. Die häufigste Ursache für Beschwerden war, dass Bewerber abgelehnt wurden (938 Anfragen).

Auch später am Arbeitsplatz kommt es zu Diskriminierung. Laut einer Umfrage der Beratungsstelle denkt ein Drittel aller Befragten, dass sie aufgrund des Alters aus dem Betrieb gedrängt werden.