Abrüstung ist ein Bombengeschäft geworden

Die Ächtung von Streubomben macht Munitionsvernichtung zum Millionenmarkt

Berlin. Die Maschinen laufen im Dreischichtbetrieb, rund um die Uhr. An sieben Tagen die Woche. Nur an Silvester und manchmal an Weihnachten gibt es in der Werksanlage in Pinnow in der Uckermark eine Pause. Sicherheitshalber. Schließlich geht es um sehr brisante Arbeit. In der Anlage der Firma Nammo Buck wird der Großteil der deutschen Streumunition auseinandermontiert und entsorgt. „Die Bundeswehr sorgt bei uns für eine gute Grundauslastung“, sagt Geschäftsführer Christoph Rüssel. Der 50-Jährige leitet den größten Deutschland-Standort des norwegischen Rüstungs- und Munitionskonzerns Nammo.

Die Norweger sind in Europa einer der führenden Anbieter im Spezialistengeschäft der Munitionsvernichtung. Besonderes Know-how haben die Skandinavier über ihren Deutschland-Standort bei sogenannter Clustermunition. Sie kann als Bomben abgeworfen sowie mittels Raketen oder Artilleriegeschütze verschossen werden. Damit lassen sich Flächen von der Größe eines Fußballfeldes mit einem Kleinbombenhagel, sogenannten Bomblets, abdecken. Doch nach Protesten von Waffengegnern wegen der Gefährdung der Zivilbevölkerung durch Blindgänger kam es 2008 zur internationalen Ächtung der Streubomben. 112 Länder ratifizierten inzwischen den Vertrag von Oslo. Gut 80 Nationen haben ihn bislang unterschrieben. Dazu gehören allerdings nicht die Großproduzenten USA, Russland und China.

Dagegen zählt Deutschland zu den ersten Abrüstern. Mehr als 51.000 Tonnen Streumunition mit mehr als 60 Millionen kleinen Bomblets gab es einst bei der Bundeswehr. Das meiste ist schon weg. Ende Juni waren bereits 80 Prozent der deutschen Clustermunitionsbestände beseitigt, teilt die Bundeswehr mit. „Das Ziel, die deutsche Streumunition bis Ende 2015 restlos zu beseitigen, hat weiterhin Bestand.“

Der Bund gab zwischen 2009 und 2012 jährlich durchschnittlich acht Millionen Euro für die Entsorgung diverser Munitionstypen aus. Bis 2015 sind jährlich etwa 7,5 Millionen Euro vorgesehen. „Die goldenen Zeiten für die Branche, als die Waffenbestände der NVA vernichtet wurden, sind vorbei“, sagt Nammo Buck Geschäftsführer Rüssel. Zur Auslastung seien daher Auslandsaufträge wichtig. So hat Nammo Buck jetzt von der Schweiz den Auftrag erhalten, rund 200.000 Streubombengeschosse zu vernichten. Selbst Japan lässt Streubomben hier entsorgen.

Neben Nammo sind auch Firmen wie Esplodenti Sabino (Italien) oder Faex (Spanien) in der Munitionsvernichtung tätig. Es ist ein Spezialistengeschäft. Der eine kann gut Sprengbomben, der andere Clustermunition oder Kleinmunition. Nummer eins im weltweiten Markt der Munitionsvernichter ist der börsennotierte US-Konzern General Dynamics.