Eigentümer sollen sich selbst sichern

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Martin Lutz

Innenminister fordern unter anderem besseren Aufhebelschutz für Türen und Fenster

Berlin. Alle vier Minuten wird in Deutschland eine Wohnung oder ein Haus aufgebrochen. Das dauert bei Türen und Fenstern, die nicht speziell verstärkt sind, meist nur zehn bis 20 Sekunden. Die Innenminister suchen nun nach Rezepten, mit denen sie den Trend zum Wohnungseinbruchdiebstahl stoppen können. Die neueste Idee hat der Vorsitzende der Innenministerkonferenz (IMK), Boris Pistorius aus Niedersachsen: Er plädiert dafür, dass die Bundesländer in ihren Bauverordnungen künftig Mindeststandards für den Einbruchschutz bei Neubauten vorschreiben. Damit will der SPD-Politiker die Hauseigentümer in die Pflicht nehmen. Die müssten dann besser gesicherte Türen und Fenster einbauen.

Der Vorschlag von Pistorius hat Gewicht, weil er Vorsitzender der Innenministerkonferenz von Bund und Ländern ist. Aber welche Mindeststandards soll es geben? „Vorgeschrieben werden könnten zum Beispiel ein besserer Aufhebelschutz für Türen und Fenster, abschließbare Griffe und Dreifachverriegelungen für Haustüren“, sagte Pistorius. Er kann sich auch vorstellen, dass die Hauseigentümer aufgrund des erhöhten Schutzes weniger für ihre Versicherungen zahlen müssten. „Darüber muss man mit den Versicherungskonzernen reden“, erklärt Pistorius. Er ist zudem offen für einen Vorschlag der Gewerkschaft der Polizei (GdP), die verbesserte steuerliche Anreize zur Sicherung der eigenen vier Wände fordert.

Die Polizeigewerkschaft kann sich auch ein Förderprogramm für den Einbruchschutz mit zinslosen Darlehen vorstellen. Doch für solche unkonventionellen Vorschläge reichte die Fantasie der Politiker bisher nicht. Stattdessen wird in den Bundesländern gespart. Viele Einbruchkommissariate wurden personell ausgedünnt. Die GdP macht Personalmangel für die Zunahme der Einbrüche verantwortlich. Vielerorts fehle der Polizei das Personal, um Einbrecher intensiv zu verfolgen. „Die schwächer werdende Präsenz der Polizei im öffentlichen Raum lädt Straftäter geradezu ein, in Wohnungen und Häuser einzudringen“, sagte der neue Bundesvorsitzende Oliver Malchow.

Pistorius wies das zwar zurück. Doch in der Praxis kann die Polizei bei solchen Alltagsdelikten oft nur noch machtlos zuschauen. Sie ist bloß noch eine Sammelstelle für die nächste Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS). Das Dossier für 2012 stellte IMK-Chef Pistorius am Mittwoch gemeinsam mit Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) in Berlin vor. Besonders auffällig: Die Zahl der Wohnungseinbrüche schnellte im vergangenen Jahr erneut in die Höhe – um 8,7 Prozent auf 144.117 Fälle. Bei diesem Delikt geht der Trend schon seit 2009 nach oben. Bezogen auf dieses Jahr beträgt die Steigerungsrate fast 30 Prozent.

Zugleich konnte nur jeder sechste Wohnungseinbruchdiebstahl aufgeklärt werden. Während die Aufklärungsquote bei der Gesamtkriminalität 54,4 Prozent beträgt, liegt sie bei dieser Straftat bundesweit nur bei 15,7 Prozent. Diese Quote halten Pistorius und Friedrich für viel zu niedrig. „Das ist eine Quote, mit der die Polizei in keinem Bundesland zufrieden ist“, sagte Friedrich. Er wies vor allem auf die seelischen Folgen für Opfer von Einbrüchen hin. „Etwa 70 Prozent haben seelische Probleme, weil in ihre Intimsphäre, in die Geborgenheit ihrer Wohnung eingedrungen wurde, sie auf den Kopf gestellt wurde und persönlich wertgeschätzte Gegenstände gestohlen wurden“, sagte Friedrich. Die Innenministerkonferenz soll jetzt gegensteuern. Eine hochkarätige Arbeitsgruppe entwickelt Gegenstrategien, um Täterstrukturen besser zu erkennen und sie künftig länderübergreifend sowie koordinierter bekämpfen zu können.

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