Statistisches Bundesamt

Zuwanderung: 28.800 Ausländer wurden zu Hamburgern

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Steigende Zahlen in der Hansestadt. Arbeitsministerin spricht von einem "Glücksfall". Zuwanderung hilft, den Bevölkerungsschwund zu verringern.

Berlin/Hamburg. Die Wirtschaftskrise in Europa macht Deutschland für Zuwanderer so attraktiv wie seit fast 20 Jahren nicht. Im vergangenen Jahr zogen 369.000 Menschen mehr nach Deutschland als von hier fortgingen. Das ist der höchste Wert seit 1995, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag mit. Vor allem Griechen, Italiener, Portugiesen und Spanier zieht es vermehrt nach Deutschland. Aus diesen Krisen-Ländern mit hoher Arbeitslosigkeit kamen unter dem Strich 68.300 nicht deutsche Zuwanderer: gut 80 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor.

So stieg die Zahl der Einwanderer aus Griechenland und Portugal um jeweils 43 Prozent, auch aus Italien kamen 40 Prozent mehr Menschen nach Deutschland als 2011. In absoluten Zahlen gemessen stammen die meisten ausländischen Zuwanderer allerdings nach wie vor aus Polen.

In Hamburg zeigt sich insgesamt ein ähnliches Bild. 32.412 Menschen - darunter 28.800 Ausländer - zogen im vergangenen Jahr in die Hansestadt. Das waren knapp 1400 mehr als 2011. Knapp 21.000 Menschen - unter ihnen 17.000 Zuwanderer aus dem Ausland - verließen die Stadt wieder.

"Es gibt eine Umlenkung in Europa weg von den traditionellen Zuwanderungsmagneten, die jetzt in der Wirtschaftskrise sind", sagte Herbert Brücker, einer der führenden Migrationsforscher in Deutschland, der Nachrichtenagentur Reuters. Deutschland entwickle sich zum Magneten für gut qualifizierte, junge Zuwanderer aus der EU, sagte auch die Vorsitzende des Sachverständigenrates für Integration und Migration, Christine Langenfeld.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) bezeichnete vor allem die neue Qualität der Zuwanderung als "Glücksfall. Das hilft unserem Land, macht es jünger, kreativer und internationaler." Auch die FDP wertete die Rekordeinwanderungszahlen als erstklassige Nachricht. Deutschland brauche aber über den binneneuropäischen Arbeitsmarkt hinaus "eine echte Willkommenskultur, um Talente aus der ganzen Welt konkret einzuladen und aktiv anzuwerben", sagte Johannes Vogel, arbeitsmarktpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion. Das Einwanderungsrecht müsse weiter modernisiert werden.

Deutschland verzeichnet erst seit 2010 wieder einen Überschuss zwischen Zu- und Fortzügen. Insgesamt kamen 2012 nach den vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamts 1,081 Millionen Menschen nach Deutschland, 712.000 verließen das Land. Arbeitsmarktexperten bewerten dies positiv: Zuwanderung trägt neben steigender Erwerbstätigkeit von Frauen und Älteren dazu bei, die Auswirkungen des Bevölkerungsschwundes auf den Arbeitsmarkt zu verringern.

So wirbt die Bundesagentur für Arbeit (BA) in den Krisenländern gezielt um Fachkräfte. "Wir werden nicht nur immer älter, sondern auch immer weniger Menschen", sagte BA-Vorstand Raimund Becker. "Wir brauchen daher eine Doppelstrategie: das inländische Potenzial besser ausschöpfen und gleichzeitig die gesteuerte Zuwanderung."

Ob die Einwanderer erwerbstätig sind, ergibt sich aus der Statistik nicht. Daten der Bundesagentur für Arbeit zeigen allerdings, dass auch die Beschäftigung von Arbeitnehmern aus den zehn EU-Beitrittsstaaten der Jahre 2004 und 2007 wie auch aus den Euro-Krisenstaaten Griechenland, Italien, Portugal und Spanien deutlich gestiegen ist.

( (HA) )

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