EU: Deutschland tut zu wenig gegen Menschenhandel

Brüssel/Berlin. Die EU-Kommission hat Deutschland und andere Mitgliedstaaten unter der Androhung von Sanktionen aufgefordert, den Kampf gegen den Menschenhandel zu verstärken. „Ich erwarte von allen Mitgliedstaaten, dass sie ihren Verpflichtungen nachkommen und die EU-Richtlinie gegen Menschenhandel ohne Verzögerung in nationales Recht übertragen“, sagte EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström. „Ich werde nicht zögern, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, damit das passiert.“ Dazu gehöre in letzter Konsequenz auch die Einleitung von Verfahren wegen Verstoßes gegen EU-Recht, stellte die Kommissarin klar.

In der Europäischen Union werden nach einem neuen Bericht mehr Menschen als Prostituierte oder Zwangsarbeiter ausgebeutet. Die offizielle Zahl der Opfer von Menschenhandel sei zwischen 2008 und 2010 um 18 Prozent von 6309 auf 9528 gestiegen. Die Zahl der verurteilten Menschenhändler ist von 1534 auf 1339 gesunken. Malmström kritisierte, dass erst sechs der 27 EU-Länder die Richtlinie umgesetzt hätten, Deutschland nicht. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, zu einem Gesetzentwurf des Justizministeriums gebe es unterschiedliche Vorstellungen in anderen Ministerien.