Morde der NSU

Gedenkstein für Dortmunder Opfer der NSU-Mordserie enthüllt

Bei der Enthüllung entschuldigte sich Oberbürgermeister Ullrich Sierau bei den Angehörigen für Fehler, die gemacht wurden.

Dortmund. In Dortmund erinnert seit Montag ein Gedenkstein an eines der zehn Opfer der Neonazi-Mordserie. „Zum Gedenken an Mehmet Kubasik. Ermordet am 4. April 2006 durch rechtsextreme Gewalttäter“, steht auf dem in der Dortmunder Nordstadt aufgestellten Stein. Der 39-Jährige hatte dort einen Kiosk betrieben. Die rechtsextreme Terrorzelle NSU soll zwischen 2000 und 2007 neun Kleinunternehmer türkischer und griechischer Herkunft sowie eine deutsche Polizistin ermordet haben. Neben Dortmund werden dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) Morde in Kassel, Nürnberg, Hamburg, München, Rostock und Heilbronn vorgeworfen.

Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) entschuldigte sich stellvertretend für die bei den Ermittlungen gemachten Fehler bei den Angehörigen. Die Morde seien zu lange nicht als Straftaten von Rechtsextremisten erkannt worden. Es seien auch falsche Anschuldigungen gegenüber der Familie gemacht worden. „Für das alles entschuldige ich mich“, sagte Sierau.

Die türkische Generalkonsulin Sule Özkaja äußerte sich besorgt zur Lage der türkischen Zuwanderer. Nachdem bekannt worden sei, dass rechtsextremistische Täter insbesondere Türken systematisch ermordet hätten, und der Staat leider wenig dagegen getan habe, sei die Stimmung nicht mehr ausgelassen. Die Zuwanderer würden eine Bedrohung spüren, die sie nicht mehr einschätzen könnten.

Dass hinter den Morden Neonazis stecken, war nach dem Tod von zwei NSU-Mitgliedern bekanntgeworden. Bei den Leichen von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt wurden die Dienstwaffen aus dem bislang letzten Mordfall von Heilbronn gefunden. Dort wurde eine Polizistin getötet und ein Kollege angeschossen. Die Männer wurden am 4. November 2011 nach einem Banküberfall tot in ihrem ausgebrannten Wohnmobil in Eisenach (Thüringen) gefunden. Die Ermittler gehen von Selbstmord aus. In Zwickau (Sachsen) ging an dem Tag die Wohnung, in der die beiden mit dem dritten Mitglied der Terrorzelle, Beate Zschäpe, gelebt hatten, ebenfalls in Flammen auf. Zschäpe sitzt in Untersuchungshaft und schweigt.

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