Vorwürfe gegen möglichen SPD-Kandidaten Steinbrück

Berlin. Der frühere Bundesfinanzminister und mögliche SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück steht unter Druck, weil er als Regierungsmitglied um millionenschwere Sponsorengelder für ein Schachturnier geworben hat. Steinbrück räumte ein, dass er 2006 nach Geldgebern für den Kampf des damaligen Weltmeisters Wladimir Kramnik gegen den Schachcomputer "Deep Fritz" gesucht habe. Er sehe darin nichts Ehrenrühriges, sagte er der "Süddeutschen Zeitung". CDU und FDP äußerten scharfe Kritik und sprachen von Amtsmissbrauch.

Laut einem "Focus"-Bericht bat Steinbrück die damaligen Chefs der bundeseigenen Konzerne Post und Telekom, Klaus Zumwinkel und Kai Uwe Ricke, um je bis zu einer Million Euro - in Schreiben mit dem Briefkopf des Finanzministers. Mehrere Aktienrechtsexperten sagten dem Magazin, Steinbrücks Bitte sei mit seiner Stellung als verantwortlicher Vertreter des Großaktionärs Bund nicht vereinbar gewesen. Laut "Focus" folgten Zumwinkel und Ricke dem Werben aber ohnehin nicht.

Derweil verdichten sich in der Diskussion über die SPD-Kanzlerkandidatur die Hinweise auf eine rasche Entscheidung. Nach Informationen des "Spiegels" soll sie spätestens am 24. November beim Parteikonvent in Berlin fallen. Die bisherige "Troika" aus Parteichef Sigmar Gabriel, Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und Ex-Finanzminister Peer Steinbrück soll im Herbst aufgelöst werden, schreibt das Magazin. Gabriel habe sich gegen eine Kandidatur entschieden. In der SPD-Zentrale in Berlin hieß es dazu gestern: "Alles Blödsinn." Steinbrück allerdings riet im "Spiegel": "Wir müssen uns jetzt Gedanken machen, wann wir den Kandidaten präsentieren."

( (HA) )