Studie beklagt niedrige Zahl von Akademikern

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OECD kritisiert außerdem überalterte Lehrerschaft. Ministerin Schavan wehrt sich

Berlin. Der Bildungsbericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat zu einer Kontroverse um den Bildungsstand in Deutschland geführt. Die Studie bescheinigt der Bundesrepublik zwar Fortschritte im Bildungswesen, besonders bei der frühkindlichen Bildung. Die Leiterin des OECD-Bildungsdirektorats, Barbara Ischinger, beklagte aber im internationalen Vergleich eine niedrige Akademikerquote und einen geringen Bildungsanstieg jüngerer Menschen im Verhältnis zum Bildungsniveau ihrer Eltern. 20 Prozent der 25- bis 34-Jährigen hierzulande sind höher gebildet als ihre Eltern. Im OECD-Schnitt haben aber 37 Prozent eine höhere Ausbildung als Vater und Mutter. "Bildung, Beschäftigung und Wohlstand sind eng miteinander verknüpft", sagte Ischinger. Die Bildungsschichten müssten dafür durchlässiger werden.

Positiv ist, dass die Quote der Schulabgänger ohne Bildungsabschluss in Deutschland von 2006 bis 2010 von acht auf 6,5 Prozent sank. Seit dem Jahr 2000 stieg der Anteil der Studienberechtigten eines Jahrgangs von 37 Prozent auf 49 Prozent im Jahr 2010. Dabei wuchs der Anteil der Frauen an der höheren Bildung deutlich an, besonders in den Ingenieursberufen. Insgesamt hätten sich die Bildungs- und Berufschancen der jungen Generation in Deutschland im Gegensatz zu den meisten OECD-Ländern trotz Finanz- und Wirtschaftskrise nicht verschlechtert.

Bei den Bildungsausgaben liegt Deutschland mit 10,5 Prozent aller öffentlichen Ausgaben und einem Anteil von 5,3 Prozent am Bruttoinlandsprodukt trotz Steigerungen weiter unter dem OECD-Durchschnitt. Dabei geht ein relativ großer Anteil der Mittel in die frühkindliche Bildung. Deutlich überdurchschnittlich sind Gehälter der Lehrer. Gleichzeitig zählt Deutschland zu den OECD-Ländern mit der ältesten Lehrerschaft. Mehr als die Hälfte der Lehrkräfte sind über 50 Jahre alt.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat die OECD scharf kritisiert. "Ich habe kein Verständnis dafür, dass die OECD auch in diesem Jahr wieder die Gleichwertigkeit der beruflichen Bildung konterkariert, indem sie erklärt, dass Kinder von Akademikereltern, die nicht selbst einen Weg der akademischen Bildung gehen, sondern eine Ausbildung absolvieren, in die Kategorie Abstiegsmobilität kommen", sagte Schavan. Dies sei "abwegig".

Gerade in der Krise habe sich die duale Berufsbildung als bildungspolitischer Anker erwiesen, sagte Schavan. Anders als in anderen EU-Staaten sei die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland im Juni auf 7,9 Prozent zurückgegangen. Auch wenn der Vater Professor sei, sei es kein Abstieg, wenn der Sohn Optiker werde.

( (HA) )