Athen sieht seine Bemühungen untergraben

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Röslers Äußerungen über Euro-Austritt Griechenlands auch in Deutschland kritisiert

Athen/Hamburg. Der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras hat die Äußerungen einiger europäischer Politiker zum möglichen Euro-Austritt Griechenlands schärfstens kritisiert. "Ich sage es offiziell: Es handelt sich um Untergraber unserer nationalen Bemühungen", sagte er bei seiner Rede vor einem Parlamentsausschuss. "Wir tun, was wir können, damit das Land wieder auf eigenen Beinen stehen kann, und sie tun alles, was in ihrer Macht steht, damit wir scheitern", sagte Samaras. Er sagte weiter, er wisse nicht, ob sie es "bewusst oder aus Dummheit" tun. "Ich weiß nur, dass sie unverantwortlich sind", erklärte der Regierungschef. "Sie werden es nicht schaffen." Der griechische Premier betonte erneut, dass Griechenland dringend Investitionen und Wachstum brauche.

Der Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler, FDP-Chef Philipp Rösler, hatte am Sonntag im ARD-Sommerinterview gesagt: "Für mich hat ein Austritt Griechenlands längst seinen Schrecken verloren." Das Mitglied des Europäischen Parlamentes, Jorgo Chatzimarkakis (FDP), erklärte im griechischen Fernsehen (SKAI), er "schäme sich" für das, was sein Parteichef gesagt habe.

Auch SPD-Fraktionsvize Joachim Poß greift Rösler wegen dessen Äußerungen zu Griechenland scharf an. Der Vizekanzler und einige andere Koalitionspolitiker zeigten bei diesem Thema eine "eklatante Inkompetenz im Umgang mit schwierigen wirtschafts- und währungspolitischen Situationen", sagte Poß. Wenn Rösler mit einem Euro-Austritt Athens liebäugele, müsse er wissen, dass er damit die Risiken für die Euro-Zone vergrößere. "Der Bundeswirtschaftsminister trägt zur Destabilisierung bei", beklagte Poß. Rösler verstehe sich offenbar ähnlich wie eine Rating-Agentur. Da liege "ein Missverständnis seines Amtes" vor, urteilte der Sozialdemokrat.

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin hat Rösler vorgeworfen, die Kreditwürdigkeit Deutschlands zu gefährden. Dem Abendblatt sagte er: "Sein Gerede ist unverantwortlich, lässt die Zinsen steigen und kostet Deutschland Geld und möglicherweise auch die Kreditwürdigkeit." Die Spekulationen um den Austritt Griechenlands aus dem Euro verschärfen nach Ansicht Trittins die Krise in der Euro-Zone. Er forderte: "Wir sollten den Bericht der Troika in Athen abwarten und danach sorgsam die nächsten Schritte erwägen." Die Aussagen Röslers hätten mitnichten dazu beigetragen, die Märkte zu beruhigen, kritisierte der Grünen-Politiker.

Unterdessen begannen Vertreter der Troika aus Internationalem Währungsfonds, Europäischer Zentralbank und EU-Kommission in Athen mit der eingehenden Prüfung des griechischen Spar- und Reformprogramms.

( (kam) )