Brisantes Geschäft

Regierungs-Airbus "Theodor Heuss" an Iran verkauft

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Über Umwege gelangte die A310, die einst für Honecker gebaut wurde, zur Mahan Air. Die Fluggesellschaft steht auf schwarzer Liste der USA.

Hamburg. Die Beschreibung im Katalog las sich verlockend: Airbus A310 304 VIP zu verkaufen, Baujahr 1989, 12 Sitze für die Very Important Persons, 22 Business Class, 57 in der Holzklasse. Dazu diverse Sonderausstattungen und ein Nassbereich nur für den Top-VIP an Bord. Und durch die besondere Klotür in dem zweistrahligen, 46 Meter langen Airbus-Jet gingen schon Erich Honecker, Helmut Kohl, Gerhard Schröder und Angela Merkel. Und nun droht die Maschine in den Besitz eines Regimes zu gelangen, das Menschenrechte verachtet und die Welt mit seinem Atomprogramm in Atem hält: Iran. Die Fluggesellschaft Mahan Air hat den Airbus gekauft.

+++Die neuen Regierungsjets+++

Ein Kaufmann aus Gibraltar bot 3,1 Millionen Euro bei der Auktion

Die Maschine mit der Seriennummer 499 wurde im Juni 1989 an die DDR-Fluggesellschaft Interflug übergeben. Der Regierungsjet war kaum im Dienst, da fiel die Mauer, kam die deutsche Einheit - und als "Theodor Heuss" (Kennung: D-AOAB) wurde die Maschine zum Besitz der Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums. Weil die Bundesregierung die wegen zahlreicher Ausfälle als "Pannenflieger" bekannten A310 im vergangenen Jahr ausrangierte und neue A340 und A319 anschaffte, landete die "Theodor Heuss" im Verkaufskatalog der Vebeg, des Verwertungsunternehmens des Bundes.

Doch das höchste Gebot - von einem Kaufmann aus Gibraltar - lag bei 3,12 Millionen Euro, wie das Abendblatt erfuhr. Dabei wurde die letzte größere Inspektion (C-Check) im Sommer dieses Jahres gemacht, der letzte D-Check, bei dem praktisch der gesamte Jet runderneuert wird, war im Sommer 2009. Brandneu kostete eine A310, die inzwischen nicht mehr gebaut wird, 90 Millionen Dollar. Zehn Millionen Euro brachte zuletzt eine vergleichbare gebrauchte Maschine. Für den aus Gibraltar gebotenen Preis wurde die Maschine, die lange bei Lufthansa Technik am Hamburger Flughafen stand, verkauft.

Sie wurde zum Flughafen Kiew geflogen. Zwischenzeitlich sollte sie offenbar der armenischen Regierung dienen. Doch dann gelang sie in den Besitz der iranischen Mahan Air. "Wohin die Maschine weiterverkauft wird, können wir nicht steuern", sagte ein Vebeg-Sprecher dem Abendblatt.

Dabei ist besonders brisant, dass die Mahan Air auf der schwarzen Liste des amerikanischen Finanzministeriums steht. Die Airline soll die iranischen Revolutionsgarden und Waffen transportieren - auch bei Auftragsmorden, wie das US-Ministerium schreibt. Außerdem fliege Mahan Air Waffen für die Hisbollah im Libanon. Sicherheitsstandards würden absichtlich außer Kraft gesetzt. Die Gesellschaft fliege außerdem Agenten und Soldaten zu militärischen Trainings.

Für diplomatische Verstimmungen sorgte zuletzt ein Attentats-Plot, den die Amerikaner aufdeckten. So sollte unter dem Decknamen "Chevrolet" ein Mitglied der iranischen Revolutionsgarden den saudi-arabischen Botschafter in den USA töten. Die Sanktionen gegen den Iran und sein Atomprogramm sollen nach dem entlarvenden Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA noch einmal verschärft werden.

Mit Zustimmung von China und Russland wurde dem Iran ein Ultimatum von drei Monaten gestellt, alle Nuklear-Aktivitäten offenzulegen. In Israel wird weiter über einen Präventivschlag gegen die Atomanlagen des Regimes von Präsident Mahmud Ahmadinedschad diskutiert. Verteidigungsminister Ehud Barak sagte, dass sich Atomwaffen im Besitz des Iran in weniger als einem Jahr nicht mehr verhindern lassen werden. Er glaube, dass Teheran sein Atomprogramm ausweite, sagte Barak CNN. Ob Israel einen Angriff plane, um das Atomprogramm zu stoppen, sagte Barak nicht.

Satellitenaufnahmen von verschiedenen Geheimdiensten sollen eine erhöhte Aktivität rund um eine iranische Atomanlage zeigen, berichtet die Nachrichtenagentur AP. Offenbar versuche Teheran, das Gelände zu räumen und die Spuren der mutmaßlichen Experimente zu verwischen. Die Bilder stammten vom 4. und 5. November und zeigten ein ungewöhnlich hohes Verkehrsaufkommen rund um die Anlage Parchin südwestlich Teherans, sagten Gewährsleute aus drei Mitgliedstaaten der IAEA unter Berufung auf die Geheimdienste ihrer Heimatländer.

Gestern hat Großbritannien neue Sanktionen gegen den Iran verhängt. Alle britischen Finanzinstitute seien angewiesen worden, die Geschäfte mit ihren iranischen Partnern sowie mit der iranischen Zentralbank zu beenden, teilte das britische Finanzministerium mit. Die Maßnahmen seien mit anderen Ländern koordiniert worden. Finanzminister George Osborne sagte, die Sanktionen seien eine Reaktion auf den jüngsten IAEA-Bericht. Das Vorgehen des Iran stelle eine Gefahr für die nationale Sicherheit dar, sagte Osborne.

Irans Wirtschaft ächzt derzeit unter den Sanktionen der internationalen Gemeinschaft. Doch Ahmadinedschads Regierung hat bislang nicht genügend getan, um die Zweifel am Nuklear-Programm zu entkräften.

Dass der Iran die Maschine zivil nutzt, gilt als unwahrscheinlich

Hamburg hat traditionell gute Beziehungen zum Iran. Die Flugverbindung in die Hauptstadt ist meist gut gebucht. Auf der zweimal wöchentlich angebotenen Strecke Hamburg-Teheran fliegt Iran Air auch den Airbus A310.

Dass die von Deutschland verkaufte Maschine im Iran zivil genutzt wird, ist jedoch unwahrscheinlich. Da sie eine militärische Kennung hat, wären aufwendige Umbauten und Investitionen nötig, um sie in das zivile Luftfahrtregister einzuschreiben. "Sie hat praktisch keinen TÜV und keinen Fahrzeugschein", sagte ein Experte dem Abendblatt. Der Schriftzug "Bundesrepublik Deutschland" soll verschwunden sein.

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