Millionen Antworten fehlen

Viele Fragebögen zur Wohnraumzählung stehen noch aus. Kritik an Kosten der Volkszählung

Berlin. Bei der Gebäude- und Wohnungszählung im Rahmen des Zensus 2011 sind Millionen von Fragebögen noch nicht beantwortet worden. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage des Linken-Bundestagsabgeordneten Jan Korte hervor, die dem Abendblatt vorliegt. Von den 25,1 Millionen versandten Fragebögen seien bis zum 31. Oktober 14,1 Millionen Fragebögen per Post und 7,1 Millionen Fragebögen online an die statistischen Landesämter zurückgesendet worden, heißt es in dem Papier des Innenministeriums. Rund 3,9 Millionen Antworten fehlen demnach, umgerechnet etwa 15,5 Prozent.

Noch liegen der Bundesregierung allerdings keine Informationen über den postalischen Rücklauf der rund 7,2 Millionen Fragebögen für die stichprobenartige Haushaltsbefragung vor. Nach Auskunft des Landesbetriebes Information und Technik Nordrhein-Westfalen hätten bislang gut 500 000 Personen von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, den Fragebogen online auszufüllen, heißt es weiter in dem Ministeriumsschreiben.

In dem Papier werden auch die Kosten für die Produktion und die Schaltung eines Kino- und Fernsehwerbespots aufgeführt, der anlässlich der Volkszählung in Auftrag gegeben wurde. Demzufolge belaufen sich die Kosten für die Produktion auf rund 500 000 Euro. Die Schaltung des Werbefilms in Kino und Fernsehen kostete den Steuerzahler rund 876 000 Euro, so das Innenministerium.

Die Gesamtkosten für den Zensus belaufen sich laut Ministeriumsangaben auf 710 Millionen Euro. Davon entfallen 85 Millionen Euro auf das Statistische Bundesamt und 625 Millionen auf die Länder. Der Bund habe den Ländern allerdings eine Finanzzuweisung in Höhe von 250 Millionen Euro als Aufwandsentschädigung an die Länder und Kommunen gewährt. Der Linken-Abgeordnete Jan Korte hält die Kosteneinschätzung der Regierung für viel zu niedrig angesetzt: "Die Bundesregierung scheint sich um die Verdoppelung der Kosten beim Zensus 2011 keine weiteren Gedanken zu machen. Wie sorglos sie mit dem Geld umgeht, zeigt auch die Tatsache, dass sie 1 376 000 Euro für einen inhaltsleeren Werbespot aus dem Fenster wirft." Laut Korte lasse die hohe Zahl an Verweigerern bei der Gebäude- und Wohnungszählung aufhorchen. "Hier gab es auch von Anfang an große Klagen und Proteste." Dass fast jeder sechste Gebäude- oder Wohnungsinhaber die Angaben verweigern würde, habe man allerdings nicht erwarten können und überrasche ihn positiv.

Beim Zensus 2011 werden in ganz Deutschland die Bevölkerung, die Gebäude- und die Wohnungen gezählt. Die ersten offiziellen Ergebnisse sollen im November 2012 vorliegen. Die detaillierten Auswertungen folgen dann ab Mai 2013.