Briten machen Front gegen ein "deutsches Europa"

Berlin. Die Nerven in der Schuldenkrise liegen blank: Vor dem heutigen Besuch des britischen Premiers David Cameron bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ist heftiger Streit über die Europapolitik entbrannt. Die Briten weigern sich strikt, eine Abgabe auf Geldgeschäfte einzuführen, wie es von der Bundesregierung gefordert wird.

Für Entrüstung sorgte zudem die Aussage von Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU): "Europa spricht jetzt deutsch", mit der er Merkels Rolle in der Euro-Krise betonen wollte. Wie die Zeitung "Guardian" schreibt, gebe es in der Londoner Regierung große Vorbehalte gegen ein "deutsches Europa". Die Union erneuerte jedoch ihre Kritik an dem Nein zur Spekulationssteuer, mit dem der Finanzplatz London geschützt werden soll. "Europa ist nun mal eine Solidargemeinschaft, und man kann sich nicht nur die Rosinen rauspicken", sagte der finanzpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Klaus-Peter Flosbach (CDU), dem Abendblatt.

Mit ihrem Wunsch nach einer Änderung der EU-Verträge steht Merkel ebenfalls in der Kritik. Wie die Briten reagierte gestern auch die neue dänische Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt skeptisch. Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker zeigt sich wegen der deutschen Staatsschulden beunruhigt. "Deutschland hat höhere Schulden als Spanien. Nur will das hier keiner wissen", sagte er dem Bonner "General-Anzeiger".