Online-Aktion

"Geben Sie Cannabis frei, Frau Merkel"

7000 Youtube-Nutzer folgten dem Aufruf und posteten ihre Fragen der Bundesregierung. Vor allem die Legalisierung von Drogen trieb sie um.

Berlin. Während die deutsche Bundesregierung an allen politischen Fronten um die Rettung des Euro kämpft, beschäftigt die Bürger offenbar ein völlig anderes Problem: die Legalisierung des Rauschmittels Cannabis. Das zumindest legt eine aktuelle Netzaktion der Bundesregierung nahe, die alle Bürger vor drei Wochen dazu aufgerufen hat, sich im Internet auf dem Youtube-Kanal mit Fragen direkt an die Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zu wenden. Auf Platz eins der meist gestellten Fragen in der offenen Runde steht zum Erstaunen vieler die Freigabe von Cannabis.

Insgesamt waren rund 7000 Youtube-Nutzer dem Aufruf gefolgt und posteten Fragen auf dem Kanal der Bundesregierung oder bewerteten die Fragen anderer Nutzer.

Mehr als 2000 Internetnutzer unterstützten die Frage, wie die Kanzlerin denn dazu stehe, "den bestehenden Schwarzmarkt für Cannabis durch einen regulierten Markt mit Jugend- und Verbraucherschutz (Kontrolle von Qualität und THC-Gehalt) zu ersetzen und mehr Suchtprävention über Cannabissteuern zu finanzieren".

Aber auch zu der Höhe der Diäten und zu den Einkünften der Politiker dürfte Merkel in ihrer Antwortrunde bald Stellung beziehen müssen: Vier der zehn beliebtesten Fragen beschäftigten sich mit dem Gehalt und den Pensionsansprüchen der Abgeordneten.

So fragt sich zum Beispiel "Otto Kümmerling", warum die Politiker über Diäten-Erhöhungen selbst bestimmen dürfen und ergänzt seine Frage mit der Bemerkung: "In Unternehmen bestimmen ja auch nicht die Angestellten über ihre Löhne."

Über 1700 Fragen gingen insgesamt ein. Die zehn beliebtesten davon will Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ab 18. November in drei Video-Statements beantworten. Die Auswahl erfolgt, so bisher das Versprechen, auf der Grundlage der Nutzerbewertung.

Der Medienpsychologe Jo Groebel kritisiert derweil, dass die Beantwortung der Fragen nicht direkt erfolge. "Ich denke, dass man hier noch flotter werden kann. Eine Kanzlerin sollte spontane Fragen nicht fürchten." Grundsätzlich aber sei die Aktion der Bundesregierung eine richtige Strategie. "Keine Regierung kann es sich leisten, nicht alle Kommunikationskanäle zu nutzen." Auf die Einschaltquoten darf man also gespannt sein.

Mehr dazu unter www.youtube.de/bundesregierung