Minister Pofalla bereut Angriff auf Bosbach

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Berlin. Nach seiner verbalen Entgleisung gegen den Euro-Abweichler und CDU-Parteikollegen Wolfgang Bosbach hat Kanzleramtsminister Ronald Pofalla sich auch öffentlich entschuldigt. "Ich ärgere mich selbst sehr über das, was vorgefallen ist, und es tut mir außerordentlich leid", sagte Pofalla der "Bild"-Zeitung.

Am Wochenende war bekannt geworden, dass der Kanzleramtsminister wenige Tage vor der Bundestagsabstimmung über den auch in der Unionsfraktion umstrittenen Euro-Rettungsschirm EFSF Bosbach wüst beschimpft hatte. Unter anderem fiel dabei der Satz: "Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen." Dafür hatte sich Pofalla am Tag darauf persönlich bei Bosbach entschuldigt. Dieser erklärte die Angelegenheit danach für erledigt. Bosbach betonte gestern, gerade Volksparteien müssten Diskussionen aushalten und auch austragen können. "Viel schlimmer wäre es, wenn die Menschen das Gefühl bekommen: Sobald du Mitglied der Partei bist, darfst du nur noch die offizielle Parteilinie vertreten", sagte er im Bayerischen Rundfunk.

An der CDU-Basis herrscht weiter Unmut über die Verbalattacke des Kanzleramtschefs, Rücktrittsforderungen werden laut: Der niedersächsische CDU-Politiker Frank Oesterhelweg bezeichnete Pofallas Äußerungen als "Frechheit" und verlangte, "in der Unions-Spitze dringend personelle Veränderungen vorzunehmen". Um das Erscheinungsbild der Union stehe es denkbar schlecht. "Viel zu lange haben wir als Basis dieses Trauerspiel hingenommen", beklagte er, "wenn jetzt nicht bald aufgeräumt wird, dann laufen uns Mitglieder und Wähler in Scharen davon." Die "Berliner Zeitung" zitierte einen namentlich nicht erwähnten führenden Koalitionspolitiker mit den Worten, Pofalla sei in seinem Amt überfordert und zudem wegen seiner cholerischen Art nicht dafür geeignet. Er sei "der schlechteste Kanzleramtschef aller Zeiten".

Die CDU-Führung bemüht sich nun um eine Beruhigung der Gemüter in der Partei. Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs und Wirtschaftsstaatssekretär Peter Hintze forderten ein Ende der Debatte. Hintze wertete die Diskussion über Pofallas Wutausbruch als überzogen und mahnte im Deutschlandfunk, "die Sache für abgeschlossen zu erklären". Fuchs riet dazu, den Vorfall nun auf sich beruhen zu lassen. Pofalla sei "ein bisschen über das Ziel hinausgeschossen", sagte er dem Südwestrundfunk. "Aber das darf man auch nicht überbewerten."

( (dapd/dpa) )

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