Politik

Parteiquerelen: Die Linke versinkt im Dauerstreit

Keine Personaldebatte bei den Linken. Gregor Gysi und Klaus Ernst wollen Mitglieder befragen, bevor die künftige Parteispitze gewählt wird.

Schwerin. Nach den Querelen bei der Linken um die Gründe des Mauerbaus und das Glückwunschschreiben an Kubas Revolutionsführer Fidel Castro hat sich Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi gegen eine Personaldebatte ausgesprochen. "Wir haben auf demokratische Art und Weise zwei Vorsitzende gewählt. Sie sind es, bis wir Neuwahlen haben." Ob sie dann noch mal antreten, das müssten sie selbst entscheiden, sagte Gysi am Freitag in Rostock zu Beginn einer Klausurtagung seiner Fraktion. Die Linke habe derzeit keine Personaldebatte, sie brauche auch keine.

Gysi begrüßte den Vorschlag des Parteivorsitzenden Klaus Ernst, vor dem Wahlparteitag im Frühjahr 2012 die Mitglieder zur künftigen Parteispitze zu befragen. "Wahrscheinlich brauchen wir das auch." Er kritisierte den Stil des Glückwunschschreibens von Ernst und der Kovorsitzenden Gesine Lötzsch an Castro zu dessen 85. Geburtstag. Ernst bedauerte die Form des Glückwunschschreibens an Castro. Er sagte der "Süddeutschen Zeitung": "Es ist einfach ein Fehler passiert." Grundsätzlich halte er die Gratulation für richtig, falsch gewesen sei der Stil. "Es ist doch schon durchgesickert, dass der Text nicht über unseren Schreibtisch gegangen ist und im Übrigen auch so nicht gegangen wäre", sagte er.

Der frühere Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch forderte seine Partei unterdessen auf, ihre Strategie zu überprüfen. Bartsch sagte der "Berliner Zeitung", seine Partei habe zu wenig aus dem hervorragenden Ergebnis bei der Bundestagswahl vor knapp zwei Jahren gemacht. "Nach dem Parteitag in Rostock vor gut einem Jahr haben wir es nicht geschafft, neue inhaltliche Akzente zu setzen und die Partei zu einen", sagte der Vizechef der Linksfraktion im Bundestag, der als Reformer gilt.

Angeheizt wurden die innerparteilichen Querelen zuletzt vom Vizevorsitzenden der Bundestagsfraktion, Ulrich Maurer, der Teilen der Partei eine "narzisstische Störung" attestiert hatte. Ungehalten darüber zeigte sich der Vorsitzende der Linksfraktion in Thüringen, Bodo Ramelow. Er sagte im Südwestrundfunk, Maurer heize mit "dumpfen Drohungen in irgendeine, nicht näher genannte Richtung" den innerparteilichen Streit an. Dabei gehöre es zu Maurers Aufgaben als Beauftragter für die Parteibildung in Westdeutschland, die Linke mit Positionen voranzubringen, "die uns stärker machen".